Ein junger Mann mit braunen Haaren schaut überrascht über eine halbtransparente Milchglasscheibe, die er mit beiden Händen festhält. Im Hintergrund ist ein heller, moderner Innenraum mit großen Fenstern zu sehen.

Entgelttransparenzgesetz: Was 2026 wichtig wird 

Vielleicht kennst Du das: Gehaltsfragen werden bewusst kurzgehalten, Zahlen bleiben intern – und trotzdem, oder gerade deswegen, gibt’s immer wieder Diskussionen. Mehr Transparenz beim Gehalt ist längst überfällig. Mit dem Entgelttransparenzgesetz und den kommenden EU-Vorgaben rückt genau dieses Thema immer stärker in den Fokus. Für Arbeitgeber heißt das: hinschauen, vorbereiten – und das Ganze clever für sich nutzen. Wir sagen Dir, was wichtig ist.
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Definition Entgelttransparenzgesetz: Was hat es damit auf sich?

Wenn’s ums Thema Gehaltstransparenz geht, denken die meisten sofort an die Entgelttransparenzrichtlinie der Europäischen Union – kein Wunder, die ist ja schon länger überall in den Medien. Aber mal ehrlich: Das deutsche Entgelttransparenzgesetz gibt’s schon seit 2017. Das Gesetz soll dafür sorgen, dass Frauen und Männer für die gleiche Arbeit gleich bezahlt werden. Das zeigt auch der typisch bürokratisch-deutsche Name „Gesetz zur Förderung der Entgelttransparenz zwischen Frauen und Männern (EntgTranspG)“.

Die EU-Richtlinie kam 2023 mit weiteren Vorgaben dazu, die auch Deutschland bis zum 7. Juni 2026 in nationales Recht umsetzen muss – und die wahrscheinlich direkt in das Entgelttransparenzgesetz einfließen werden. Für Dich als Arbeitgeber heißt das: Transparenz wird verbindlicher. Du musst Deine Gehaltsstrukturen noch klarer machen. Wer sich früh drauf einstellt, zeigt nicht nur, dass er fair ist, sondern spart sich später auch Ärger und eröffnet sich Chancen.

Wie kam das Lohntransparenzgesetz zustande?

Das deutsche Entgelttransparenzgesetz und die Entgelttransparenzrichtlinie der EU gibt’s natürlich nicht einfach so – sie sind eine direkte Reaktion auf den Gender Pay Gap. Frauen verdienen im Schnitt immer noch deutlich weniger als Männer, und das ist schlichtweg unfair!

Zahlen, bitte: Laut Statistischem Bundesamt verdienten Frauen in der EU 2015 noch 16 Prozent weniger als Männer, bis 2023 schrumpfte die Zahl auf 12 Prozent. Eine Verbesserung, klar, aber noch lange nicht genug. In Deutschland sieht es ähnlich mies aus: 2025 lag der Unterschied bei 16 Prozent. Berücksichtigt man allerdings ähnliche Qualifikationen, Jobs und Lebensläufe, schrumpft der Gap auf etwa 6 Prozent – aber selbst das ist noch nicht null.

Die EU-Richtlinie soll genau dort mit Nachdruck ansetzen: Ungleichheiten sichtbar machen und fairere Gehaltsstrukturen schaffen. Für Dich als Arbeitgeber heißt das: Wer schon jetzt die Gehälter transparent und gerecht gestaltet, zeigt Verantwortung, gewinnt Vertrauen und macht sein Unternehmen attraktiver. Bei diesem Move gewinnen am Ende alle: Talente, Mitarbeiter*innen und Deine Company!

Das sind die wichtigsten Inhalte des Entgelttransparenzgesetzes

Lass uns mal drauf schauen, was genau eigentlich die Vorgaben sind für mehr Gehaltstransparenz. Wir machen das zweigeteilt. Erstmal das deutsche Entgelttransparenzgesetz, weil’s zuerst da war – und dann beleuchten wir die Entgelttransparenzrichtlinie der EU.

Die entscheidenden Vorgaben des Entgelttransparenzgesetzes:

  1. Individueller Auskunftsanspruch
    Mitarbeiter*innen in Unternehmen ab 200 Beschäftigten dürfen fragen, wie ihr Gehalt zustande kommt und wie es im Vergleich zu Kolleg*innen aussieht, die gleiche oder gleichwertige Arbeit machen. Sie wenden sich dafür an Dich oder den Betriebsrat. Klingt nach Extraaufwand? Ja, ein bisschen. Aber offen und nachvollziehbar zu antworten, zahlt sich langfristig aus.
  2. Betriebliche Prüfverfahren
    Wenn Du mehr als 500 Mitarbeiter*innen hast, solltest Du regelmäßig checken, ob die Gehälter fair verteilt sind. Klingt trocken? Stimmt. Aber: Transparenz schafft Vertrauen, sorgt für weniger Streit im Team und steigert die Mitarbeiterbindung – also ein dreifacher Gewinn für Dich.
  3. Berichtspflichten zur Gleichstellung und Entgeltgleichheit
    Große Unternehmen, die nach dem Handelsgesetzbuch (HGB) berichtspflichtig sind, müssen regelmäßig zeigen, wie sie Frauen und Männer bezahlen und welche Maßnahmen sie für Gleichstellung ergreifen. So ist alles transparent – für Mitarbeiter*innen, Betriebsrät*innen und auch für Dich selbst.

Die entscheidenden Vorgaben der EU-Entgelttransparenzrichtlinie:

  1. Gehalt gleich von Anfang an
    Am besten schon in Stellenausschreibungen oder vor dem Vorstellungsgespräch solltest Du angeben, wie viel das Jobangebot einbringt – entweder ein konkretes Einstiegsgehalt oder eine Spanne. Und ganz wichtig: Du darfst Bewerber*innen nicht mehr nach ihrem alten Gehalt fragen.
  2. Auskunftsanspruch für Mitarbeiter*innen
    Beschäftigte können künftig, unabhängig von der Betriebsgröße, nachhaken: “Wie viel verdiene ich eigentlich im Vergleich zu Kolleg*innen?” Du musst also klar und transparent aufzeigen, was Mitarbeiter*innen in vergleichbaren Jobs verdienen, getrennt nach Geschlecht.
  3. Berichterstattung über Lohnunterschiede
    Ab 100 Mitarbeiter*innen muss Dein Unternehmen künftig regelmäßig das geschlechtsspezifische Lohngefälle offenlegen. Große Unternehmen berichten jährlich, mittelgroße alle drei Jahre. Damit wird klar, ob es irgendwo systematische Lohnunterschiede gibt.
  4. Gemeinsame Entgeltbewertung bei großen Unterschieden
    Wenn der Bericht zeigt, dass Frauen mindestens 5 Prozent weniger verdienen und Du das nicht sauber erklären kannst, musst Du mit Arbeitnehmervertreter*innen prüfen, wie sich die Gehälter anpassen lassen – also gemeinsam schauen, dass es fair wird.

Du hast es sicherlich gemerkt: Wo das Entgelttransparenzgesetz heute noch eher locker ist, setzt die EU-Richtlinie scharf an. Für (endlich) noch mehr Fairness – gut so! Bundesgleichstellungsministerin Karin Prien will die Entgelttransparenzrichtlinie eins zu eins umsetzen und sagt: „Wir wollen gleichen Lohn für gleiche Arbeit bis 2030.“

Das Entgelttransparenzgesetz bringt Vorteile und Chancen

Wir haben es hier und da schon angedeutet. Mehr Lohn-Fairness bringt Deinem Unternehmen eine ganze Menge Vorteile. Wir tauchen jetzt mal etwas tiefer hinab in das, was für Dich rausspringt:

  • Mehr Mitarbeiterzufriedenheit: Wenn Dein Team merkt, dass alle fair bezahlt werden, steigt die Motivation. Zufriedene Mitarbeiter*innen bleiben länger, arbeiten engagierter und empfehlen Dein Unternehmen weiter – eine echte Win-Win-Situation.
  • Vielfalt und Inklusion fördern: Transparenz macht Gehaltsunterschiede sichtbar und sorgt dafür, dass alle gleich behandelt werden. Das stärkt Diversität und zeigt, dass Dein Unternehmen ein Ort für alle ist, unabhängig von Geschlecht, Hintergrund oder Erfahrung.
  • Einstellungsprozesse werden effizienter: Klare Gehaltsangaben von Anfang an sparen Zeit und Nerven. Bewerber*innen wissen sofort, was sie erwartet, und lange Gehaltsverhandlungen oder unangenehme Nachfragen entfallen.
  • Attraktivität als Arbeitgeber steigt: Wer offen, fair und modern auftritt, punktet bei Talenten. Gerade im War for Talents kann Transparenz der entscheidende Vorteil sein, um die besten Kandidat*innen zu gewinnen.
  • Teamvertrauen wächst: Transparenz bei Gehältern zeigt Deinem Team, dass es ehrlich und gerecht zugeht. Das reduziert Konflikte, stärkt den Zusammenhalt und sorgt für ein positives Betriebsklima.
  • Rechtliche Sicherheit: Wenn alles sauber dokumentiert und nachvollziehbar ist, minimierst Du das Risiko von Streitigkeiten oder Klagen wegen ungleicher Bezahlung.
  • Unternehmensimage aufpolieren: Ein modernes, faires Unternehmen macht auch nach außen einen hervorragenden Eindruck: bei Kund*innen, Partner*innen und Investor*innen.
Also: Transparenz beim Gehalt zahlt sich in vielen Bereichen aus – für Dein Team, Dein Unternehmen und auch für Dein Image.

Kritik am Entgelttransparenzgesetz

So fair das Entgelttransparenzgesetz auch sein mag – es gibt auch Punkte, die viele Arbeitgeber nerven. Und mal ehrlich: ein bisschen Kritik ist okay, solange man die Chancen daneben nicht vergisst.

  • Bekanntheit ist noch ausbaufähig: Viele Angestellte und sogar manche Führungskräfte wissen gar nicht, dass es das Gesetz gibt. Heißt: Ohne Kommunikation läuft wenig, und manche Arbeitgeber stehen erst mal vor überraschten Nachfragen.
  • Bürokratischer Aufwand: Berichtspflichten, Prüfverfahren und Auskunftsanfragen können anfangs mehr Arbeit bedeuten, gerade bei größeren Unternehmen. Wer das gut plant, kann den Aufwand aber gut steuern.
  • Noch nicht verbindlich genug: Kritiker*innen sagen, dass das Gesetz bisher nicht streng genug ist, um Ungleichheiten automatisch zu beseitigen. Deshalb wird die EU-Richtlinie ab 2026 noch mal ordentlich nachlegen und vieles verbindlicher machen.
  • Unsicherheit bei der Umsetzung: Manche Arbeitgeber wissen nicht genau, wie sie alle Vorgaben richtig umsetzen sollen, z. B. bei der Auskunft über Gehälter oder der Berichtspflicht. Hier helfen Leitfäden, Schulungen oder Betriebsrats-Kontaktpunkte, um sicher durch den Prozess zu kommen.
Klar, es gibt ein paar Stolpersteine, aber die sind überschaubar. Wer sich früh vorbereitet, kann die Arbeit gut organisieren – und gleichzeitig die Chancen nutzen, die Transparenz und Fairness bringen.

So kannst Du Dich als Arbeitgeber*in aufs Lohntransparenzgesetz vorbereiten

Keine Panik – die Entgelttransparenzvorgaben sind kein Monster, das über Nacht alles umkrempelt. Mit ein paar einfachen Schritten bist Du gut gerüstet – und kannst sogar richtig davon profitieren.

  1. Check Deine Gehaltsstruktur
    Guck Dir an, wer bei Euch was verdient. Gibt’s Unterschiede zwischen Frauen und Männern bei vergleichbarer Arbeit? Schon ein kurzer Blick zeigt, wo noch Luft nach oben ist.
  2. Transparenz sichtbar machen
    Mitarbeiter*innen wollen verstehen, wie ihr Gehalt zustande kommt. Also: offen kommunizieren, nachvollziehbar erklären – das bringt Vertrauen und motiviert.
  3. Prozesse vorbereiten
    Prüfverfahren und Berichtspflichten klingen erstmal trocken, aber wenn Du sie früh einrichtest, bist Du später entspannt und vorbereitet, wenn Fragen kommen.
  4. Team einbeziehen
    Sprich mit Betriebsräten oder Personalräten, wenn es sie gibt. Gemeinsam geht’s einfacher – und Dein Team merkt: Hier wird ernsthaft fair gearbeitet.
  5. Hilfen nutzen
    Leitfäden, Schulungen, Vorlagen – alles, was Dir die Arbeit erleichtert, ist Gold wert. So läuft alles korrekt und stressfrei ab.
  6. Transparenz als Teil der Unternehmenskultur
    Mach von Anfang an klar: Bei uns läuft alles fair und offen. Das steigert Motivation, Vertrauen und macht Dich als Arbeitgeber attraktiv für neue Talente.

Rat der Redaktion

„Mach den Gehalts-Reality-Check. Frag Dich einmal im Jahr: Könnte ich jede Gehaltsentscheidung komplett nachvollziehbar erklären? Wenn irgendwo Bauchgefühl statt Struktur regiert, ist das Dein Warnsignal.“

Reemko Ruth, Online-Redakteur bei den HR monkeys

Fazit: Mehr Transparenz, mehr Vorteile

Gehaltstransparenz ist nicht nur ein ödes Gesetzesthema – sie ist eine echte Chance für Dein Unternehmen. Wer fair zahlt und offen kommuniziert, sorgt dafür, dass sich Mitarbeiter*innen wertgeschätzt fühlen, motiviert bleiben und gerne bleiben. Laut einer Umfrage der Unternehmensberatung Willis Towers Watson rechnen 43 Prozent der Arbeitgeber fest mit dieser positiven Wirkung.

Zufriedene Teams arbeiten besser zusammen, Konflikte wegen Gehaltsthemen gehen runter – und beim War for Talents bist Du klar im Vorteil. Der Stepstone Gehaltsreport 2025 hat rausgefunden: Fast 90 Prozent der Talente bewerben sich eher auf Stellen mit konkreten Gehaltsangaben. Wer also transparent ist, punktet ganz stark bei potenziellen Bewerber*innen.

Gehaltstransparenz lohnt sich für alle – für die Gesellschaft, für Dein Team und für Dein Unternehmen. Und wer jetzt schon die Chancen nutzt, kann den Wandel aktiv mitgestalten – und davon langfristig profitieren.

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