Ist die 40-Stunden-Woche noch zeitgemäß?

Die 40-Stunden-Woche herrschte lange Zeit im Arbeitsmarkt vor. Was viele Jahre das gängige Modell im Arbeitsalltag war, ist heute längst nicht mehr so weit verbreitet. Neue Konzepte finden Anklang bei vielen Arbeitgebern: Home-Office, die 4-Tage-Woche oder Auszeiten wie Sabbaticals – New Work-Modelle erobern langsam, aber sicher den Arbeitsmarkt und vertreiben die 40-Stunden-Woche. Zu Recht?
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40 Stunden pro Woche, acht Stunden am Tag. So sieht laut Statista der Berufsalltag von knapp 50 % der deutschen Arbeitnehmenden aus. Wer etwas Glück hat, kann sich diese Zeit selbst einteilen. Die großen Glückspilze haben vielleicht sogar “nur” eine 35-Stunden-Woche. Doch auch das ist den meisten einfach zu viel. 

In der schnelllebigen Welt von heute ist Freizeit Mangelware. Nicht nur auf der Arbeit hetzen Mitarbeitende von einem Termin zum nächsten und machen eine Überstunde nach der anderen. Auch nach Feierabend hört der Stress nicht auf. Denn wo der Arbeitsalltag aufhört, stellt sich der “normale” Alltag gleich hinten an: Arzttermine, Familie, anderweitige Verpflichtungen, Hobbies und der Haushalt. All diese Dinge führen zu einer starken Belastung, die schnell zu einer Überlastung oder zum Burnout führen können. Das belegt auch eine Umfrage des Theodor Wenzel Werks: 87 Prozent der deutschen Bevölkerung ist gestresst, 60 Prozent der Proband*innen sind von Burnout-Symptomen betroffen und jeder zweite fühlt sich ausgebrannt.

Obwohl Stress in gewissen Maßen die Produktivität von Mitarbeitenden fördern kann, führt zu viel davon nachweislich zu einem deutlichen Abfall der Motivation und der Arbeitsleistung oder gar zum kompletten Ausfall, was in Zeiten des Fachkräftemangels einer totalen Katastrophe gleicht. 

Dieser Umstand bietet Grund zur Diskussion: Ist die 40-Stunden-Woche noch zeitgemäß? Welche Alternativen gibt es? Müssen Unternehmen mehr auf die mentale Gesundheit ihrer Arbeitskräfte achten? Ist es möglich, den Stress zu reduzieren, ohne dass die Produktivität sinkt? Oder führt eine Minderung der Arbeitszeit vielleicht sogar zu einer Steigerung der Leistung?

Führt eine Reduzierung der Arbeitszeit zu einem Produktivitätsabfall?

Dass kürzere Arbeitszeiten nicht zu einem Abfall der Produktivität führen, ist schon seit den frühen 20ern bekannt. Damals reduzierte Henry Ford die Arbeitszeit seiner Mitarbeitenden auf 40 Stunde pro Woche und konnte eine drastische Zunahme der Produktivität feststellen, sodass es ihm andere Arbeitgeber gleich taten. Im Laufe der Zeit wurde prognostiziert, dass aufgrund des technischen Fortschrittes die Arbeitszeit heutzutage höchstens noch 15 Stunden betragen würde. Stattdessen kommt aus der Wirtschaft der Ruf nach einer 42-Stunden-Woche als Heilmittel gegen den Fachkräftemangel.

Dabei ist erwiesen: Niemand kann acht Stunden konzentriert arbeiten. Eine Studie des britischen Unternehmens „vouchercloud“ hat herausgefunden, dass Mitarbeitende durchschnittlich gerade mal zwei Stunden und 53 Minuten pro Tag produktiv arbeiten. Den Rest des Tages lassen sie sich von folgenden Themen ablenken: 

Damit ist also klar: Eine Erhöhung der Arbeitszeit wird der Motivation der Arbeitnehmenden und damit auch der Produktivität einen gewaltigen Dämpfer verpassen. Eine Reduzierung der Arbeitszeit hingegen bezweckt nachweislich bereits in einigen Unternehmen das Gegenteil. 

Welche alternativen Arbeitszeitmodelle gibt es?

Diverse Arbeitszeitmodelle bieten eine gute Grundlage für Mitarbeitende, sich ihren Tag flexibler zu gestalten und den Arbeitsalltag in gewisser Weise mit dem Alltag zu vereinen und Stress zu reduzieren. Neben den mittlerweile weit verbreiteten Klassikern Gleitzeit, Home-Office oder Remote-Work, stellen wir Dir hier drei Modelle vor, die auf die Reduzierung von Stress der Mitarbeitenden abzielen:

4-Tage-Woche:

In Frankreich, den USA oder Schweden wurde das Modell der 4-Tage-Woche schon etabliert. Es bietet die Möglichkeit, die Arbeit in vier statt in fünf Tagen zu erledigen. Große Unternehmen wie Amazon oder Treehouse machen es bereits erfolgreich vor.

Warum es funktioniert: Die Aussicht, einen zusätzlichen Tag frei zu haben für persönliche Projekte, die Familie oder einfach zum Entspannen reduzieren Stress und verbessern dadurch die mentale Gesundheit der Arbeitnehmenden. Das führt dazu, dass Mitarbeitende an den anderen Tagen entspannter, fitter und motivierter arbeiten. Dabei bleiben Qualität und Innovation also nicht auf der Strecke. Ein zusätzlicher Motivationsfaktor – gerade für Familien – in Zeiten von Kita- und Kindergarten-Streiks: Das Betreuungs-Problem wird ebenfalls um einen Tag reduziert.

An Ergebnissen orientierte Vertrauensarbeitszeit:

Bei diesem Konzept stehen die Produktivität und die Ergebnisse im Vordergrund – nicht die Anwesenheit im Büro. Gemeinsam definieren Vorgesetzte und Mitarbeitende in regelmäßigen Abständen Ziele, die es unabhängig von der Arbeitszeit zu erledigen gilt. 

Warum es funktioniert: Mit diesem Ansatz wird genau das bestärkt, was essenziell für das Wachstum eines Unternehmens ist: der Output, der das Unternehmen voranbringt, steht über der Anwesenheit. Zudem bietet dieses Modell den Mitarbeitenden den größtmöglichen Freiraum: Bekanntlich arbeitet jeder Mensch anders und braucht für unterschiedliche Arbeiten unterschiedlich lang. So hat jeder Mitarbeitende individuell die Chance, so zu arbeiten, wie es ihm oder ihr am angenehmsten ist. 

Sabbatical:

Unter einem Sabbatical versteht man einen Langzeiturlaub, der von ein paar Monaten bis zu einem Jahr dauern kann. Diese Zeit nutzen viele zum Reisen, oder einfach um dem Alltagstrott zu entfliehen und neue Eindrücke zu gewinnen. All das mit der Aussicht, danach weiter im Unternehmen zu arbeiten und während der Zeit weiterhin Gehalt ausgezahlt zu bekommen. Wie das funktionieren kann? Es besteht die Möglichkeit, dass einige Monate vor dem Sabbatical ein Teil des Gehaltes zurückgehalten und während der freien Zeit ausgezahlt wird. 

Warum es funktioniert: Wenn Mitarbeitende über einen längeren Zeitraum gestresst sind, schränkt sich deren Sichtweite ein, die Motivation sinkt und die Arbeitsleistung fällt ab. Ist der Druck sehr groß, reicht manchmal ein normaler Urlaub von zwei bis drei Wochen nicht aus, um den Kopf frei zu bekommen. Viele Mitarbeitende schrecken allerdings von größeren Auszeiten zurück, aus Angst ihren Job zu verlieren. Mit der Aussicht auf den gleichen Job und weiterem Gehalt, trauen sie sich, die benötigte Auszeit zu nehmen und starten danach erholt, motiviert und mit vielen neuen Sichtweisen, Eindrücken und frischem Wind wieder voll durch. 

Fazit

Die Situation auf dem Arbeitsmarkt könnte kaum unterschiedlicher sein. Während einige Länder und große Unternehmen sich an den verschiedensten neuen Modellen versuchen, um die Work-Life-Balance zu optimieren, hängen andere Unternehmen noch starr in der 40-Stunden-Woche fest. Aber eines ist klar: Die Arbeitszeit spiegelt nicht die Produktivität wider. Um langfristig die mentale Gesundheit der Mitarbeitenden und den Unternehmenserfolg zu gewährleisten, sollten Arbeitgeber sich an die Bedürfnisse der Mitarbeitenden anpassen, über ihren Schatten springen und Neues ausprobieren. Das sichert ihnen den Stellenwert als attraktiver Arbeitgeber und sorgt letztlich auch für mehr Bewerbungen. Wie war das nochmal mit dem Fachkräftemangel? 

Bildquelle: Piacquadio | pexels.com; Alexas Fotos | unsplash.com 

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