Hilfe für Mitarbeiter mit Depression oder Burnout

Die Corona-Zeit hat uns alle ganz schön geschlaucht. Kein Wunder, dass  Depressionen und Burnout-Fälle zunehmen. Vielleicht auch in Deiner Belegschaft? Sei auf jeden Fall wachsam! Denn viele Arbeitnehmer wagen es aus sozialem Stigma heraus nicht, darüber zu reden und machen weiter wie bisher. Doch das bringt keinem was, denn so ist ein Zusammenbruch früher oder später Programm. Wir haben uns daher gefragt, was Du als Arbeitgeber tun kannst, um Deine Mitarbeitenden zu unterstützen, dass es möglichst erst gar nicht so weit kommt.

Vanessa Kurz
Vanessa Kurz
Als B. A. Medienmanagement und M. Sc. International Marketing Management ist Vanessa Expertin in modernen Marketing-Strategien und Zielgruppenansprache.

Das Coronajahr hat
psychologische Spuren hinterlassen

Viele Arbeitnehmer erkennen sich derzeit selbst nicht wieder. Statt wie früher motiviert dem Job nachzugehen und Spaß an dem zu empfinden, was sie tun, dominieren nunmehr Gefühle wie Erschöpfung, Unmut und Unzufriedenheit. Das ist auch kein Wunder. Denn das letzte Jahr hatte es nun wirklich in sich. Homeoffice, Homeschooling, möglicherweise finanzielle Sorgen, permanente Angst um die Gesundheit der Angehörigen und um das eigene Wohlergehen. Was da in 2020 auf uns alle hereingeprasselt ist, war extrem anstrengend und hat bei vielen Menschen Spuren hinterlassen.

Zu diesem Ergebnis kommt jedenfalls die Studie „AI@Work“.  Für diese wurden im Auftrag von Oracle 12.347 Menschen im Alter von 22 bis 74 Jahren aus elf Ländern befragt. Zu den Befragten zählten Mitarbeiter, Vorgesetzte, HR-Experten und Vorstandsmitglieder. Das Ergebnis: Für sieben von zehn Menschen war das Jahr 2020 das stressigste Arbeitsjahr ihres Lebens. Mehr als drei Viertel der Menschen weltweit (78 Prozent) berichten, dass sie sich deshalb in ihrem psychischen Wohlbefinden beeinträchtigt fühlen – in Deutschland geben dies gut zwei Drittel (68 Prozent) an.

Der Burnout kann schnell
in eine Depression umschlagen

Nicht immer muss es sich dabei gleich um eine Depression handeln. Auf viele Arbeitnehmer trifft eher die Diagnose Burnout zu, wieder andere sind “einfach nur” extrem erschöpft. Allerdings sind die Grenzen zwischen Erschöpfung, Burnout und Depression fließend.

Häufig erkennen Arbeitnehmer selbst nicht, in welch kritischen Zustand sie sind und laufen weiter und weiter im beruflichen Hamsterrad. Nach dem Motto: Das geht schon vorbei. Irrtum! Das tut es in der Regel nicht. Stattdessen zieht der Körper irgendwann die Reißleine. Umso besser, wenn umsichtige Arbeitgeber wie Du einen Blick auf ihre Teams haben und eingreifen, bevor ihre besten Leute langfristig ausfallen. Auf welche Anzeichen musst Du darauf achten? Wir geben Dir einen kurzen Überblick.

depression

Über Burnout

Ursache: Dauerhafte Über- oder Unterforderung wegen äußerer Faktoren, ständiger Zeitdruck, Konflikte mit Kollegen, aber auch extreme Einsatzbereitschaft, die zur Vernachlässigung eigener Bedürfnisse führt.

Symptome: Totale Erschöpfung, die zu dauernder Müdigkeit und Niedergeschlagenheit, aber auch zu körperlichen Beschwerden wie Schmerzen und Magen-Darm-Problemen führen kann. Betroffene erleben ihre Arbeit zunehmend als belastend und frustrierend und klagen über eine verringerte Leistungsfähigkeit.

Über Depression

Ursache: Depressionen sind häufig auf eine genetische Veranlagung, neurobiologische Störungen sowie bestimmte Entwicklungs- und Persönlichkeitsfaktoren zurückzuführen. In stressbehafteten Zeiten können Depressionen schlimmer werden.

 Symptome: Eine Depression geht häufig mit einer verzerrten Körper- und Selbstwahrnehmung einher. Auch Reizbarkeit, Angstzustände, eine zunehmende Lustlosigkeit bis hin zur Apathie können Symptome eine Depression sein. Hinzu kommen ein mangelndes Selbstwertgefühl, ein tiefgreifendes Gefühl der Hoffnungslosigkeit und Sinnlosigkeit.

Handle lieber zu früh als zu spät

Wenn Du derartige Symptome in Deiner Belegschaft feststellst, solltest Du handeln. Streng genommen bist Du als Arbeitgeber sogar dazu verpflichtet. Denn nach dem Arbeitsschutzgesetz musst Du für die Gesundheit und Sicherheit Deiner Angestellten sorgen. Allerdings sind die Themen Burnout und Depression in unserer Arbeitswelt nach wie vor ein starkes Tabu – es könnte also schwer werden, das Eis zu betroffenen Mitarbeitern zu brechen.

Dennoch solltest Du das Problem keinesfalls unbeachtet lassen, denn sowohl ein unbehandelter Burnout als auch eine unbehandelte Depression können schwerwiegende gesundheitliche Folgen haben und im allerschlimmsten Fall sogar tödlich enden. Wir haben ein paar Tipps für Dich, wie Du im Ernstfall reagieren kannst und nach und nach eine Betriebskultur schaffen kannst, in der trübe Gedanken keine Chance mehr haben.

Tipps für eine burnoutfreie Betriebskultur

#1 Schau nicht weg, sondern
suche das direkte Gespräch

Sobald Du merkst, dass ein Kollege an einem Burnout oder einer Depression erkrankt sein könnte, solltest Du das Thema in einem gemeinsamen Termin in ruhiger Umgebung möglichst offen und mit viel Taktgefühl ansprechen. Mache dem Betroffenen klar, dass Du ihm helfen willst, wieder aus dem tiefen Tal, in dem er sich befindet, herauszukommen.  Und: Dass es für ihn keinerlei negative Konsequenzen hat, wenn er sich öffnet. 

Sprich über mögliche Lösungen: Eine Reduktion der Arbeitszeit, um Stress zu minimieren oder das Abgeben von Aufgaben, die als besonders stressig empfunden werden. In fortgeschrittenen Fällen hilft eine Freistellung für eine klinische Behandlung, Du kannst auch ein Stresstraining oder eine arbeitsbegleitende therapeutische Beratung in die Wege leiten.

#2 Sei selbstkritisch

Corona hin, Corona her – oft führen die falschen Arbeitsbedingungen zu einem Burnout oder einer Depression. Gib Deinen Mitarbeitern daher künftig die Gelegenheit, Verbesserungsvorschläge einzubringen. 

Richte zum Beispiel einen Briefkasten ein, über den Arbeitnehmer – wenn sie wollen auch anonym – ihre Bedürfnisse äußern können. So hast Du einen direkten Draht zur Belegschaft und Du steigerst die Arbeitszufriedenheit durch die Beteiligung von Angestellten an Entscheidungsprozessen.

#3 Behalte die Überstunden im Blick

Ein ganz wesentlicher Punkt, um einer Depression oder einem Burnout vorzubeugen, ist, die Überstunden von Arbeitnehmern im Blick zu behalten. Sieh nicht teilnahmslos zu, wenn sich bei manchen Arbeitnehmern die Überstunden auf dem Zeitkonto türmen, sondern schaffe von vornherein Regelungen, dass diese in einer bestimmten Zeit wieder abgebaut werden müssen. So beugst Du einer dauerhaften Überlastung gezielt vor. Wer ständig unter Hochdruck arbeitet, gelangt irgendwann an seine Leistungsgrenze und kollabiert.

#4 Zeige Dich von Deiner flexiblen Seite

Du kannst außerdem viel Druck aus dem Kessel nehmen, indem Du Mitarbeitern anbietest, relativ flexibel zu arbeiten. Biete dazu Home-Office und flexible Arbeitszeiten an und nimm – wenn möglich – Rücksicht auf die Zeitwünsche Deiner Beschäftigten. Das ermöglicht eine gute Work Life Balance, vermindert Stress und beugt hausgemachtem Zeitdruck vor.

#5 Vermeide Überforderung

Im heutigen Zeitalter verändern sich Aufgaben rasant schnell. Auch hierdurch kann es bei Angestellten schnell zu einer Überforderung kommen, wenn sie auf große Veränderungen nicht angemessen vorbereitet werden. Eine gute Weiterbildungskultur und Kommunikationskultur im Unternehmen kann erheblichem Stress vorbeugen. Mitarbeiter wissen so, was auf sie zukommt und wie sie mit Veränderungen umgehen können.

#6 Hole aktiv Feedback ein

Wichtig ist außerdem, den direkten Kontakt zu Mitarbeitern zu pflegen. In regelmäßigen  Mitarbeitergesprächen sollte nicht über nur Fachliches und die Entwicklung des Mitarbeiters gesprochen werden. Es sollte auch Feedback eingeholt werden über die Zufriedenheit des Mitarbeiters und bestehende Painpoints. Werden Probleme frühzeitig erkannt, können sie aus der Welt geschafft werden, bevor sie anbrennen. Sorge in dem Gespräch für eine freundliche Atmosphäre, in der Deine Mitarbeiter auch Probleme und Sorgen offen ansprechen können, ohne mit Nachteilen rechnen zu müssen.

Offenheit ist ein wichtiger Faktor
fürs Employer Branding

Noch ein allerletzter Tipp: Lass’ die Information darüber, dass in Deinem Unternehmen eine offene Kultur herrscht, in der jeder alles sagen kann, ruhig in Dein externes Employer Branding gegenüber Bewerbern einfließen. 

Schneide dieses wichtige Thema auf sozialen Kanälen an, auf Deiner Karrierehomepage, in Stellenanzeigen und im Vorstellungsgespräch. Vielen Bewerbern ist das Thema Burnout oder Depression nicht fremd. Ihnen wird ein Stein vom Herzen fallen. Denn sie wissen von vornherein, dass Sie in Deinem Unternehmen eine berufliche Heimat finden, in der alles dafür getan wird, dass sie gesund bleiben. Wenn das nicht überzeugend ist, was dann?   

Bildquelle: www.pexels.de / Polina Zimmerman www.pexels.com / Anna Shvets

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