TikTok-Recruiting? Auf jeden Fall!

TikTok, das ist diese hippe Videoplattform, die alle unter 20 obsessiv nutzen. Hier fordern sie sich unter anderem zu Challenges heraus, deren Inhalte von kreativ bis abstrus reichen. Oft geht es dabei um Musik und Tanz, aber die Plattform hat noch viel mehr drauf. Jetzt passiert den Schritt, der Recruiter*innen von den Füßen hauen wird: TikTok launcht eine Recruiting-Plattform!

Vanessa Kurz
Vanessa Kurz
Als B. A. Medienmanagement und M. Sc. International Marketing Management ist Vanessa Expertin in modernen Marketing-Strategien und Zielgruppenansprache.
TIKTOK im Recruiting

Exkurs: Was ist TikTok?

Das Social-Media-Netzwerk hat trotz seiner Neuheit bereits alle Rekorde gebrochen. Seit dem Launch im Jahr 2016 ist die Popularität der App mit inzwischen weltweit 800 Millionen aktiven Nutzer*innen förmlich explodiert – keine schlechte Hausnummer. Die Inhalte auf TikTok sind kurze Videos – im Gegensatz zum klassichen YouTube-Clip von maximal einer Minute Länge. Nutzer verbringen dort durchschnittlich 24,5 Stunden monatlich. Wer also die Aufmerksamkeit von jungen Kandidat*innen auf sich ziehen will, ist hier gut platziert.

41 Prozent der Nutzer*innen sind zwischen 16 und 24 Jahre alt. Für sie ist TikTok ein magischer Ort: Es gibt Clips mit Tänzen zu bestimmten Songs, Fitnesseinlagen, Comedy und Musik. Besonders beliebt sind aber die Challenges. Viele davon sind – wie eingangs schon gesagt – skurril. Es gibt aber auch durchaus Aktionen, die bewundernswert sind. Beispielsweise unter dem Hashtag #cleansnap ging es darum, einen zugemüllten Ort aufzuräumen. So wurden durch TikTok wohl viele Strände auf der ganzen Welt von Plastikmüll befreit. 

Denn dank der gigantischen Reichweite des Netzwerks verbreitete sich die Aktion in Windeseile im ganzen Netz. Häufig geht es hier auch um Gerechtigkeit. Es gibt zum Beispiel jede Menge aufklärende Clips über die Queer- und Transcommunity oder Videos und Statements über die #Blacklivesmatter-Bewegung.

TikTok startet seine eigene Recruiting-Plattform

Im Juli 2021 hat die Social Media App TikTok in den USA offiziell eine Funktion zur Personalsuche eingeführt. Wer jetzt schon einsteigt, kann in Deutschland Vorreiter sein!

Seit Jahren spricht die HR-Branche von Video-Recruiting als revolutionären Trend, durchgesetzt hat sich die Idee allerdings bisher nicht wirklich. Einige Unternehmen und Bewerber*innen machen vorsichtige digitale Versuche, diverse Tools wollen den Durchbruch bringen, schaffen es aber doch nicht so ganz.

Dass letztlich ein soziales Netzwerk die idealen Voraussetzungen für die Personalgewinnung per Video mitbringt, liegt eigentlich nahe:

So sieht der TikTok-Bewerbungsprozess aus:

TikTok hat für das neue Projekt eine separate Seite eröffnet. Im Grunde eine Mischung aus einem typischen Jobboard a la Stepstone oder Monster, gepaart mit einem eigenen Bewerbermangement-Tool.

Nutzer können Bewerbungsvideo auf ihrer TikTok-App posten und es dann (wenn gewünscht in Kombination mit dem LinkedIn-Profil) für interessante Stellenanzeigen einreichen.

So können Bewerbungsvideos auf TikTok aussehen:

@makena.yee

Here are the reasons why YOU should hire me! Don’t be shy, let’s get in touch. #tiktokresumes #tiktokpartner

♬ original sound - MAKENA

Natürlich steckt dieses neue Feature noch in den Kinderschuhen – TikTok testet Recruiting-Möglichkeiten aus, ohne signifikante Änderungen am Grundkonzept der App zu machen. Sollte dieses Experiment jedoch fruchten, wird es sicherlich ausgebaut und mit weiteren Funktionen in die App integriert werden. Andere Social Media Sites werden folgen und ihre Varianten der Idee vorstellen. Es ist ja immerhin nichts Neues: Instagram beispielsweise hat schon erfolgreich Snapchats Reel-Funktion adaptiert. Man darf also gespannt sein, wie diese Neuerung sich durchsetzt.

Warum TikTok-Recruiting auf unabhängig von der neuen Funktion revolutioniert

Mal abgesehen von der neuen Funktion: Auch im allgemeinen Employer Branding ist TikTok momentan auf dem Vormarsch. Es hält sich zwar hartnäckig die Meinung, die Inhalte seien zu oberflächlich, zu schnell, zu kurz und zu wenig aussagekräftig. Doch dieses Urteil ist eindeutig zu pauschal: Wie so häufig bewerten die älteren Generationen die neuen Wege des Nachwuchses negativ, ohne überhaupt zu verstehen, worum es geht.

Mit TikTok haben sich die jungen Generationen, ähnlich wie auch mit Snapchat, eine neue Art des Medienkonsums geschaffen: Weg von kuratiertem, gestriegeltem, künstlichem Content, hin zu authentischen, menschlichen, unterhaltsamen Inhalten. Hier ist nicht Hochglanz gefragt, sondern Kreativität und Spontanität – Qualitäten, die viele alteingesessene Unternehmen dringen nötig haben.

Und genau aus diesem Grund solltest Du darüber nachdenken, ob Du TikTok nicht auch in Deinem Personalmarketing und im Recruiting einsetzt: Du kannst zeigen, dass Dein Unternehmen echt ist, dass es mit der Zeit geht und die Bedürfnisse von Nachwuchstalenten versteht.

Die Plattform sammelt zunehmend Inhalte mit großem Mehrwert. Es sind lange nicht mehr nur Katzenvideos und lustige Tänze – sondern Bildung, politische Themen und Business-Insights (sogar Bewerbungstipps und Ähnliches) sind stark vertreten. 

Arbeitgeber auf TikTok: Erfolgsgeschichten

Social Media Recruiting auf TikTok geht mit einem entscheidenden Vorteil einher: Wenn Du als Arbeitgeber die Plattform in Deine Employer-Branding-Strategie aufnimmst, hast Du eine freie Spielwiese vor Dir, auf der Du Dich nach Herzenslust austoben kannst. Denn bislang sind hier nur wenige Unternehmen vertreten. Du kannst also wahre Recruiting-Pionierarbeit leisten. Hier mal einige Beispiele der Arbeitgebermarken, die bereits auf der Plattform aktiv sind. Lass’ Dich inspirieren. 

Klinikum Dortmund

Die Kolleg*innen aus dem Klinikum Dortmund geben in kurzen Clips unterhaltsame Einblicke ins Teamgefüge. Mitarbeiter*innen tanzen gemeinsam oder zeigen sich in lustigen Situationen. Doch der Auftritt hat nicht nur Comedy-Charakter

Die Arbeitnehmer*innen zeigen auch den Alltag auf den Stationen oder im OP  oft mit einem Augenzwinkern, dann aber auch mal wieder lehrreich. Auf jeden Fall kommt über den Kanal ziemlich gut rüber: Hier herrscht ein super Teamgeist. Uns würde es nicht wundern, wenn mit dieser Mischung aus ernsthaften und gleichzeitig unterhaltsamen Inhalten bereits viele neue Pflegekräfte ihren Weg zu diesem Arbeitgeber gefunden hätten. Schau doch mal selbst.

Die Tagesschau

Wer hätte es gedacht? Sogar die Tagesschau ist unter die TikToker gegangen. Deutschlands älteste Nachrichtensendung bietet einen bunten Mix aus Erklärvideos und Clips, die einen einem Blick hinter die Kulissen gewähren. 

Wie entsteht so eine Tagesschau? Wie viele Leute sind daran beteiligt? Darf man trotz all der ernsten Themen gut drauf sein? Das erfahren die Follower über den TikTok-Kanal. Hier geht’s zum Kanal.

Otto

Der Marktplatz Otto hat auf TikTok derweil mit einer Aktion bei der jungen Zielgruppe gepunktet, bei der er seinen Markennamen auf witzige Weise durch den Kakao gezogen hat. Unter dem Hashtag #MachDichZumOtto gingen viele lustige Posts ein, bei der sich die TikTok-Follower:innen aufs Korn genommen haben. Aber so etwas kann man nicht beschreiben. Sieh selbst! 

Das Besondere: Auch wenn bei der Challenge kein einziges Otto-Produkt und kein einziger Arbeitgeberbenefit beworben wurde – die Follower bauten dennoch eine positive Bindung zu der Marke und dem Arbeitgeber Otto auf. Innerhalb der ersten vier Wochen wurde die Kampagne 147 Millionen Mal gesehen. Chapeau!

Volksbank Mittelhessen

Eine Volksbank wirkt auf die jungen Zielgruppen immer so ein bisschen verschnarcht und eingestaubt. Bewerber:innen haben schnell das Bild einer kleinen, öden Dorffiliale im Kopf. Dass das so aber nicht stimmt, beweist die Volksbank Mittelhessen auf ihrem TikTok-Kanal. In den Clips sehen potenzielle Arbeitnehmer nicht nur ein hochmodernes Arbeitsumfeld, sie sehen auch, dass es in der Bank mit viel Humor zugeht.  

Eines der Comedy-Videos mit Finanzvorstand Peter Hanker wurde über Nacht zum Viralhit. Sogar im Fernsehen und in der Presse sorgte es für Furore. Schließlich ist es keine Selbstverständlichkeit, dass der Vorstand einer großen Volksbank einfach mal ein TikTok-Video mit dreht. Schau: Da ist das Prachtstück

Und mit dem hat der Vorstand ein klares Zeichen gesetzt. Die Volksbank Mittelhessen ist alles andere als verstaubt. Übrigens ist Peter Hanker längst zum Wiederholungstäter geworden und inzwischen fester Bestandteil des TikTok-Ensembles.

Checkliste: Personalmarketing auf TikTok

Wenn Du Dir die einzelnen Auftritte der verschiedenen Unternehmen einmal genauer angeschaut hast, dürftest Du festgestellt haben, dass TikTok komplett anders funktioniert als andere Social Media Kanäle. Wir haben eine kleine Checkliste für Dich, was Du dort beim Recruiting beachten solltest:

Die Follower auf TikTok sind an verwackelte Aufnahmen Marke Eigenbau gewöhnt. Gerde das Nicht-Perfekte sowie die Mischung aus Information und Entertainment ist das begeisternde Element auf TikTok – hier broadcasten Menschen wie Du und ich. Diesen Zauber solltest Du nicht durchbrechen. 

Nutzer wollen keinen inszenierten Hochglanz-Content von einer Agentur, sondern echte Inhalte sehen. Lass also Deine Mitarbeiter*innen ran! Und zwar möglichst die jungen Leute aus Deinem Unternehmen. Auf TikTok will die Jugend nämlich tendenziell unter sich bleiben.

Betone nicht in jedem Video, wie ausgesprochen toll die Arbeit in Deinem Unternehmen ist und wie viele Benefits Du bietest. Derart plakatives Personalmarketing ist auf dem Kanal out. Auf TikTok tritt die Arbeitgebermarke in den Hintergrund, die kreativen Ideen Deiner Mitarbeiter*innen dafür aber in den Vordergrund. Lass‘ Deinem Team möglichst viel Freiraum bei der Erstellung seiner Clips und Inhalte. Das ist Employer Branding genug für die junge Zielgruppe.

Lass Dich ruhig von anderen Arbeitgeber-Auftritten auf TikTok inspriereren, ohne sie aber zu kopieren. Das schätzt die TikTok Community so gar nicht. TikTok lebt von der Kraft eigener Ideen. Und die dürfen ruhig anders sein als alles, was Du bislang in den Sozialen Medien gemacht hast. Denkt neu, seid kreativ und traut Euch etwas!

Fazit

Bis hierhin haben wir doch eine ganze Menge gelernt, oder? Fassen wir nochmal zusammen: Die Kurzvideoplattform bietet vor allem eines – Unterhaltung, aber eben nicht nur. Die Clips vermitteln auch Wissen und Mehrwerte und erreichen eine wichtige Zielgruppe für’s Recruiting: Millionen von Teenagern und jungen Erwachsenen.

Wenn Du als Arbeitgeber auf TikTok Recruiting betreiben willst, kannst Du neue Maßstäbe setzen, denn es gibt noch nicht viele Unternehmen, die auf TikTok aktiv sind. Am besten spannst Du Deine Azubis ein, um den Kanal zu gestalten. Auch wenn diese noch keine ausgebildeten Social Media Manager sind. Diese zeigen Dir dann aus dem Bauch, wie’s funktioniert. Und das ist oft das bewährteste Erfolgsrezept.

Social Media Kommunikation

So kommunizierst Du mit Bewerbern auf sozialen Netzwerken

Bildquelle: www.pexels.de / cottonbro

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