Rückkehr aus dem Homeoffice:
Raus aus der virtuellen Bubble

Die Homeoffice-Pflicht ist Geschichte. Viele Unternehmen stellen es ihren Arbeitnehmenden aber weiterhin frei, wie oft diese von zuhause arbeiten. Und von dieser Regelung machen viele Arbeitskräfte intensiven Gebrauch. So mancher Betrieb hätte mit mehr Leben im Büro gerechnet. Jetzt, wo es wieder möglich ist, live und in Farbe zusammenzuarbeiten. Doch Mitarbeitende kehren nur zögerlich zurück an ihren Arbeitsplatz. Waren wir alle zu lange in unserer virtuellen Bubble gefangen und haben nun Schwierigkeiten, sie zu durchbrechen?

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Adieu Corona-Regeln:
Deutschland macht sich locker

Stell‘ Dir vor, Deutschland macht sich locker, aber keiner macht mit. Viele Arbeitgebende hatten nach dem Wegfall der Homeoffice-Pflicht die romantische Vorstellung, dass begeisterte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit einem Strahlen zurück an ihren Arbeitsplatz kehren. Dass man Wiedersehen feiert, sich vor Freude gar nicht einkriegen kann und sich andauernd in den Armen liegt.

Romantikfilter aus! Die Realität sieht anders aus: In den meisten Büros herrscht gähnende Leere. Schreibtische und Stühle sind verwaist. Nur im Meetingraum sitzt eine einzige Kollegin und kommuniziert angeregt … mit der Videoleinwand. Auf dieser reihen sich ihre Teammitglieder in den typischen Zoom-Kacheln nebeneinander auf und nicken ihrer Chefin eifrig zu.

Gefangen in der virtuellen Bubble

Was ist denn da los? Wir vermuten, dass hinter dieser Büroflucht etwas steckt, mit dem in der Intensität keiner so richtig gerechnet hat: Mitarbeitende haben Probleme, ihre virtuelle Bubble zu verlassen. Wir alle haben in den letzten Monaten die Arbeit in 3D mit echten Kolleg*innen gegen Remote-Work eingetauscht. Wir kennen es nicht mehr anders, als dass uns auf dem Monitor zehn, zwölf Augenpaare gleichzeitig entgegenblinkern. Findet zwischendurch keine Videokonferenz statt, läuft das Chat-Tool heiß. Das ist jetzt unsere neue Arbeitsrealität.

Die Rückkehr in den alten Rhythmus fällt uns deswegen so schwer, weil wir alle Gewohnheitstiere sind. Inzwischen haben wir uns an Remote-Work dermaßen gewöhnt, dass es einer tiefgreifenden Veränderung nahekommt, sich morgens wieder in den Business-Dress zu werfen und ins Büro zu fahren. Viel zu viel Aufwand.

Was uns in der virtuellen Bubble kleben lässt

Im direkten Vergleich erscheint die virtuelle Bubble viel gemütlicher:
  • Man kann länger schlafen.
  • Der Kühlschrank steht immer in Reichweite.
  • Man muss sich nicht großartig anziehen – es reicht, wenn man kurz vor dem Meeting ein Hemd oder eine Bluse übers Schlafanzugoberteil streift und sich rasch mit dem Kamm durch die Haare fährt.
  • Die Fahrt ins Büro entfällt und man spart viel Zeit – außerdem ist der Sprit eh gerade so teuer.
  • Privatleben und Job lassen sich viel besser vereinbaren.
Klar, es gibt viele Vorteile, die mit dem Dauer-Homeoffice verbunden sind. Aber es spricht auch einiges dafür, dass Betriebe ihre Mitarbeitenden animieren sollten, ihrer alten Wirkungsstätte wenigstens ab und an einen Besuch abzustatten.
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Homeoffice und Burnout – gar nicht mal so selten

Denn Remote-Work bringt auch ein großes Burnout-Risiko mit sich. Bei vielen Arbeitnehmenden verschwimmt durch das Arbeiten von zu Hause die Grenze zwischen Job und Privatleben immer mehr – und das kann auf Kosten der psychischen Gesundheit gehen. Laut einer Umfrage von Capterra erleben 44 Prozent der Angestellten Burnout-Symptome, seit sie im Homeoffice arbeiten.

Das Ganze geht meist langsam los: Am Abend mal noch schnell die E-Mails gecheckt. Vielleicht haben sich die Kollegen aus Übersee ja schon gemeldet. Und dann bietet es sich ja an, schon sehr, sehr früh am nächsten Morgen an dem Call mit dem asiatischen Team teilzunehmen. Erst geschieht all das nur hin und wieder, bis es irgendwann zur Routine geworden ist. Und so entfaltet die virtuelle Bubble nach und nach einen Sog, dem sich Arbeitnehmende kaum mehr entziehen können.

Irgendwann ist die Arbeit rund um die Uhr präsent. Und das ist Gift. Denn die Gedanken enden nicht mit dem letzten Call. Vor allem dann nicht, wenn dieser kurz vor dem Schlafengehen stattfindet. Dann hat das Gehirn keine Möglichkeit mehr, abzuschalten und zu regenerieren. Also nimmst Du Deine Kolleg*innen wortwörtlich mit ins Bett. Und damit beginnt eine Abwärtsspirale aus schlaflosen Nächten, Müdigkeit am Tag, schlaflosen Nächten, Müdigkeit am Tag, schlaflosen Nächten, Müdigkeit am Tag. Äh. Du weißt sicher längst, was wir meinen.

Der private Rückzug in die virtuelle Bubble verschärft das Problem noch

Ein weiteres Problem ist, dass sich viele Arbeitnehmende auch privat in ihre virtuelle Bubble zurückziehen. Warum noch ins Fitnesstudio gehen? Der Online-Yoga-Kurs tut’s doch auch. (Und vor allen Dingen merkt’s keiner, wenn man beim zweiten Krieger mal nicht so tief ins Knie geht.) Oder: Warum ins Kino gehen, wenn man es sich Netflix-sei-Dank zuhause auf dem Sofa gemütlich machen und sich dort den neuesten Blockbuster reinziehen kann?

Das alles hat das Leben während der letzten zwei Jahre, in denen es darum ging, Kontakte zu reduzieren, zweifellos einfacher gemacht. Aber wer sein Leben nur noch vor Laptop und Fernseher verbringt und zwischendurch auf dem Handy herumwischt, hat nicht nur ein erhöhtes Burnout-Risiko. Er oder sie verliert irgendwann auch den Anschluss zur Realität. Und das hat weitere tiefgreifende Folgen: Isolation, Einsamkeit, Depression. Nicht gut.

Wie Du Deine Kolleg*innen aus der virtuellen Blase holst

Deshalb ist es jetzt eine wichtige Aufgabe von HR-Expert*innen wie Dir, Mitarbei­tenden zu helfen, die Haut ihrer virtuellen Bubble wenigstens an ein, zwei Tagen der Woche zu durchstoßen. Sonst wird diese immer zäher, bis sie sich gar nicht mehr durchbrechen lässt. Wir hätten da mal ein paar Tipps:

#1 Reden hilft!

Empfiehl Führungskräften, das Thema „Comeback aus dem Homeoffice“ in den One-and-Ones mit ihren Kolleginnen und Kollegen zu thematisieren. In diesen sollten sie ihnen immer wieder vergegenwärtigen, wie wichtig es ist, die eigene virtuelle Blase regelmäßig zu verlassen, um nicht den direkten Bezug zu den Kolleg*innen zu verlieren. Denn der Zusammenhalt, der entsteht, wenn man immer mal wieder in der realen Welt die Köpfe zusammensteckt, ist mit dem in der virtuellen Welt, nicht vergleichbar. Und je enger ein Team miteinander verwoben ist, umso größer das Zugehörigkeitsgefühl und die Vertrautheit untereinander und umso mehr sprudeln gemeinsame Ideen.

#2 Sorge für maximale Sicherheit

Manche Büroverweigerer haben Angst, sich vor Ort doch noch das Virus mit dem großen „C“ einzufangen. Biete ihnen die maximale Sicherheit. Mit einem ausgeklügelten Hygienekonzept, das zum Beispiel vorsieht, dass nie alle Mitarbeitenden gleichzeitig vor Ort arbeiten, und dass Masken getragen werden, sobald Arbeitnehmende ihren Schreibtisch verlassen. Ebenso sollte es genügend Möglichkeiten geben, sich die Hände zu desinfizieren.

#3 Frage nach!

Zeige, dass Du die Ängste und Sorgen der Homeoffice-Rückkehrer ernst nimmst und mache eine kleine Umfrage unter den Kolleg*innen: Welche Wünsche haben sie zum Beispiel bezüglich der Raumaufteilung, um sich sicherer zu fühlen? Inwiefern soll die Sitzordnung verändert werden? Welche Vorkehrungen sollten außerdem getroffen werden?

#4 Zeige Verständnis

Vielleicht bringt Deine Umfrage auch ans Tageslicht, dass sich manche Mitarbeitende nicht mehr so recht zutrauen, mit anderen zusammenzuarbeiten. Bei ihnen ist der Rückzug in die virtuelle Bubble schon sehr weit fortgeschritten. Nimm‘ das unbedingt ernst und zwinge niemanden, ins Büro zurückzukehren, wenn er oder sie sich das mental nicht zutraut. Unter Zwang würde der oder die Mitarbeiter*in nur ängstlich am Schreibtisch sitzen und sich den ganzen Tag unwohl fühlen. Davon hat niemand etwas. Manche Personen müssen tatsächlich erst wieder lernen, den Kontakt zu anderen aufzubauen. Schließe mit Betroffenen eine Zusatzvereinbarung ab, die ihnen zeitlichen Aufschub bietet, ins Büro zurückzukehren und biete ihnen gleichzeitig Hilfe an – durch psychologische Betreuung oder Coaching zum Beispiel.

#5 Mach‘ Deinen Mitarbeitenden Vor-Ort-Angebote

Um Deine Mitarbeitenden wieder für das Arbeiten im Office zu begeistern, kannst Du ihnen spannende Angebote vor Ort machen. Das kann der Yoga-Kurs sein, der während der Arbeitszeit im großen Meetingraum angeboten wird, gemeinsame Laufgruppen in der Mittagspause oder wie wäre es mit der Einrichtung eines Gaming-Raumes? Warum nicht? Gemeinsames Zocken erfreut sich immer größerer Beliebtheit und hilft vielen Arbeitnehmenden dabei, Stress abzubauen.

#6 Biete ein Arbeitsplatzkonzept an, das einen guten Kompromiss bietet

Während viele Unternehmen es ihren Kolleg*innen frei stellen, von wo aus sie arbeiten, könntest Du auch ein Arbeitsplatzangebot machen, dass einen guten Kompromiss zwischen Dauer-Homeoffice und der früheren Präsenzpflicht im Büro darstellt. Wie wäre es zum Beispiel mit zwei Tagen Anwesenheit in der Woche? Der Rest der Zeit kann von zuhause aus gearbeitet werden.

#7 Sorge für eine tolle Büroatmosphäre

In Zukunft werden nicht mehr alle Arbeitnehmenden gleichzeitig im Büro sein. Viele kommen ins Office, wenn Meetings anstehen oder sie gemeinsam mit Kollegen brainstormen wollen – alles andere lässt sich super im Homeoffice erledigen. Also wird sich künftig im Büro vieles um Austausch drehen. Daher gestalten viele Arbeitgeber derzeit ihre Flächen um. Großraumbüros werden zum Beispiel in Kreativzonen, Meetingbereiche und Lounge-Zonen für den informellen Austausch umgebaut. Außerdem zieht in viele Offices mehr Wohlfühlatmosphäre ein. Durch Blumendeko, Bilder an den Wänden, einem heimeligen Lichtkonzept und gemütlichen Möbeln. Schaffe auch Du einen Ort, an dem sich Mitarbeitende gerne aufhalten. Cafeteria-Style statt Arbeits-Brutkasten im kalten Neonlicht.

Fazit

Das Homeoffice ist gekommen, um zu bleiben. Dennoch ist es für die Gesundheit der Mitarbeitenden und den Zusammenhalt von Teams ungemein wichtig, dass sich Kolleg*innen ab und an in real Life über den Weg laufen. Dazu zwingen sollte man niemanden. Aber wenn Du Deine Kolleg*innen sensibel zurückholst und ein Büroumfeld schaffst, das einfach zu toll ist, um es auf Dauer zu ignorieren, hast Du gute Chancen, dass Arbeitnehmende ihre virtuelle Bubble wieder regelmäßiger verlassen. Dann ist Dein Büro wieder voller Leben – ganz ohne Romantik-Filter.

Bildquelle: Ken Tomita| pexels.com; Kind and Curious | unsplash.com

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