Quereinsteiger: Die neue Geheimwaffe im Recruiting

Lange Zeit waren Quereinsteiger nicht besonders gefragt im Recruiting. Prognosen zufolge dürfte sich das aber schon in naher Zukunft ändern. Und zwar drastisch. Wir erklären Dir, warum auch Du schon bald in Deiner Personalauswahl nicht mehr auf Quereinsteiger verzichten kannst.

Vanessa Kurz
Vanessa Kurz
Als B. A. Medienmanagement und M. Sc. International Marketing Management ist Vanessa Expertin in modernen Marketing-Strategien und Zielgruppenansprache.

Definition: Was sind Quereinsteiger?

Quereinsteiger sind Personen, die für Beruf A ausgebildet wurden, aber in Beruf B arbeiten. Sie verfügen somit in ihrem aktuellen Job nicht über die branchenübliche Berufsausbildung. Dafür gibt es sogar prominente Beispiele. Der heutige Amazon-Gründer und reichste Mann der Welt, Jeff Bezos, brutzelte vor seiner gigantischen Karriere im Online-Business Fleischpflanzerl bei McDonald’s. Auch Whoopie Goldberg übte vor ihrer Leinwandkarriere einen völlig anderen Beruf aus: Die Schauspielerin schminkte Leichen.

Ein Quereinstieg in einen anderen Job ist grundsätzlich in allen Berufen möglich, deren Berufsbezeichnung nicht geschützt ist. Zu den geschützten Berufen gehören unter anderem Ärzte, Apotheker, Psychotherapeuten, Rechtsanwälte oder Steuerberater. Hier gibt es nur einen Weg in den Job: Über eine einheitlich geregelte Ausbildung, ein Studium oder eine bestimmte Fortbildung. In allen anderen Berufen ist hingegen ein Quereinstieg möglich. Ein Bäcker kann zum Beispiel als IT-Administrator arbeiten oder umgekehrt.

Quereinsteiger – die neue Normalität im Berufsleben

Theoretisch jedenfalls. Praktisch gehörten Quereinsteiger im Recruiting lange eher zur zweiten Wahl. Um sie rankten sich viele Vorurteile. Unternehmen fürchteten zum Beispiel, dass Quereinsteiger, anders als die ausgebildete Fachkraft, länger brauchen, um sich in einen Job einzufinden. Außerdem galten Quereinsteiger als eher unstete Zeitgenossen. Sie entsprachen einfach nicht der klassischen gradlinigen deutschen Mentalität. Wer es nicht zu Beginn seiner Lebenskarriere geschafft hatte, sich für einen bestimmten Beruf zu entscheiden und am Ball zu bleiben, erschien Arbeitgebern als nicht gefestigt in seiner Persönlichkeitsstruktur, sprunghaft und grundlegend planlos. So einen Mitarbeiter wollte niemand haben. 

Zum Glück sind diese Vorurteile gegenüber Quereinsteigern aber inzwischen dahin verbannt, wo sie hingehören: Ins Reich der Klischees. Längst werden in Deutschland in Firmen immer mehr Quereinsteiger eingestellt. Eine Entwicklung, die vor allen Dingen wegen des Fachkräftemangels in vielen Bereichen ins Rollen kam: Es fehlte zunehmend an Fachkräften. Also bekamen immer mehr Quereinsteiger eine Chance. Diese Tendenz ist nicht mehr nur in der freien Wirtschaft zu beobachten, sondern auch im öffentlichen Dienst. Ausgerechnet! Bei Behörden und staatlichen Institutionen legte man sehr lange größten Wert auf eine rote Linie in der Vita.

Quereinstieg in den öffentlichen Dienst

Sogar in Lehrberufen fassen immer mehr Quereinsteiger Fuß. Seit Jahren steigt die Zahl an Lehrern, die als Seiteneinsteiger an die Schulen kommen. In Berlin haben ungefähr 40 Prozent der Neueinstellungen vor ihrer Lehrer-Karriere in einem anderen Job gearbeitet. In Brandenburg und Mecklenburg sind es 30 Prozent. Und tada: Die Quereinsteiger machen sich gar nicht mal schlecht! 

Das belegte erst jüngst eine Studie der Universität Potsdam. In puncto Fachwissen und Fachdidaktik waren zum Beispiel keine Unterschiede festzustellen. In einem Punkt schnitten die Quereinsteiger sogar besser ab als ausgebildete Lehrer: im Bereich der beruflichen Selbstregulation. Sprich: Pädagogische Quereinsteiger sind besser in der Lage, mit ihren Ressourcen zu hauszuhalten und sich in schwierigen Situationen zurückzunehmen. Haben sie wohl in ihrem beruflichen Vorleben in der freien Wirtschaft gelernt. 

Warum das Recruiting von Quereinsteigern die Zukunft ist

So ganz überraschend sind diese Ergebnisse aber im Grunde gar nicht. Schon lange ist bekannt, dass Quereinsteiger in allen Branchen und Bereichen viele Vorteile für Arbeitgeber mit sich bringen, als da wären: 
  • Die Motivation, sich schnell in ein neues Gebiet einzuarbeiten.
  • Quereinsteiger verfügen über den Blick über den Tellerrand, weil sie bereits in einem anderen Fachgebiet gearbeitet haben.
  • Sie bringen daher andere Impulse, Ideen und Gedanken ein, als ausgebildete Facharbeiter.
  • Das kann die Entwicklung neuer Ideen und Innovationen fördern.
  • Quereinsteiger weisen außerdem oft eine hohe Loyalität auf, weil sie dankbar für die berufliche Chance in einem neuen Umfeld sind. 
Unterm Strich können Quereinsteiger die Stammbelegschaft somit gewinnbringend bereichern. Zugegeben, es gibt auch gewisse Nachteile beim Recruiting von Quereinsteigern. So braucht der Quereinsteiger vielleicht einen Ticken mehr Einarbeitungszeit und vielleicht die ein oder andere Fortbildung, die eine ausgebildete Fachkraft nicht gebraucht hätte. Dennoch überwiegen langfristig die Vorteile die Nachteile ganz eindeutig. 

Zumal es keines Blickes in die Glaskugel bedarf, um vorherzusagen, dass Recruiter schon in ein paar Jahren bei der Personalauswahl überhaupt nicht mehr darauf achten werden, ob ein Bewerber nun eine passgenaue Ausbildung vorweist oder nicht. Denn es ist absehbar, dass sich in der nächsten Zeit immer schneller neue Berufsfelder entwickeln werden und andere dafür wegfallen.

Laut dem Future Jobs Report des World Economic Forums werden fast zwei Drittel der heutigen Grundschüler später in Jobs arbeiten, die es heute noch gar nicht gibt und sich während ihres Berufslebens sehr dynamisch in immer neue Aufgabenfelder einarbeiten. Den einen Lebensberuf, wie wir ihn heute noch kennen, wird es so nicht mehr geben. Künftig wird es nur noch Arbeitnehmer geben, die beruflich kreuz und quer einsteigen.

Wie sieht das Recruiting der Zukunft aus?

Was das für das Recruiting der Zukunft bedeutet? Zum Beispiel, dass Personalsuchende in ihren Stellenanzeigen nicht mehr klassisch nach dem Ingenieur, dem Marketing-Manager oder dem Cloud-Architekten Ausschau halten, sondern stattdessen eher nach Qualifikationen, Vorerfahrungen und Soft Skills suchen, die für eine Stelle relevant sind. 
 
Die gute Nachricht: Die Umstellung von old zu new Recruiting gelingt relativ leicht. KI-basiertes Recruiting macht es heute schon möglich, nach Skills zu suchen, statt nach einem Jobtitel. Das geht auf verschiedenen Wegen: 
  • Stellenanzeigen können zum Beispiel per Targeting gezielt an Arbeitnehmer ausgespielt werden, die über genau die Kompetenzen verfügen, nach denen Du suchst.
  • Gleichzeitig kannst Du mit einer digitalen Talentsuchmaschine das ganze WWW nach bestimmten Talentträgern abgrasen, deren Kontaktdaten ausfindig machen und sie dann gezielt mit Active Sourcing ansprechen. Alles, was Du dafür tun musst, ist im Backend die Skills zu definieren, nach denen Du suchst.
Unterm Strich sind somit künftig nur wenige Klicks nötig, um das perfekte Talent zu erreichen. Na also, dann kann die Zukunft doch kommen! 

Du hast Fragen? Kein Problem! Wir lotsen Dich gerne durch den Recruiting Dschungel. Sprich uns einfach an. 

Bildquelle: www.pexels.com / Max Fischer, www.pexels.com / Ono Kosuki,  www.pexels.com  / Andrea Piacquadio

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