Kündigung während Corona: Man sieht sich im Leben immer zweimal

Bundesfinanzminister Olaf Scholz will’s, die Bundeskanzlerin will’s wohl auch: Die Bundesregierung prüft aktuell, die Zahlung des Kurzarbeitergelds von zwölf auf 24 Monate zu verlängern. So soll einer großen Kündigungswelle vorgebeugt werden. Aber nicht jedes Unternehmen konnte in den letzten Wochen dieses Schicksal von sich abwenden. Das ist schlimm. Noch schlimmer ist es allerdings, wenn Kündigungen zum Beispiel im Vorbeigehen oder per Social Media ausgesprochen werden, was nachweislich genauso vorgekommen ist! Unternehmen sollten bedenken: Man sieht sich immer zweimal im Leben.

Vanessa Kurz
Vanessa Kurz
Als B. A. Medienmanagement und M. Sc. International Marketing Management ist Vanessa Expertin in modernen Marketing-Strategien und Zielgruppenansprache.

Kündigung: Viele Arbeitnehmer
mussten ihren Hut nehmen

Die aktuell diskutierte Verdoppelung der Bezugsdauer des Kurzarbeitergelds ist begrüßenswert – keine Frage. Dieses hat sich in den letzten Wochen als Stabilisator der Wirtschaft erwiesen. So konnte eine große Zahl an Kündigungen verhindert werden. Nichtsdestotrotz sind die Arbeitsmarktzahlen, die die Bundesagentur für Arbeit Ende Juli vermeldete nicht gerade rosig. Gegenüber dem Vorjahr hat sich die Arbeitslosenzahl um 635.000 Personen erhöht.

Im Klartext wurden zig Menschen in den letzten Tagen, Wochen und Monaten mit einer betriebsbedingten Kündigung konfrontiert. Nicht immer geschah das mit dem nötigen Feingefühl. Das mag damit erklärbar sein, dass Unternehmen derzeit unter einem enormen Druck stehen. Dennoch sollte ihnen bei der Entlassung von Mitarbeitern nicht der Respekt abhanden kommen. Aus unserer Sicht ist das ein absolutes No Go. Letztlich müssen aber ohnehin die Unternehmen die Zeche für ihr Verhalten zahlen. Denn sie schneiden sich damit, wie wir gleich noch sehen werden, vor allem ins eigene Fleisch. 

Kündigung: Viele Arbeitnehmer
mussten ihren Hut nehmen

Werden verdiente Arbeitnehmer in schweren Zeiten rüde und unbarmherzig aus einem Unternehmen herauskatapultiert, ist der Imagschaden Programm. Denn was liegt für einen Angestellten, der viel Lebenszeit in einen Betrieb investiert hat und dann mit einem Fußtritt auf die Straße gesetzt wird, näher, als seiner Enttäuschung und seinem Ärger darüber Luft zu machen? Zum Beispiel in sozialen Medien oder auf Arbeitgeberbewertungsportalen.

Das passiert nicht? Denkste! Wir sind erst kürzlich über folgendes Facebook-Posting „gestolpert“ – getaggt war das Posting übrigens noch mit einem traurigen Smiley: „Enttäuscht“: 

„In einem Zoom Call mit neun anderen Kollegen gefeuert zu werden, hat schon eine ganz besondere Qualität. So wenig Stil und Respekt vor Menschen hätte ich meinen Arbeitgeber nicht zugetraut.“

Fiese Kündigungen schrecken Talente ab

Arbeitgeber sollten sich allerdings darüber bewusst sein: Einträge wie diese ziehen schnell große Kreise (und landen sogar in gut besuchten HR-Blogs). Das ist nicht weiter verwunderlich. Sie enthalten immerhin eine ordentliche Portion Emotion und Emotionales wird häufig geteilt. So erreicht die Nachricht vom fiesen Gebaren eines Arbeitgebers letztlich auch Personen, die irgendwann einmal interessant für ein Unternehmen werden könnten, wenn sich die Wirtschaft wieder erholt hat. Aber ob diese dann nach dieser Erfahrung dann noch für das Unternehmen zu begeistern sind? Zweifelhaft! Ergo: Die eigene Employer Brand trägt von unbedachten Handlungen in Krisensituationen erheblichen Schaden davon. 

Arbeitgeber sollten es eigentlich besser wissen. Doch leider sind derartige Vorkommnisse in den letzten Wochen offensichtlich häufiger vorgekommen. Auf dem Blog Digital People Management sind wir zum Beispiel auf dieses abenteuerliche Geschichte gestoßen:

„Eine Kündigung auszusprechen, ist eine unangenehme Sache. Mancher Arbeitgeber macht’s daher direkt schriftlich. Nach § 623 BGB bedarf die Kündigung eines Arbeitsverhältnisses ja auch ohnehin der Schriftform. Gemeint ist jedoch ein Schreiben auf Papier, das vom Arbeitgeber offiziell unterschrieben wurde, aber bestimmt keine Kündigung per WhatsApp. Die ist aber nicht nur arbeitsrechtlich ein No Go, sondern auch auf der menschlichen Ebene.“ Wir finden: Das geht gar nicht. 

Arbeitgeber sollten sich nicht weggucken

Übel ist es auch, wenn andere Mitarbeiter vor dem Betroffenen von der bevorstehenden Kündigung erfahren und die Kunde munter über den Flurfunk verbreiten – nach dem Motto: Alle wissen es, nur einer nicht. 

Ein anderes No Go, das uns zu Ohren gekommen ist: Eben noch hat ein Mitarbeiter einen Videocall mit seinem Vorgesetzten und Team absolviert. Alles war wie immer. Eine halbe Stunde später klingelt der Postbote und mit dem Brief, den er überreicht, dreht sich die Welt um 180 Grad. Per Einschreiben erhält der Arbeitnehmer die sofort wirksame betriebsbedingte Kündigung. Keine weiteren persönlichen Worte. Nur der Hinweis, baldmöglichst, die Firmenhardware abzugeben. 

Unmenschliche Kündigungen
haben Auswirkungen auf das Team

Solche Enttäuschungen haben nicht nur extern eine Auswirkung auf das eigene Image, sondern auch intern. Wie wird es wohl der verbleibenden Belegschaft gehen, wenn sie von diesem Verhalten des Arbeitgebers erfährt? Vertrauensbildend ist so etwas wohl kaum.  Wer als Teamkollege mitbekommt, dass mit einem scheidenden Kollegen unmenschlich umgesprungen wird, fragt sich irgendwann selbst:

  • Wann trifft es mich?
  • Ist die aktuell freundschaftliche Verbindung zum Arbeitgeber nur Heuchelei?
  • Wie wird er mit mir genauso umspringen, wenn es hart auf hart kommt?

Das ist im Prinzip das Anfang vom Ende. Ist die Vertrauensbasis erst einmal dahin, leidet zunächst die Motiviation, dann die Bindung und an diesem Punkt ist ein Arbeitsplatzwechsel enttäuschter Mitarbeiter nur noch eine Frage der Zeit.

Kündigungen menschlich aussprechen

Solche Enttäuschungen haben nicht nur extern eine Auswirkung auf das eigene Image, sondern auch intern. Wie wird es wohl der verbleibenden Belegschaft gehen, wenn sie von diesem Verhalten des Arbeitgebers erfährt? Vertrauensbildend ist so etwas wohl kaum.  Wer als Teamkollege mitbekommt, dass mit einem scheidenden Kollegen unmenschlich umgesprungen wird, fragt sich irgendwann selbst:

  • Wann trifft es mich?
  • Ist die aktuell freundschaftliche Verbindung zum Arbeitgeber nur Heuchelei?
  • Wie wird er mit mir genauso umspringen, wenn es hart auf hart kommt?

Das ist im Prinzip das Anfang vom Ende. Ist die Vertrauensbasis erst einmal dahin, leidet zunächst die Motiviation, dann die Bindung und an diesem Punkt ist ein Arbeitsplatzwechsel enttäuschter Mitarbeiter nur noch eine Frage der Zeit.

Die aktuell diskutierte Verdoppelung der Bezugsdauer des Kurzarbeitergelds ist begrüßenswert – keine Frage. Dieses hat sich in den letzten Wochen als Stabilisator der Wirtschaft erwiesen. So konnte eine große Zahl an Kündigungen verhindert werden. Nichtsdestotrotz sind die Arbeitsmarktzahlen, die die Bundesagentur für Arbeit Ende Juli vermeldete nicht gerade rosig. Gegenüber dem Vorjahr hat sich die Arbeitslosenzahl um 635.000 Personen erhöht.

Im Klartext wurden zig Menschen in den letzten Tagen, Wochen und Monaten mit einer betriebsbedingten Kündigung konfrontiert. Nicht immer geschah das mit dem nötigen Feingefühl. Das mag damit erklärbar sein, dass Unternehmen derzeit unter einem enormen Druck stehen. Dennoch sollte ihnen bei der Entlassung von Mitarbeitern nicht der Respekt abhanden kommen. Aus unserer Sicht ist das ein absolutes No Go. Letztlich müssen aber ohnehin die Unternehmen die Zeche für ihr Verhalten zahlen, denn sie schneiden sich damit vor allem ins eigene Fleisch.

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