New Employer Branding: Neudefinition der Arbeitgebermarke

Anfang 2020 hat die Arbeitswelt eine Vollbremsung hingelegt. Nun nehmen die meisten Unternehmen im Recruiting wieder Fahrt auf. Die Krise hat Kandidaten allerdings verändert. Sie erwarten im Employer Branding andere Informationen als noch vor einem Jahr. Wir sagen Dir, worauf es ankommt.

Vanessa Kurz
Vanessa Kurz
Als B. A. Medienmanagement und M. Sc. International Marketing Management ist Vanessa Expertin in modernen Marketing-Strategien und Zielgruppenansprache.

Aus old Employer Branding
wird new Employer Branding

So langsam macht sich Deutschland wieder locker. Die Inzidenzen fallen, viele Branchen planen Öffnungen, die Impfquote steigt und endlich scheint nach einem mehr als turbulenten Jahr 2020 so etwas wie eine neue Normalität in Sicht. Die deutsche Wirtschaft steht jedenfalls in den Startlöchern für den Restart, wie der Personaldienstleister Robert Half in einer Umfrage herausgefunden hat. Er hat 300 Manager mit Personalverantwortung befragt, wie sie das laufende Jahr einschätzen. 72 Prozent von ihnen gehen demnach davon aus, dass die Wirtschaft 2021 wieder kräftig Fahrt aufnehmen wird.

Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt auch eine aktuelle Studie der Jobbörse Monster. Laut dieser krempeln viele Recruiter derzeit die Ärmel hoch, um in den kommenden Monaten im Recruiting wieder voll durchzustarten. 8 von 10 der befragten Arbeitgeber geben an, dass sie neue Einstellungen planen. Wenn das mal keine positiven Nachrichten sind. 

Allerdings wird es nichts bringen, für das laufende Recruitingjahr die alten Stellenanzeigen aus dem Jahr 2019 hervorzukramen, sie leicht anzupassen und wieder die gleichen Messages wie damals zu betonen. Genau das hattest Du vor? Vergiss es ganz schnell wieder! Denn das vergangene Jahr hat Kandidaten verändert. Sie bewerten Arbeitgeber nach anderen Kriterien. Das solltest Du in Deinem Employer Branding unbedingt berücksichtigen. Ansonsten redest Du an den Bedürfnissen vieler Talente vorbei. Wäre schade drum! Wir haben ein paar Tipps zusammengestellt, worauf es im „New Employer Branding“ ankommt.

New Employer Branding

#1 Betriebliches Gesundheitsmanagement

Im vergangenen Jahr ist zum Beispiel das Thema betriebliches Gesundheitsmanagement für Kandidaten um einiges wichtiger geworden als früher. „Was kann ein Arbeitgeber für meine Gesundheit und meinen Gesundheitsschutz tun?“ Diese Frage ist in den letzten Monaten für Jobsuchende geradezu existentiell geworden und hat andere Attraktivitätsfaktoren im Employer Branding nach hinten verdrängt. 

Unser Tipp: Rede über das Hygienekonzept, das Du Deinen Mitarbeitern bietest, um sie weiterhin bestmöglich vor einer Ansteckung zu schützen. Denn auch, wenn wir die Pandemie langsam in den Griff bekommen – wir werden weiter mit dem Virus leben müssen. Eine gute betriebliche Hygienepraxis wird daher ab sofort zum festen Repertoire von Unternehmen gehören.

Das ist aber nicht der einzige Grund, warum das betriebliches Gesundheitsmanagement zu einem wichtigen Attraktivitätsfaktor geworden ist. Allgemein ist das Gesundheitsbewusstsein unter Arbeitnehmern in den vergangenen Jahren stark gestiegen. Zeige Talenten also in Deinem Employer Branding, was Du konkret für sie tust, um ihre Gesundheit zu fördern. Du hast den Yoga- oder Fintess-Kurs während der Arbeitszeit schon lange in Dein betriebliches Gesundheitsmanagement integriert? Du bietest gesundes Super-Food in der Kantine an? Du sponserst ein Betriebs-Bike? Ergonomische Arbeitsplätze sind für Dich selbstverständlich? Sehr gut! Plaudere in Deinem Employer Branding genau über diese Dinge.

#2 Flexibilität und Homeoffice
sind ab sofort ein Must-Have

Bis 2020 waren Faktoren wie Homeoffice und flexible Arbeitszeiten bereits wichtig für Kandidaten. Inzwischen setzen sie diese Faktoren jedoch als Must-Have voraus. Wer nach einem Jahr Pandemie und Dauerhomeoffice neuen Mitarbeitern kein flexibles Arbeitszeitkonzept mit Homeoffice-Tagen bietet, fliegt bei Talenten schnell aus dem Rennen.

Ist doch auch logisch: Wir alle haben in den letzten Monaten gesehen, wie gut und reibungslos Remote-Arbeit klappt. Das ist sogar in der Studie „Homeoffice Experience“ des renommierten Fraunhofer Instituts wissenschaftlich verbrieft. Laut dieser gibt der Großteil (83 Prozent) der Befragten an, im Homeoffice produktiver oder gleich produktiv wie im Büro arbeiten zu können. Entsprechend schwer vermittelbar dürfte es sein, wenn Arbeitgeber mit dem Abflauen der Pandemie nichts mehr von einer virtuelleren Zusammenarbeit wissen möchten. Du hast ein zeitgemäßes, individuelles und flexibles Arbeitsplatzkonzept? Dann lautet auch hier unsere dringende Empfehlung: Bringt diese Nachricht unter die Bewerber.

#3 Ein New-Work-tauglicher Arbeitsplatz

Worauf Talente außerdem achten: Eine moderne Bürogestaltung. Denn eines ist klar: Wenn Arbeitnehmer stärker im Homeoffice arbeiten, um zum Beispiel konzentrierte Arbeiten zu erledigen, wird das Office zunehmend zu einem Ort, an dem das Miteinander dominiert. Klar werden hier und da auch Mitarbeiter an Schreibtischen sitzen und in Ruhe an ihren Themen arbeiten wollen. 

Der Großteil der Arbeitnehmer wird aber eher zusammenkommen, um gemeinsam an neuen Ideen zu feilen und herumzuexperimentierenDenn, auch das ist ein Ergebnis der genannten Fraunhofer-Studie: Kreative Aufgaben lassen sich besser vor Ort ausbaldowern. Zwei Drittel der Befragten gab an, gute neue Ideen und Lösungen besser vor Ort entwickeln zu können. 

Dafür müssen Arbeitgeber allerdings die richtige Büroumgebung schaffen. In vielen Fällen werden klassische Büroflächen verkleinert. Der gewonnene Raum steht dann für Brainstormingsessions, Strategieemeetings oder Design Thinking Sessions zur Verfügung. Künftig werden Büros wohl eher Lounge- und Eventcharakter haben – mit chilligen Ecken für den gemeinsamen Austausch oder Kreativräumen für das Entwickeln neuer Ideen. Ihr feilt schon an neuen Arbeitsplatzskonzepten? Betone auch das in Deinem Employer Branding.

#4 Vielfalt ist Trumpf!

Was außerdem bislang eher unterschwellig im Recruiting stattgefunden hat: Das Thema Diversity. Wenn in Deinem Unternehmen längst bunt gemischte Teams ihre Arbeit verrichten, solltest Du auch das in Deinem Employer Branding unbedingt hervorheben – auch wenn es für Dich vielleicht nichts Neues ist. Tatsächlich suchen vor allem junge Talente im Recruiting gezielt nach Informationen, wie bunt es bei einem Arbeitgeber zugeht.

Für 45 Prozent der Kandidaten ist das laut der bereits erwähnten Studie von Monster ein sehr wichtiges Thema. Dafür gibt es auch einen guten Grund. Gerade die jüngere Generation ist extrem weltoffen und tolerant erzogen worden. Auf sie wirkt es geradezu altbacken, wenn ein Unternehmen immer nur den gleichen Mitarbeitertyp rekrutiert. Außerdem wissen Kandidaten nur zu gut, dass man in einem bunt gemischten Umfeld eher die 360 Grad-Betrachtung einer Idee erhält. Das ist extrem spannend und eröffnet neue Horizonte.

new employer branding

Fazit: Employer Branding muss zeitgemäß sein

Unser Fazit: Wir stehen an der Schwelle zu einer neuen Normalität, denn die Pandemie hat im vergangenen Jahr vieles verändert. Umso wichtiger ist es, dass auch Dein Employer Branding Schritt hält und nicht die gleichen Inhalte der letzten Jahre bedient. Die Welt hat sich gedreht. Zeige in Deinem Employer Branding, dass sich Dein Unternehmen mitgedreht hat. Stelle Dich als moderner Arbeitgeber auf, indem Du im Recruiting bewusst über die kleinen und großen Veränderungen sprichst, die Dein Unternehmen schon vollzogen hat oder gerade vollzieht. 

Dabei kannst Du auch über unfertige Projekte sprechen, oder Projekte, die in Planung sind. Und selbst wenn Du auf manche Frage noch keine 100-prozentige Antwort geben kannst – das lässt Dich gegenüber Talenten nur authentischer erscheinen. Sie wissen, dass sich die Arbeitswelt im Wandel befindet und erwarten noch nicht überall fertige Konzepte. Für sie ist es aber ein wichtiges Signal, dass sich ein Arbeitgeber weiter entwickelt und Mut zur Veränderung hat. Genau darauf kommt es heute an und genauso machst Du eine Punktlandung bei Kandidaten.

Bildquelle: www.pexels.de / cottonbro; www.pexels.de / Nicholas Swatz; www.pexels.de / Proxyclick Visitor Management System

×

Übersicht

Wir freuen uns auf Deinen Anruf! Erreichbar sind wir von Montag bis Freitag, 8.30 bis 17.00 Uhr unter:

Oder melde Dich direkt bei uns:
mail@hr-monkeys.de