Flapsiges Betriebsklima:
Ist das noch ein Witz oder schon Mobbing?

Die Arbeitswelt hat sich in den letzten Jahren ganz schön locker gemacht. Statt des steifen „Sie“ ist in den meisten Betrieben inzwischen das viel nahbarere „Du“ angesagt. Finden wir gut! Denn das „Du“ macht vieles einfacher. Es lässt Distanzen dahinschmelzen. Mitarbeitende, die sich duzen, bewegen sich auf Augenhöhe und Ideen sprudeln in einer freundschaftlichen Atmosphäre einfach besser. Allerdings verleitet das „Du“ auch zu gewissen Flapsigkeiten im Alltag. Was anfangs vielleicht noch witzig war, nervt irgendwann oder verletzt vielleicht sogar. Dann ist das Betriebsklima im Eimer. Was tun?

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Sag` zu den Hierarchien im Job leise servus

Vor ein paar Jahren waren Hierarchien im Job noch klar abgesteckt. Die Chef*innen waren die da oben und die Mitarbeitenden die da unten. Vertraulichkeiten zwischen diesen Ebenen gab es nicht. Alles war furchtbar steif und steril. Die Führungskraft war eine Respektsperson und bestimmt kein Kumpeltyp, mit dem man auch mal ein Feierabendbier trinken geht.

Inzwischen ist das zum Glück anders. In den meisten Unternehmen ist Führung auf Augenhöhe angesagt. Man duzt sich, sitzt gemeinsam am runden Tisch und tüftelt zusammen an Ideen. Jeder Impuls zählt. Egal, von wem er kommt.

Mit dieser Lockerheit ist auch eine gewisse Flapsigkeit eingekehrt. Hierarchiegrenzen sind praktisch nicht mehr spürbar und so gehen Vorgesetzte und ihre Mitarbeitenden miteinander um, als hätten sie schon im Sandkasten zusammen gebuddelt und Burgen miteinander gebaut. Witze, lustige Sprüche, Neckereien gehören im Job zur Tagesordnung. Das ist gut, denn es ist ein regelrechter Booster für das Betriebsklima.

Machtgefälle zwischen Mitarbeitenden und Vorgesetzten

Aber! Das Ganze kann auch kippen. Je vertrauter man miteinander ist, umso mehr können Sprüche auch mal ans Eingemachte gehen. Passiert das ein oder zweimal, ist das nicht schlimm. Häuft es sich aber, kann es zum handfesten Problem werden. Gerade dann, wenn Führungskräfte immer wortgewaltiger austeilen. Denn auch wenn es vordergründig nicht mehr so aussieht: Chef*innen und ihre Mitarbeitenden bewegen sich formal eben doch nicht auf gleicher Ebene. Eine Führungskraft hat mehr Macht als das Teammitglied: Sie kann Aufgaben verteilen, Boni und Benefits vergeben und nicht zuletzt bestimmt sie über Auf- und Abstieg.

Daher werden Mitarbeitende in vielen Fällen erstmal meist höflich lachen, wenn der oder die Chef*in Possen reißt – selbst wenn sie daneben sind. Und so nimmt die Abwärtsspirale ihren Lauf. Die Führungskraft macht weiter und setzt vielleicht sogar noch einen drauf und dann noch einen. Spätestens jetzt sollten Teammitglieder den Mund aufmachen. Ansonsten ist die Schmerzgrenze irgendwann überschritten. Die Folgen: Das eben noch so lebhafte Betriebsklima leidet und die betreffenden Mitarbeitenden fühlen sich vielleicht sogar gemobbt.

Was ist Mobbing wirklich?

Aber um das einmal klar einzuordnen: Mit echtem Mobbing hat das nichts zu tun. Von normalen Konflikten und Streitereien unterscheidet sich Mobbing dadurch, dass es gezielt, systematisch und über einen längeren Zeitraum betrieben wird. Und zwar mit der vollen Absicht, eine andere Person auszugrenzen, sie zu verletzen und vom Arbeitsplatz zu vertreiben. Aber das ist in unserem Szenario definitiv nicht der Fall. Im Gegenteil. Die Führungskraft glaubt witzig zu sein und keiner traut sich, ihr zu sagen, dass sie es nicht ist.

Gleichzeitig wollen wir das Problem aber auch nicht klein reden. Denn auf lange Sicht können einseitige Flapsigkeiten eine ähnliche Wirkung wie Mobbing haben. Die betroffene Person fühlt sich unterlegen, was diese physisch und/oder psychisch krank macht und ihr Selbstwertgefühl anknackst.

Wie HR die Wogen glätten kann

Die Lösung: Mit einem gut aufgestellten HR-Management kommt es gar nicht erst so weit. Wichtig ist, eine Atmosphäre zu schaffen, in der Mitarbeitende ermutigt werden, frühzeitig Position zu beziehen. Auch bei unangenehmen Dingen. Dazu bedarf es einer Feedbackkultur, in der Vorgesetzte ein offenes Ohr für ihr Team haben. Dafür kannst Du als Personalverantwortliche*r die Weichen stellen.

Etwa, indem Du eine Policy der Open Doors etablierst. Sprich: Führungskräfte haben die Tür zu ihrem Büro immer offen und signalisieren so, dass sie für ihre Kollegen und Kolleginnen jederzeit in allen Belangen ansprechbar sind. Auch, was persönliche Themen angeht. Das ist übrigens auch bei der virtuellen Zusammenarbeit möglich – richte dazu einfach einen Teams-Channel ein, über den Teammitglieder jederzeit mit der Führungskraft eine Videokonferenz starten können.

Kommunikationstraining hilft

Gleichzeitig kannst Du Vorgesetzte und Arbeitnehmende darin schulen, angemessen Feedback zu geben. Und zwar so, dass sie ihre Punkte passgenau bei dem oder der anderen platzieren können, ohne das Gegenüber zu beleidigen.

Hierbei sind die folgenden Punkte wichtig:

  • Sich vorher Gedanken machen, was man sagen möchte: Arbeitnehmende und Vorgesetzte sollten sich klar darüber werden, was die Kernbotschaft ihres Feedbacks ist.
  • Es ist nie gut, ausschließlich Kritik zu üben. Daher sollten auch Dinge angesprochen werden, die gut laufen. Im besten Fall nutzen Arbeitnehmende und Fachkräfte die Sandwich-Methode: Lob, Kritik, Lob. Einfach, weil’s wirkt.
  • In der Ich-Perspektive sprechen: Wer sein Feedback als Vorwurf formuliert á la „Du hast …” oder „Immer machst Du …“, drängt das Gegenüber dazu, eine Abwehrhaltung einzunehmen. Besser sind Ich-Aussagen: „Ich empfinde …“, „Ich denke …“. So bringt der oder die Feedback-Gebende subjektive Ansichten zur Sprache und greift andere nicht an.
  • Wichtig ist auch, die Perspektive des Gesprächspartners zu erfragen: Jede Medaille hat zwei Seiten und es ist essenziell, sich einem Problem aus verschiedenen Perspektiven zu nähern, um gegenseitiges Verständnis aufzubauen.

Fazit

Reden hilft! Wichtig für eine funktionierende Feedbackkultur sind regelmäßige Timeslots, in denen fachliche Dinge besprochen werden, aber auch ganz bewusst zwischenmenschliche Angelegenheiten. So können Flapsigkeiten nie zu einem echten Problem werden. It works!

Bildquelle: ohmydearlife | pixabay.com, RODNAE Productions | pexels.com

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