Work-Life-Balance: Ein Ratgeber für Personaler

Das Buzzword „Work-Life-Balance“ ist in alle Munde, trotzdem sind viele Maßnahmen nur wenig wirkungsvoll und schießen am eigentlichen Ziel vorbei. Wir zeigen Dir, wie Du  die Arbeit und die Freizeit Deiner Mitarbeiter in ein wirklich sinnvolles Verhältnis setzt.

Vanessa Kurz
Vanessa Kurz
Als B. A. Medienmanagement und M. Sc. International Marketing Management ist Vanessa Expertin in modernen Marketing-Strategien und Zielgruppenansprache.

Viele Krankheitstage und Fehlzeiten, Unzufriedenheit und Konflikte mit Kollegen, niedrige Loyalität zum Arbeitgeber, hoher Mitarbeiterumschlag, fehlende Motivation: Der Alptraum jedes Arbeitgebers. Eine gesunde Work-Life-Balance soll die Lebensqualität der Mitarbeiter erhöhen, Stress und gesundheitliche Probleme reduzieren und all den oben genannten Problemen vorbeugen.

Jedes einzelne Unternehmen hat Einfluss darauf, wie vereinbar und ausgeglichen Arbeit und Leben im Alltag der eigenen Mitarbeiter sind. Aber: Wann ist eine „Balance“ für die eigenen Mitarbeiter erreicht? Der erste Schritt ist zu verstehen, was Work-Life-Balance eigentlich bedeutet. Und dann, die Bedürfnisse der Mitarbeiter wahrzunehmen und in sinnvolle Maßnahmen zu übersetzen.

"Work" - Was bedeutet Arbeit?

Ein Frau, die am Laptop arbeitet.

Studs Terkel sagte 1972, Arbeit sei „Gewalt gegen Seele und Körper“. Die grundsätzliche Annahme ist, dass Arbeit anstrengend ist und unglücklich macht, dass wir zu viel arbeiten und zu wenig Freizeit genießen können. Aber ist Arbeit wirklich nur ein notwendiges Übel? 

Sehnen wir uns jeden Tag nach dem erlösenden Feierabend und warten nur auf das Wochenende? Ganz so schrecklich ist es glücklicherweise ja doch nicht. Wir können uns auch selbst in unserer Arbeit verwirklichen, Erfüllung, Sinn, Zufriedenheit und Stolz erleben. Viele wollen auch gerne viele Geld verdienen, sich einen gewissen Status erarbeiten und sind dazu gerne bereit, viel und hart zu schuften.

"Life" - Was bedeutet Leben?

Eine Frau, die eine Tasse Kaffee in der Hand hält und ein Buch liest.

Ist Freizeit, Privatsphäre und alles außerhalb der Arbeit nur positiv? Sicherlich nicht. Oft wird Zeit mit der Familie als Paradebeispiel für „Life“ genutzt – gemeint ist damit jedoch auch Aufsicht von Kindern, Erziehung, Pflege und Co – gerade bei weiblichen Mitarbeitern. 

Eine Studie (Cowling, 2005) sagt sogar, dass Frauen mit mehr als zwei Kindern dazu tendieren, länger zu arbeiten, um privatem Familienstress zu entgehen, und Zeit auf der Arbeit als erleichternd empfinden. „Life“ kannso vieles bedeuten – Freunde, Hobbies, Reisen, Zeit für sich selbst, aber auch Steuererklärungen, Ehekrisen, Renovierungen.

"Balance" ist individuell

Der „Work“-Teil der Work-Life-Balance ist also nicht rein als das negative Gewicht auf der Waage zu sehen, das durch das positive „Life“ ausgeglichen werden muss. Umgekehrt funktioniert diese Rechnung auch nicht.

Die Umsetzung einer sinnvollen Balance ist also komplexer, als viele Unternehmen es behandeln. Das Thema wird oft auf Diskussionen um die Länge der Arbeitszeiten reduziert. Das ist zwar ein relevanter Faktor, aber lange nicht alles, was eigentlich besprochen werden sollte. 

Denn: Nicht jeder Mitarbeiter hat dieselben Bedürfnisse. Für den einen ist flexible Arbeitszeit jeden Tag eine große psychische Erleichterung, der Andere legt vor allem Wert auf sinnvolle Urlaubszeiten. Und die Vorstellung von Work-Life-Balance, die eine Berufseinsteigerin hat, kann fundamental von den Bedürfnissen eines Familienvaters abweichen.

Generationen ziehen ihre Grenzen unterschiedlich

Illustrierte junge Frau
Illustrierte Frau

Manche Mitarbeiter empfinden dann eine gute Balance, wenn eine klare Grenze zwischen Arbeit und Privatleben gezogen wird. Insbesondere Mitglieder der Generationen Z und X tendieren erfahrungsgemäß zu dieser Ansicht. Sie wollen nach 17 Uhr keinen Gedanken mehr an die Kunden verschwenden und im Urlaub keine E-Mails beantworten müssen. Sie sind oft gut darin, sehr professionelle Arbeits-Attitüden aufrechtzuerhalten und sich vollkommen auf die Arbeit einzustellen, wenn sie vor Ort sind. Dafür hat man sie, aber auch in der Freizeit in Ruhe zu lassen.

So fern sich die Generation Y und die Babyboomer auch sind – etwas verbindet sie. Diese Generationen tendieren dazu, Arbeit als integralen Teil ihrer Persönlichkeit zu empfinden. Sie suchen Sinn in ihrer Tätigkeit und sind gerne bereit, die Grenze zwischen Arbeit und Privatleben verschwimmen zu lassen. Diese Menschen empfehlen gerne Freunde oder Familienmitglieder für Vakanzen im eigenen Unternehmen, schreiben auch mal nachts um 23 Uhr eine E-Mail, weil sie unter der Dusche eine zündende Idee hatten. Eine strikte Trennung zwischen „Arbeitsleben“ und „Privatleben“ ist ihnen deshalb weniger wichtig. 

Illustrierter älterer Mann
Illustrierter Mann

Work-Life-Balance bedeutet nicht "möglichst wenig Arbeit"

Wer einen Schritt weiter geht, der denkt über Maßnahmen zur Erholung nach. Unter der Annahme, dass Arbeit grundsätzlich anstrengend und stressig ist. Es werden mehr Urlaubstage und Massage-Gutscheine für verspannte Büro-Nacken eingeführt. Was die meisten Firmen sträflich vernachlässigen, ist die Prävention. Wie schaffen wir es, dass „Work“ gar nicht als ein so negatives Ding ist, von dem wir uns erholen müssen? „Life“ soll nicht nur Kompensation für die erlittene Arbeit sein.

Unser großer Work-Life-Balance Maßnahmen-Katalog

Viele Ideen für verschiedenste Mitarbeiter-Typen, von klassischen Herangehensweisen zu kreativen Ideen.

Die Gesetzgebung macht den ersten Schritt zur Work-Life-Balance

Manche Work-Life-Balance-Maßnahmen sind für deutsche Unternehmen gesetzlich vorgeschrieben. Insbesondere greifen hier EU-weite Vorschriften. Die Gesetzgebung stellt sicher, dass Arbeitgeber nicht aktiv zu schlechten Dynamiken beitragen. Es ist zum Beispiel verboten, Mitarbeiter unter Druck zu setzen, keinen Urlaub zu nehmen.

So stehen jedem Arbeitnehmer gewisse Rechte zu, sowie die Sicherheit, durch das  Nutzen dieser Rechte nicht benachteiligt zu werden. Dazu gehört zum Beispiel der gesetzliche Urlaubsanspruch, deutschlandweit festgelegte maximale tägliche Arbeits- und minimale Pausenzeiten oder auch Elternzeit-Regelungen.

Länder mit der besten 
Work-Life-Balance 2019

Niederlande
Italien
Dänemark
Spanien
Frankreich
Litauen
Norwegen
Belgien, Deutschland, Schweden, Schweiz
Russland

Statistik umfasst ausschließlich OECD-Länder

Exkurs: „Token Practises“

Immer wieder wird Firmen vorgeworfen, nach außen tolle Work-Life-Balance Maßnahmen zu präsentieren, um Bewerber anzulocken. Die Realität sieht dann aber anders aus, weil es den Mitarbeitern im tatsächlichen Arbeitsalltag dann schwer oder unattraktiv gemacht wird, die versprochenen Benefits wirklich zu nutzen. Ein klassisches Beispiel: Ein Unternehmen hat flexible Arbeitszeiten, aber Mitarbeiter, die früh gehen, werden praktisch nie befördert. Vorsicht also: Biete nur Maßnahmen an, hinter denen Du auch wirklich stehst. Ermutige Deine Mitarbeiter, sie zu nutzen.

Häufige Hürden für eine gute Work-Life-Balance

Etablierte Dynamiken am Arbeitsplatz können es für Mitarbeiter schwer machen, gesunde Entscheidungen zu treffen. Wenn im Unternehmen beispielsweise eine „Long-Hours-Culture“ herrscht. Es wird indirekt Druck ausgeübt, die Arbeit über das Privatleben zu priorisieren. Wie? Ganz einfach: Mitarbeiter, die viel Zeit auf der Arbeit verbringen, bekommen dafür positives Feedback und werden häufiger befördert, die anderen hören Sticheleien und werden schräg angeschaut, wenn sie zeitig nach Hause gehen. Vergiss nicht, Deinen Mitarbeitern zu kommunizieren, welche Maßnahmen es gibt – und ermuntere sie, diese Möglichkeiten auch wahrzunehmen.

Auch Geschlechter-Rollen können eine gute Balance zwischen Arbeit und Erholung schwer machen. Obwohl sich in den letzten Jahren viel bewegt, sind in vielen Familien immer noch Frauen die primären Betreuer für Nachwuchs, arbeiten mehr im Haushalt und Co. So entsteht bei manchen eine übermäßige Arbeitslast in der Freizeit. Also sollte man sich als Arbeitgeber nicht einbilden, zwei Menschen, die beide um 17 Uhr das Büro verlassen, hätten dadurch gleich viel Erholung.

Ein anderes Hindernis bei der Umsetzung von Work-Life-Balance-Maßnahmen sind eingerostete, unflexible Führungsriegen. Zu schnell werden Wünsche aus der Belegschaft nach Home Office, alternativen Arbeitszeitmodellen, Firmensport und Ähnlichem sofort ausgeschlagen, ohne überhaupt die Möglichkeit zu prüfen. Viele Personalverantwortliche fühlen sich schlichtweg nicht in der Pflicht, in diesem Maße für das Wohlbefinden Ihrer Mitarbeiter zu sorgen. Dementsprechend ist es sehr wichtig, hierfür Bewusstsein zu schaffen.

Die letzte und vermutlich schwierigste, Hürde für gute Work-Life-Balance ist fehlende Kommunikation und dadurch fehlendes Verständnis für die Bedürfnisse der Arbeitnehmer. Wie schon erwähnt – je nach Lebensumständen, Alter, Charakter und Prioritäten der Mitarbeiter können sehr unterschiedliche Maßnahmen für sie hilfreich sein. Was für den Einen jeden Tag aktiv Erleichterung und Stress-Reduktion bedeutet, nimmt der Nächste kaum wahr – und umgekehrt. Die wichtigste Regel also lautet: Frage Deine Mitarbeiter, was sie wollen und brauchen. 

Der große Work-Life-Balance Maßnahmen-Katalog

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