Recruiting vorausdenken: Nach Y und Z kommt die Generation Alpha

Im Alphabet kommt nach X,Y, Z nichts mehr. In der Generationenforschung folgt an dieser Stelle der griechische Buchstabe „Alpha“.  Nach den Ypsilonern und der Generation Z wird somit die Generation Alpha die nächste Altersgruppe sein, die auf den Arbeitsmarkt strömt. Sie ist jung. So jung, dass viele Vertreter dieser Kohorte noch gar nicht geboren sind. Warum Du als Recruiter aber schon jetzt wissen solltest, wie die Alphas ticken. 

Vanessa Kurz
Vanessa Kurz
Als B. A. Medienmanagement und M. Sc. International Marketing Management ist Vanessa Expertin in modernen Marketing-Strategien und Zielgruppenansprache.

Was ist die Generation Alpha?
Eine Einordnung und Definition.

Legen wir mit einem kurzen Faktencheck zu den Alphas los – was wissen wir bereits über sie?

  • Die Generation Alpha ist die erste Generation, die komplett im 21. Jahrhundert geboren wurde.
  • Das Licht der Welt erblicken sie seit 2010 oder noch bis zum Jahr 2025.
  • Diese Megatrends prägen sie: Digitalisierung, Globalisierung, politische und wirtschaftliche Instabilität, globale Krisen, demografischer Wandel.

Auch, wenn die ältesten Vertreter der Generation Alpha gerade mal zehn Jahre alt sind und die jüngsten von ihnen derzeit entweder gewickelt oder erst noch gezeugt werden müssen, lohnt es sich, sich schon jetzt mit den Alphas auseinanderzusetzen. In etwa sechs Jahren werden die ersten Alphas als Azubis auf den Arbeitsmarkt strömen. Vielleicht absolvieren sie schon etwas früher ein Praktikum in Deinem Unternehmen. Bis dahin solltest Du vorbereitet sein. Denn Du wirst sie brauchen. 

Die Generation des demographischen Wandels

Sobald es für die Nachfolger der Generation Z nämlich ernst auf dem Arbeitsmarkt wird, wird der demografische Wandel, vor dem uns allen ziemlich graut, in vollem Gange sein.

In den nächsten Jahren verabschieden sich rund 20 Millionen der in den Fünfziger- und Sechzigerjahren geborenen Babyboomer in den Ruhestand. In weniger als fünf Jahren, wird das den Arbeitsmarkt mit voller Wucht treffen und im Jahr 2030 gehen dann fast eine halbe Million Menschen mehr in Rente, als junge Erwerbstätige ihre Karriere starten. Prognosen zufolge könnten dann sechs Millionen Arbeitskräfte fehlen. (Quelle: Welt.de)

Wie ticken die Alphas?

Es steht also außer Frage, dass Du Dich als Recruiter mit der Generation Alpha auseinandersetzen musst. Denn Du wirst massiv um jeden einzelnen werben müssen. Je früher Du weißt, wie die Alphas ticken, umso höher die Chance, dass Du in Deinem Employer Branding und Recruiting die richtigen Weichen stellst. Also lass uns mal überlegen, wie die Lebenswelt der Generation Alpha aussehen könnte.

Für die Generation Alpha dürfte in ein paar Jahren zum Beispiel zum Alltag gehören, was jetzt als Trend heiß diskutiert wird. Das Internet der Dinge, bei dem der Kühlschrank feststellt, dass Du keine Milch mehr hast und diese automatisch beim Supermarkt um die Ecke bestellt. Keine zehn Minuten später bringt eine brummende Drohne die Bestellung. In der Arbeitswelt wird das Internet der Dinge in ein paar Jahren zu einer starken Vernetzung sich selbst regulierender Maschinen, Geräten und Produkte führen. Wir reden hier von ganzen Fabriken, die sich selbst steuern.

Die Generation Alpha kommt somit in eine Arbeitswelt, in der es einfachere Arbeiten, so genannte Routine-Tätigkeiten, praktisch nicht mehr gibt. Erledigt alles der Roboter! Arbeitnehmern wird hingegen die Wissensarbeit obliegen. Das sind Tätigkeiten, die nicht an den Computer ausgelagert werden können: Strategische Entscheidungen oder kreative Prozesse gehören zum Beispiel dazu – darauf verstehen sich digitale Kisten so ganz und gar nicht. Das also wird das tägliche Brot der Generation Alpha sein. Und schon allein daraus lässt sich eine ganze Menge ableiten, was ihr im Beruf wichtig sein wird. Wir haben mal ein paar Punkte zusammengetragen. (Vergleiche dazu: Arbeitswelt der Zukunft.)

#1 Die richtige Ausstattung am Arbeitsplatz

Für die Generation Alpha wird es zum Beispiel ungemein wichtig sein, über eine zeitgemäße technische Ausrüstung am Arbeitsplatz zu verfügen. Das ist ihr ungemein wichtig. Denn die Alphas können digitale Endgeräte bedienen, noch bevor sie das erste Wort gesprochen haben. Das hast Du bestimmt auch schon mal in einem Kaffee beobachtet, oder? Da gibt es immer mehr Kleinkinder und Babys, die höchsten ein paar Brabbellaute von sich geben können. Aber mit dem Smartphone der Eltern kennen sie sich bereits bestens aus und wischen munter und überraschend zielgerichtet darauf herum. 

Für sie ist eine Welt mit funktionierenden digitalen Gadgets somit eine Selbstverständlichkeit. Diese werden am Arbeitsplatz nicht verhandelbar, sondern eine Grundvoraussetzung sein, die die Alphas mit aller Konsequenz einfordern. Nur so können sie effektiv und effizient arbeiten. Entsprechend ist es wichtig, dass Arbeitgeber immer im Hinterkopf behalten, technisch up-to-date zu sein. Arbeitgeber sollten ihre Digitalisierungsmüdigkeit also langsam ad acta legen. 

#2 Wissensarbeit geschieht nicht auf Knopfdruck

Gleichzeitig bedarf es für die zukünftigen Wissensarbeiter der richtigen Arbeitsbedingungen. Kreative oder strategische Prozesse lassen sich nun mal nicht nach Stechuhr an- und ausknipsen. Daher kann ein klassischer nine to five Job nicht das Modell der Zukunft sein. Stattdessen müssen Arbeitszeiten flexibilisiert werden – Arbeitnehmer sollten immer dann aktiv werden können, wenn die Ideen sprudeln und nicht, wenn es die Stechuhr ihnen vorgibt. 

Das setzt voraus, dass Arbeit nicht nur zu unterschiedlichen Zeiten verrichtet werden kann, sondern auch an unterschiedlichen Orten. Entsprechend brauchen Wissensarbeiter mobile Arbeits- und Vernetzungsmöglichkeiten mit ihren Kollegen. Hier kommt der Stein zum Glück ja langsam ins Rollen…

#3 Entlohnung nach Leistung

Hinzu kommt, dass sich kreative Prozesse schlecht in ein Entlohnungsmodell packen lassen, das auf einer 40-Stunden-Woche basiert. Wer einen Geistesblitz hat, ist mit seiner Arbeit zum Beispiel im Handumdrehen fertig, andere brauchen dafür umso länger. Entsprechend wird Wissensarbeit wahrscheinlich nicht mehr nach den geleisteten Stunden entlohnt, sondern nach der Erfüllung von Zielen.

#4 Weiterbildung ist das A und O

Wissen wird künftig immer schneller veralten. Doch nur, wer als Wissensarbeiter fachlich immer up-to-date ist, wird Entscheidungen treffen und Ideen generieren können, die im besten Fall ihrer Zeit voraus sind. Das ist in der Arbeitswelt der Zukunft ungemein wichtig. Den die zunehmende Digitalisierung und Globalisierung werden den Wettbewerbsdruck in den Märkten weiter steigen lassen. Umso essentieller wird für die Generation Alpha das Thema Weiterbildung sein. Sie wird Arbeitgeberleistungen dahingehend hinterfragen, ob sie stets Zugang zu frischen Erkenntnissen erhält. 

Sei es über den Besuch von Kongressen oder Messen, wobei diese in der Arbeitswelt der Zukunft wahrscheinlich keine große Rolle mehr spielen werden. Wichtiger werden digitale Hilfsmittel für den orts- und zeitunabhängigen Wissenserwerb sein. Blended-Learning, Wissens-Apps, Webinare, Chats mit Experten und dergleichen. Wichtig ist es, die nötigen Mittel an der Hand zu haben, Wissenslücken genau dann zu schließen, wenn sie entstehen. Entsprechend wird Lernen zunehmend „on the Job“ und in kleinen Häppchen stattfinden.

#5 Der Arbeitsplatz wird sich verändern

Der Arbeitsplatz der Generation Alpha wird weiterhin Schreibtisch, Bürostuhl, Rechner und Bildschirm umfassen. Damit sich die Alphas während der Arbeit aber gut konzentrieren können, ist es wichtig, dass moderne Arbeitsplatzkonzepte zum Beispiel ergonomische Vorgaben berücksichtigen. Denn der Kopf funktioniert schlechter, wenn’s im Rücken dauernd zwickt und zwackt, weil der Bürostuhl durchgesessen ist. Außerdem muss es Umgebungen geben, die konzentriertes Arbeiten unterstützen – hier spielen Licht, Akustik, Klima und Luftqualität eine elementare Voraussetzung für Gesundheit, Zufriedenheit, Wohlbefinden und produktives Arbeiten.

Gleichzeitig wird es Meeting- oder Kreativbereiche geben, in denen die Wissensarbeiter der Zukunft mit Kollegen an neuen Ideen basteln können. Je nach bedarf gibt es loungeartige Besprechungsräume, in denen man gemeinsam Ideen nachhängt. Für die Bastler und Tüftler gibt es hingegen Räume mit Lego, Knete oder anderweitigen Bastelutensilien, mit denen kreative Ideen in Modelle gegossen werden können. Und für alle Star Trek-Fans kommt jetzt der große Moment: Wahrscheinlich werden die Alphas sogar in Holo-Decks verschiedene Anwendungen simulieren. Bis dahin dürfte die Technik soweit sein.

#6 Führung auf Augenhöhe

Die Alphas werden kreativer, strategischer und somit selbstständiger Arbeiten als jede Generation vor ihnen. Das setzt Führungsstrukturen voraus, in denen Chefs nicht mehr vorgeben und bestimmen, was zu tun ist. Sie fungieren eher als Enabler der Wissensarbeiter. Sie hinterfragen: Stehen alle nötigen Ressourcen zur Verfügung, sodass der Wissensarbeiter seiner Tätigkeit angemessen nachgehen kann?

Das wird ein ganz anderes Verständnis von Führen und Geführt-Werden bedingen. Es muss zum Beispiel deutlich mehr Verantwortung auf die Alphas übertragen werden. Das heißt aber nicht, dass Du sie als Vorgesetzter aus den Augen lassen darfst. Denn gleichzeitig werden die Alphas permanent nach einer positiven Rückmeldung von ihrem Chef heischen. 

Jesper Juul, der bekannte dänische Familienforscher, bringt den Erziehungsstil, den die Generation Alpha genießt, jedenfalls so auf den Punkt: „Kinder sind überzogen. Ständig sind die Mütter an ihnen dran.“ Daraus folgt: Ein ähnliches Helikopter-Verhalten werden sie auch von ihren Vorgesetzten erwarten. Das könnte ein bisschen anstrengend werden…

#7 Home, sweet Home

Wer jeden Tag seine grauen Zellen anstrengt, braucht auch den nötigen Ausgleich. Die Work-Life-Balance wird für Alphas daher zu einem wichtigen Thema werden. Sie wissen: Nur wer zwischendurch vollständig abschaltet, kann in der Arbeitszeit hochwertige Leistungen abrufen. Daher werden die Alphas wahrscheinlich großen Wert auf eine strikte Trennung von Beruf und Privatem legen. Eine Entwicklung, die sich übrigens genau aus diesem Grund schon bei der heutigen Generation Z beobachten lässt.

Fazit

Die Generation Alpha steckt im wahrsten Sinne des Wortes noch in den Kinderschuhen. Doch schon in ein paar Jahren strömen die Alphas auf den Arbeitsmarkt und werden eine wichtige Ressource sein. Es ist also nie zu früh, um sich das nötige Wissen anzueignen, wie man sich für diese besondere Generation als attraktiver Arbeitgeber aufstellt. Wir halten Dich natürlich immer auf den Laufenden, sobald es über die Alphas was Neues gibt.

So kannst du als Personaler reagieren, wenn es Generationenkonflikte auf der Arbeit gibt.

×

Übersicht

×

Übersicht

Wir freuen uns auf Deinen Anruf! Erreichbar sind wir von Montag bis Freitag, 8.30 bis 17.00 Uhr unter:

Oder melde Dich direkt bei uns:
mail@hr-monkeys.de