Gender Pay Gap – Fairness ist Trumpf

Heute widmen wir uns einem brisanten Thema, das aktuell für viel Aufregung sorgt: Dem Gender Pay Gap. Jede*r hat es schon mal gehört, dennoch sorgt es regelmäßig für Verwirrung. Es geht um die Lohnunterschiede zwischen Frauen und Männern. Aber wie werden diese genau berechnet? Wird übertrieben? Wenn nein, wie kann man gegen Lohnungerechtigkeiten angehen?

Vanessa Kammler
Vanessa Kammler
Als Chef Extraction Officer liebt sie es, spannende Erkenntnisse aus Studien zu extrahieren, How-Tos zu schreiben und Dir smarte Recruiting-Tools vorzustellen.

Definition: Was ist der Gender Pay Gap?

Den Gender Pay Gap kann man wörtlich mit „Geschlechts-Bezahlungs-Lücke“ übersetzen. What? Er beschreibt den Verdienstunterschied zwischen Frauen und Männern pro Stunde. Und wer verdient aktuell mehr? Du ahnst es sicher: Männer.

Nein, das haben wir uns nicht ausgedacht. Das statistische Bundesamt erhebt jedes Jahr eine Studie, in der die Gehaltsunterschiede zwischen Männern und Frauen deutlich werden. Das Ergebnis von 2023: leider ernüchternd.

gender pay gap unbereinigt
gender pay gap bereinigt

Was ist der Unterschied zwischen bereinigtem und unbereinigtem Gender Pay Gap?

Kommen wir nun zu dem Punkt, der wahrscheinlich die Gemüter am meisten erhitzt. Es werden zu dem Thema verschiedene Zahlen genannt. Mal ist die Rede von einem Gender Pay Gap von 18 Prozent, mal von 6 Prozent. Es ist wichtig, hier zwischen dem unbereinigten und dem bereinigten Gender Pay Gap zu differenzieren.

Der unbereinigte Gender Pay Gap

Der unbereinigte Gap liegt aktuell bei 18 Prozent. Das bedeutet: Frauen verdienen statistisch gesehen im Schnitt 18 Prozent weniger als ihr männliches Pendant. Doch eines muss hier deutlich gemacht werden:

  • Der unbereinigte Gender Pay Gap betrachtet den Lohnunterschied zwischen Frauen und Männern, ohne dabei Faktoren wie unterschiedliche Berufe, Qualifikationen, Erfahrung, Arbeitszeitmodelle oder andere relevante Einflussfaktoren zu berücksichtigen.
  • Dieser Wert gibt einen allgemeinen Überblick über den geschlechtsspezifischen Lohnunterschied.

Der bereinigte Gender Pay Gap

Bereinigt sieht die Sache auf den ersten Blick „gar nicht mehr so schlimm“ aus: Dann liegt der Gender Pay Gap nämlich „nur noch“ bei 6 Prozent. Unser Rechenbeispiel zeigt aber – auch ein kleiner Lohnunterschied summiert sich im Laufe der Zeit.

Rechenbeispiel

Nehmen wir mal an, das Durchschnittsgehalt (brutto) eines Mannes beträgt jährlich 40.000 €. Bei einem bereinigten Gender Pay Gap von aktuell 6 Prozent verdienen Frauen davon 94 Prozent. Das ist ein Bruttolohn von 37.600 €, also eine Lohnlücke von 2.400 €.

Beträgt die Lebensarbeitszeit 40 Jahre, gehen Frauen 96.000 € flöten. Das entspricht dem ungefähren Wert eines schicken top ausgestatteten Neuwagens, einer Anzahlung für eine Immobilie, einer Weltreise oder – ganz einfach gedacht – eines sehr großen Geldanlagewertes.

Zurück zum Thema: Was bedeutet eigentlich „bereinigt“?

  • Der bereinigte Gender Pay Gap versucht, die Unterschiede im Lohnniveau zu berücksichtigen, die trotz vergleichbarer Ausbildung, Berufserfahrung, Branche, Arbeitszeit oder beruflicher Position bestehen.
  • Dieser Ansatz zielt darauf ab, den Lohnunterschied zu isolieren, der mit hoher Wahrscheinlichkeit auf Diskriminierung oder geschlechtsspezifische Faktoren zurückzuführen ist.

Doch Achtung: Es ist wichtig zu beachten, dass die Bereinigung des Gender Pay Gaps nicht immer vollständig ist, da einige relevante Faktoren möglicherweise schwer zu quantifizieren oder zu berücksichtigen sind.

Darüber hinaus können unbewusste Vorurteile, Stereotype und Diskriminierung, die schwer zu messen sind, weiterhin zum geschlechtsspezifischen Lohngefälle beitragen. Die Bereinigung des Gender Pay Gaps dient jedoch dazu, eine genauere Analyse der Lohnungleichheit zwischen den Geschlechtern zu ermöglichen und gezielte Maßnahmen zur Verbesserung der Gleichstellung der Geschlechter am Arbeitsplatz zu fördern.

Gender Pay Gap: Top- und Flop-Branchen

Dennoch tut sich langsam was – zumindest in vereinzelten Branchen. Stepstone wollte es genauer wissen und hat Zahlen in einzelnen Branchen ausgewertet.

Das sind die Top-Branchen mit dem kleinsten bereinigten Gender Pay Gap:

Gender Pay Gap Branchen kleiner Unterschied

Und zum Vergleich hier die Branchen mit dem größten bereinigten Gender Pay Gap:

Gender Pay Gap Branchen großer Unterschied

Welche Auswirkungen hat der Gender Pay Gap?

Sieht man sich die Zahlen genau an, stimmt es also: Frauen erhalten über ihre gesamte Berufslaufbahn statistisch gesehen viel weniger Geld. Ja, nicht JEDE Frau, aber die Masse macht´s. Dass das unfair ist, sollte jedem klar sein. Doch nicht nur das – der Gender Pay Gap hat noch mehr Freund*innen mitgebracht: 

  • Finanzielle Nachteile:
    Weniger Einkommen bedeutet automatisch eine niedrigere finanzielle Selbstständigkeit und somit auch niedrigere Rentenansprüche. Nicht wenige Frauen landen in der Altersarmut.
  • Motivation und Selbstwertgefühl:
    Weiß man um die eigene finanzielle Zukunft, wirkt sich das in vielen Fällen auf das eigene Selbstwertgefühl und die Motivation im Job aus – negativ.
  • Arbeits(un-)zufriedenheit:
    Einhergehend mit sinkender Motivation aufgrund der beruflichen Situation macht sich oft eine Unzufriedenheit mit der Arbeit breit.
  • Verstärkung von Stereotypen:
    Kommt Nachwuchs mit ins Spiel, bleibt in der Regel derjenige Elternteil zu Hause, der mehr verdient – in einer Familie ist dies meistens der Vater. Dies verstärkt traditionelle Geschlechterrollen und festigt Stereotype.
  • Sinkende Kaufkraft:
    Und die letzte logische Schlussfolgerung. Verdient eine Frau weniger, nimmt ihre Kaufkraft ab und sie trägt somit auch weniger zu Konsum und Wirtschaft bei.

Gleiche Bezahlung für alle: Der Equal Pay Day

So soll es nicht bleiben! Darauf macht die Initiative Equal Pay Day jedes Jahr aufmerksam. Der Equal Pay Day ist jedes Jahr am 07. März. Bis auf dieses Jahr, da bereits am 06. März. Nicht, weil sich in Bezug auf den Gender Pay Gap etwas geändert hätte, sondern weil heuer ein Schaltjahr ist.

Doch was bedeutet dieser Tag? Nun ja, die Erklärung ist so simpel wie traurig: Vom 01. Januar bis zum Equal Pay Day Anfang März arbeiten Frauen in ihren Berufen umsonst. Ohne Bezahlung. Zumindest rein rechnerisch. Erst ab diesem Tag kann man davon sprechen, dass sie statistisch gesehen denselben Stundenlohn erhalten wie ihre männlichen Kollegen.

Maßnahmen, um dem Gender Pay Gap entgegenzuwirken

Man könnte zwar unterm Strich sagen, es tut sich was. Klar, der bereinigte Gender Pay Gap ist im Vergleich zum letzten Jahr um einen Prozentpunkt gesunken, dennoch ist er viel zu hoch. Oder anders gesagt: Er ist noch da.

Aber zumindest scheint die Problematik in der Politik angekommen zu sein: Die Europäische Union hat Maßnahmen ergriffen, um die Transparenz bei Gehaltsfragen zu verbessern und den Gender Pay Gap zu verringern. Einige dieser Maßnahmen sind:

  • Entgelttransparenzrichtlinie: Im Jahr 2019 hat die Europäische Union die Entgelttransparenzrichtlinie (2019/1158) verabschiedet. Diese Richtlinie verlangt von den Mitgliedstaaten, dass sie Gesetze erlassen, die Arbeitgeber verpflichten, transparente Informationen über die Entgeltstrukturen in ihren Unternehmen bereitzustellen. Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer haben das Recht, Informationen über die durchschnittlichen Gehälter nach Geschlecht für vergleichbare Arbeit zu erhalten.
  • Berichterstattungspflicht für Unternehmen: Die Entgelttransparenzrichtlinie erfordert außerdem von Unternehmen mit mehr als 250 Mitarbeitenden, regelmäßig Berichte über den Gender Pay Gap in ihrem Unternehmen vorzulegen. Diese Berichte müssen Informationen über die durchschnittlichen Gehälter nach Geschlecht sowie Erklärungen zu etwaigen Ungleichheiten enthalten.
  • Förderung von Benchmarking und bewährten Praktiken: Die EU unterstützt auch den Austausch bewährter Praktiken zwischen Unternehmen und die Förderung von Benchmarking, um Unternehmen dabei zu unterstützen, geschlechtsspezifische Lohnungleichheiten zu identifizieren und zu bekämpfen.
  • Sensibilisierung und Schulung: Die EU fördert Sensibilisierungsmaßnahmen und Schulungen für Arbeitgeber und Arbeitnehmer*innen, um das Bewusstsein für geschlechtsspezifische Lohnungleichheiten zu schärfen und Fähigkeiten zur Identifizierung und Bewältigung dieser Ungleichheiten zu stärken.

Das kannst Du tun, um den Gender Pay Gap auszumerzen

Natürlich haben wir auch noch ein paar Tipps für Dich, wie Unternehmen sich dem Kampf gegen den Gender Pay Gap stellen können und eine gerechtere Entlohnung für alle Mitarbeiter*innen zu gewährleisten.

#1 Mach‘ Gehaltsanalysen!

Du solltest regelmäßig umfassende Gehaltsanalysen durchführen, um geschlechtsspezifische Lohnunterschiede zu identifizieren. Dies ermöglicht es Dir, potenzielle Ungleichheiten aufzudecken und gezielte Maßnahmen zur Korrektur einzuleiten.

#2 Lebe Transparenz!

Transparente Gehaltsstrukturen und klar definierte Kriterien für die Gehaltsfestsetzung können dazu beitragen, Diskriminierung zu vermeiden und faire Entlohnung zu gewährleisten.

#3 Lass´ Frauen an die Macht!

Du solltest sicherstellen, dass Deine Einstellungs- und Beförderungsverfahren frei von Vorurteilen und geschlechtsspezifischer Diskriminierung sind. Dies kann die Implementierung von standardisierten Auswahlverfahren und Schulungen zur Sensibilisierung für unbewusste Vorurteile umfassen.

#4 Stärke Flexibilität und Work-Life-Balance!

Die Förderung flexibler Arbeitszeitmodelle und die Unterstützung der Work-Life-Balance können dazu beitragen, die Chancengleichheit für Frauen und Männer zu verbessern. Vor allem Flexibilität! Denken wir nur an die Betreuungsmöglichkeiten für Kinder, die in vielen Regionen noch immer im Notbetrieb laufen – oder eben auch nicht, wenn spontan geschlossen werden muss.

#5 Biete Mentoring und Karriereentwicklungs-Programme an!

Du kannst Mentoring-Programme einführen, um Frauen gezielt bei ihrer Karriereentwicklung zu unterstützen und den Zugang zu Führungspositionen zu erleichtern.

#6 Kommuniziere über Geld!

Offene Kommunikation über Gehaltsstrukturen und -politiken sowie die regelmäßige Berichterstattung über den Fortschritt bei der Verringerung des Gender Pay Gaps können das Bewusstsein für das Thema schärfen und das Engagement Deiner Mitarbeiter*innen fördern.

#7 Sei divers!

Die Implementierung von Anreizsystemen, die die Förderung von Vielfalt und Chancengleichheit belohnen, kann dazu beitragen, ein positives Umfeld zu schaffen und die Bemühungen zur Verringerung des Gender Pay Gaps zu unterstützen, beispielsweise leistungsbezogene Boni, Schulungen, Anerkennung und Sichtbarkeit.

Gender Pay Gap: Ein Fazit.

Puh, das war jetzt viel Input. Und was soll man dazu noch groß sagen? Der Gender Pay Gap bleibt eine bedeutende Herausforderung und verdeutlicht weiterhin die bestehenden geschlechtsspezifischen Ungleichheiten am Arbeitsmarkt. Trotz Fortschritten in der Gleichstellung der Geschlechter und der Einführung verschiedener Maßnahmen zur Verringerung des Gender Pay Gaps bleibt dieser weiterhin bestehen. Seine Beseitigung erfordert weiterhin entschlossene Anstrengungen auf politischer, gesellschaftlicher und Unternehmensebene.

Also: Es ist wichtig, dass die Beseitigung des Gender Pay Gaps nicht nur als moralische Verpflichtung betrachtet wird, sondern auch als wirtschaftliche Chance und als Beitrag zur Schaffung fairerer und gerechterer Gesellschaften. Indem wir gemeinsam an einer umfassenden und nachhaltigen Lösung arbeiten, können wir dazu beitragen, eine Zukunft zu gestalten, in der Frauen und Männer gleiche Chancen, Rechte und Entlohnung am Arbeitsplatz genießen können.

Wenn Du Chancengleichheit fördern willst, ist es auch wichtig, bereits im Recruiting drauf zu achten, fair und gerecht einzustellen. Smaile hilft Dir im Active Sourcing dabei, automatisch die passenden Talente zu finden – unabhängig von deren Geschlecht. Die intelligente KI durchsucht Datenbanken und serviert Dir passende Top-Talente. Alles aufgrund von Skills und Lebensläufen. Stark, oder? Dann ist es schlussendlich nur noch wichtig, dass Du sie alle auch gleich bezahlst.

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Bildquelle: pixabay | pexels.com

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