Unbewusste Vorurteile im Recruiting

Hast Du schon mal darüber nachgedacht, dass unsere Gedanken und Entscheidungen manchmal von unsichtbaren Einflüssen gesteuert werden? Ja, es gibt sie – diese kleinen Biester namens “unbewusste Vorurteile”. Sie sind wie heimliche Spieler in unserem Denkprozess, von denen wir oft nicht einmal etwas ahnen. Aber keine Sorge, Du bist nicht allein! Wir alle sind anfällig für diese hinterhältigen Einflüsse, die unser Verhalten und unsere Wahrnehmungen beeinflussen, ohne dass wir es bewusst merken. Vor allem im Recruiting-Prozess kann das richtig übel werden. Aber keine Sorge, wir zeigen Dir, wie Du diesen unbewussten Vorurteilen (oder engl. „Unconscious Bias“) entkommst. 

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unbewusste Vorurteile

Was sind Unconcious Biases und warum existieren sie?

Klären wir zunächst mal, was sich hinter dem Begriff „unbewusste Vorurteile“ (oder englisch: Unconscious Biases) verbirgt: Wenn Du jemanden zum ersten Mal triffst, macht Dein Gehirn, ob Du es willst oder nicht, automatisch Annahmen und Bewertungen über diese Person. Sie basieren auf verschiedenen Faktoren wie ihrem Aussehen, ihrer Herkunft, ihrem Geschlecht, ihrer Sprache und vielem mehr. Diese voreingenommenen Denkmuster werden als Bias oder Vorurteil bezeichnet. Sie sind das Ergebnis unserer Erfahrungen, Erziehung, Kultur und Umgebung, und sie können uns dazu verleiten, schnell zu urteilen und Entscheidungen zu treffen. 

Jedoch passiert das nicht immer mit Absicht, sondern unbewusst. Unser Gehirn hat jeden Tag so viel zu tun, dass es Abkürzungen benutzt und alles in Schubladen steckt. Dafür greift es auf das Wissen zurück, das wir im Laufe unseres Lebens gesammelt haben – sowohl gute als auch schlechte Erfahrungen. Und das passiert, ohne dass wir es beeinflussen können. Und da wir manchmal einfach nicht genug über eine Person oder eine Gruppe wissen, bildet unser Gehirn Stereotypen.  

Dann denkt es, dass alle aus dieser Gruppe gleich aussehen, sich gleich anziehen und so weiter. Es wirft also alle in einen Topf – und dabei macht es manchmal Fehler. Wenn wir falschen Stereotypen Glauben schenken, bleiben sie in unserem Kopf und werden zu Vorurteilen. Wenn diese Vorurteile dazu führen, dass wir Menschen negativ bewerten, nennen wir das Diskriminierung. Willkommen in der Welt der Unconscious Biases. 

Wie wirken sich unbewusste Vorurteile auf Dein Recruiting aus?

Da es vor allem im Recruiting essenziell ist, Personen möglichst objektiv nach ihren Fähigkeiten zu bewerten, können unbewusste Vorurteile im Recruiting Dich um die besten Talente bringen.  

Vielleicht übersiehst Du Kandidat*innen mit wertvollen Fähigkeiten und lädst diese aufgrund unbewusster Vorurteile gar nicht erst ein. Dadurch bleibt die Diversität im Team auf der Strecke, denn im Grunde heuerst Du nur Personen an, die ähnlich ticken. Und das kann schwerwiegende Folgen für Dein Unternehmen haben: Der Diversity Report von Stepstone belegt, dass bei Unternehmen mit einer gelebten Diversity-Kultur bei 64,6 Prozent der Befragten die Mitarbeitermotivation steigt. Auch die Innovationskraft steigt nachweislich, weil Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen unterschiedlich denken und so wesentlich vielfältigere Ideen entstehen. Zudem gaben 65,7 Prozent an, das Unternehmensimage positiver wahrzunehmen, wenn sich die verschiedensten Persönlichkeiten in einem Team wiederfinden. Diese Chancen verspielst Du, wenn Du Dich von unbewussten Vorurteilen trügen lässt.  

Doch nicht nur während des Recruiting-Prozesses können Dir Unconscious Biases Steine in den Weg legen. Auch in bereits bestehenden Teams können sie für Stress sorgen. Wenn Führungskräfte oder Kolleg*innen unbewusst bestimmte Mitarbeiterinnen oder Mitarbeiter anders behandeln und sie entweder bevorzugen oder benachteiligen, dann gibt es bald ungeschriebene Regeln und Machtstrukturen, die die Zusammenarbeit stören und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unzufrieden machen. Wenn sich dies rumspricht, hat Dein Unternehmen echte Probleme mit der Mitarbeiterzufriedenheit und -bindung. Darunter leidet Deine Employer Brand. 

Du siehst also, unbewusste Vorurteile können Dir einen Strich durch die Rechnung machen. Aber hey, Du kannst bereits im Recruiting etwas dagegen tun! Wir zeigen Dir, wie! 

So kannst Du unbewusste Vorurteile im Recruiting minimieren!

Um zu verhindern, dass Dein Unterbewusstsein sich Deinen Fähigkeiten als Recruiter*in in den Weg stellt, ist es wichtig, dass Du Dir Deine eigenen unbewussten Vorurteile bewusst machst und daran arbeitest, diese abzubauen. Das Gleiche gilt sowohl für Führungskräfte als auch für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Deines Unternehmens.  

Schulungen, die ihnen die Augen öffnen und sie auf ihr Denkverhalten aufmerksam machen, sind ein super Anfang! Zudem kannst Du Deine Recruiting-Methoden überarbeiten und feststellen, ob Du von unbewussten Vorurteilen gebremst wirst. So wird Dein Unternehmen gerechter, inklusiver und innovativer.  

Wir haben hier ein paar weitere Tipps mit konkreten Beispielen zusammengetragen, wie Du Dich von unbewussten Vorurteilen befreien kannst:  

Unbewusste Vorurteile bewusst machen

Der erste Schritt in die richtige Richtung, um Unconscious Biases zu vermeiden, ist, Dir bewusst zu machen, dass Du sie hast. Klingt banal, erfordert aber eine kritische Selbstreflexion. Das ist manchmal gar nicht so einfach. Diese fünf Schritte erleichtern Dir den Prozess:  

  1. Beobachten: Was siehst Du? – Beispielsweise eine Bewerberin, die ein Kopftuch trägt. 
  2. Interpretieren: Was denkst Du darüber? – Sie ist höchstwahrscheinlich Muslimin. 
  3. Bewerten: Was empfindest Du dabei? – Wahrscheinlich passt sie nicht ins Unternehmen. Diese Reaktion passiert in Deinem Gehirn innerhalb von Sekunden und meist ohne, dass Du sie abwenden kannst. Doch was danach passiert, ist entscheidend:  
  4. Reflektieren: Hinterfrage Dein eigenes Denkmuster. – Was bringt Dich dazu, so zu denken? Woher kommt das? Wie ordnest Du das Ganze ein? Welche Erfahrungen stecken möglicherweise dahinter? 
  5. Reduzieren: Bist Du Dir im Klaren darüber, dass Du nicht frei von unbewussten Vorurteilen bist, kannst Du im nächsten Schritt daran arbeiten, sie abzubauen.  

 

Stelle Dich der Ungewissheit: Je mehr Erfahrungen Du sammelst und herausarbeitest, welche Gemeinsamkeiten Du mit Menschen hast, statt Eure Unterschiede hervorzuheben, desto leichter fällt es Dir, Unconcious Biases abzubauen.  

Unconcious Bias Detox

Wenn Du Dich Deinen eigenen Gedanken selbstkritisch gestellt hast, kannst Du in weiteren Schritten Maßnahmen ergreifen, die Deinen Recruiting-Prozess optimieren, bevor es überhaupt los geht: 

#1 Inklusive Stellenanzeigen schreiben 
Alter, Geschlecht oder andere Diskriminierungsfaktoren sind in Stellenanzeigen absolut fehl am Platz. Wenn Du zum Beispiel nach einem “jungen, dynamischen Team” suchst, könnten sich erfahrene Profis ausgeschlossen fühlen. Und bestimmte Adjektive, sogenannten Gender Codes,  wie “analytisch” oder “ehrgeizig” können abschreckend auf Frauen wirken. Achte also darauf, Deine Stellenangebote möglichst inklusiv zu gestalten. In unserer Checkliste “Die perfekte Stellenanzeige” findest du Tipps, wie Dir das gelingt. 

#2 Setze auf Blind Hiring 
Andere Personen ganz ohne unbewusste Vorurteile zu bewerten, kann schwierig sein. Aber es ist möglich! Wenn Du bei der Bewerbung kein Bild, kein Geburtsdatum, keinen Familienstand oder keine Nationalität angeben lässt, kannst Du Dich voll und ganz auf die Qualifikationen und Fähigkeiten der Bewerber*innen konzentrieren. Mehr zum Thema Blind Hiring findest Du hier.  

#3 Führe strukturierte Bewerbungsgespräche  
Strukturierte Bewerbungsgespräche? Easy peasy! Damit Du immer cool und locker bleibst, solltest Du Dir einfach eine einheitliche Liste mit Fragen zurechtlegen, die Du jedem Bewerber und jeder Bewerberin stellst. So lässt Du nichts weg und behandelst jede*n gleich. Aber Achtung: Pass auf Deine Wortwahl auf und formuliere alles AGG-konform. So vermeidest Du peinliche Momente und kannst Dich voll auf das Gespräch konzentrieren. Noch nicht genug? Dann check doch mal diese Anti-Vorurteils-Checkliste für Bewerbungsgespräche aus! 

Fazit

Unbewusste Vorurteile stellen eine große Herausforderung im Recruiting dar. Jeder von uns hat sie. Wenn Du sie aber erkennst und es schaffst, sie zu überwinden, steht einer gerechten und vielfältigen Arbeitsumgebung nichts mehr im Weg. Also sei mutig und wage es, Deine eigenen Entscheidungen zu hinterfragen!  

Du suchst gerade händeringend nach passenden Talenten und könntest noch ein bisschen Recruiting-Support gebrauchen? Kein Problem. Wir suchen permanent nach neuen Tools und Methoden, die aus einem 08/15-Recruting ein Next-Level-Recruiting machen. Kontaktiere uns gerne. Wir stehen Dir Rede und Antwort.  

Bildquelle: Racool_studio auf Freepik

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