Fehlerkultur: Hinfallen, aufstehen,
Krönchen richten, weitermachen

Errare humanum est – dass Irren menschlich ist, wussten schon die alten Römer. Doch in der Arbeitswelt kommt einem das manchmal anders vor. Da werden Fehler schnell zur Katastrophe hochstilisiert. Allerdings ist das in vielerlei Hinsicht der totale Quatsch. Denn Fehler sind nicht schlecht. Aus Fehlern lernt man. Die Kunst ist es jedoch, konstruktiv mit dem Scheitern umzugehen und das Beste daraus zu machen. Wir geben Tipps für eine angemessene Fehlerkultur.

 

Vanessa Kurz
Vanessa Kurz
Als B. A. Medienmanagement und M. Sc. International Marketing Management ist Vanessa Expertin in modernen Marketing-Strategien und Zielgruppenansprache.

Warum sind Fehler gut? Was ist eine Fehlerkultur?

Wenn ein Kind laufen lernt, setzt es mühsam einen Fuß vor den anderen und plumpst hin. Es steht wieder auf, läuft ein, zwei Schritte und plumpst hin. Es steht wieder auf und plumpst hin. Was würde passieren, wenn das Kind jeden Plumps auf den Po als Scheitern verstehen würde? Es würde resignieren und vermutlich nie laufen lernen. Ganz ähnlich ist es in Unternehmen, in denen Mitarbeiter nie Fehler machen dürfen, auch keine kleinen. Auch diese Betriebe kommen nicht voran.

Denn Innovation hat viel mit Fehler-Machen-Dürfen zu tun. Viele große Produkte sind erst nach tausenden von Fehlversuchen entstanden. Das lässt sich an den zig Patenten ablesen, die Unternehmen immer wieder anmelden, dann aber nie umsetzen. Sie alle stehen für eine Idee, aus der einmal etwas Großes hätte entstehen können, die aber wieder verworfen wurde. Andere Ideen haben es wiederum bis zur Produktreife geschafft und waren ein Markterfolg. Es hätte sie ohne die vielen Fehlversuche davor aber nie gegeben. Fehler von Mitarbeitern zuzulassen und aus ihnen zu lernen – das unterscheidet erfolgreiche Unternehmen von weniger erfolgreichen und macht eine gute Fehlerkultur aus.

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Was unterscheidet gute von schlechten Fehlern?

Diese Überlegungen dürfen aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass es auch Fehler gibt, die unbedingt vermieden werden müssen. Schädliche Handlungen etwa, wie der bewusste Betrug von Kunden oder das Hinterziehen von Geldern – so etwas ist natürlich aufs äußerste zu verurteilen. Hier kann keiner sagen: „Shit happens – und jetzt machen wir einfach weiter.“ 

Nein, bei einer guten Fehlerkultur geht es stattdessen um die vielen großen und kleinen Fehlentscheidungen und Fehltritte, die nicht unter Vorsatz und nicht mit krimineller Energie erfolgen, sondern, die schlicht und einfach jedem von uns passieren können und unseren Alltag begleiten.

Eine gute Fehlerkultur ist Einstellungssache

Aber selbst zu diesen haben viele Arbeitnehmer und Arbeitgeber nach wie vor eine denkbar schlechte Einstellung. Selbst kleinste Pannen werden negativ sanktioniert und geahndet – der Mitarbeiter bekommt direkt zu spüren, dass er Mist gebaut hat. Zwar sind die Zeiten vorbei, in denen Chefs ihre Kollegen ins Büro zitiert haben, um diese erstmal nach allen Regeln der Kunst rund zu machen.

Heute findet die „Bestrafung“ subtiler statt. Durch Nichtbeachtung zum Beispiel. Der Kollege ist dann einfach für eine Weile Luft. Dass das äußerst schmerzlich sein kann, weißt Du vielleicht noch aus Deiner Kindheit, als Deine Eltern Dich für Deine Fehltritte für ein paar Tage mit Liebesentzug belegt haben. Das ist im Grunde nichts anderes.

Hättest Du Dir damals nicht auch gewünscht, dass Dir Mama oder Papa auf die Schulter klopfen und sagen: „Ist mir auch schon passiert. Ich verstehe, dass Du Dich ärgerst – das geht vorbei. Künftig weißt Du, dass Du es anders machen solltest.“ Genauso geht es dem Mitarbeiter, der einen Irrweg eingeschlagen hat. Ihm wäre auch mit ein bisschen Zuspruch und ein paar Tipps, was er daraus lernen kann, mehr geholfen, als durch Missachtung.

Konstruktiver Umgang mit Fehlern

Eigentlich macht Missachtung ohnehin alles erst so richtig schlimm. Sie katapultiert den Mitarbeiter so richtig in sein Tief und der konstruktive Blick auf die Lösung des Problems bleibt versperrt. So entstehen unter Umständen noch mehr Fehler. Geht man die Sache hingegen konstruktiv und analytisch an, kann das grundlegende Problem, das zu einem Fehler geführt hat, erkannt und vielleicht sogar dauerhaft aus dem jeweiligen Workflow beseitigt werden. So gewinnt das ganze Unternehmen. Wer sagt denn, dass die Ursache eines Fehlers immer bei dem liegt, der ihn letztlich ausgelöst hat?

Jetzt kommt die Frage aller Fragen: Wie kommen Unternehmen genau dorthin? Wie lässt sich der Blick auf Fehler verändern? Wir haben da ein paar Tipps….

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#1 Das ganze Unternehmen muss mitziehen

Ein neuer Umgang mit Fehlern lässt sich einüben, dazu gibt es Trainings und Coachings. Sie verändern den Blick auf Fehler und den Umgang mit ihnen. Es hilft aber nichts, die neue Fehlerkultur nur in einem Team zu trainieren. Eine Fehlerkultur im Unternehmen muss von allen gelebt werden. Um den Stein ins Rollen zu bringen, können Führungskräfte für das Thema Fehlerkultur sensibilisiert werden und ihre Erkenntnisse dann an ihre Teams weitergeben. 

#2 Führe neue Formate ein

Es gibt verschiedene Formate, die dazu gedacht sind, dass Mitarbeiter aus den Fehlern anderer Mitarbeiter lernen. Das gibt wichtige Impulse für den Arbeitsalltag. Wie wäre es zum Beispiel mit internen Fuck-Up Meetings? Hier sprechen Arbeitnehmer auf lustige Weise über arbeitsbezogene Irrungen und Wirrungen und erklären, welche Schlussfolgerungen sie daraus gezogen haben. 

Das geht natürlich nur, wenn die Fehler nicht zu schmerzhaft waren. Wobei! Für ganz Hartgesottene gibt es auch so genannte FuckUp Nights, bei denen erfolgreiche Gründer erzählen, wie sie vor ihrem Erfolg erstmal ein ganzes Unternehmen an die Wand gefahren haben. Aus dieser Niederlage haben sie so viel gelernt, dass sie ein daraus die Zutaten für ein erfolgreiches Geschäftsmodell ableiten konnten. Aber Vorsicht: Das gelingt nicht immer. Nachahmen nicht empfohlen.

#3 Lasst den Fehlerpokal kreiseln

Manche Unternehmen lassen für die kleinen Fails im Alltag auch die so genannte Büro-Horst-Statue kreisen. Wer in einen Fettnapf getreten ist, stellt sich den Pokal auf seinen Tisch. Das ist meist mit Gaudi und Gelächter verbunden und entstigmatisiert den Fehler im besten Fall. Der Mitarbeiter, der den Pokal ein, zwei Tage auf dem Schreibtisch stehen hat, wird künftig alles daransetzen, ihn nicht wieder zu bekommen. Das funktioniert aber nur in Teams, die einen Sinn für diese Art Humor haben.

#4 Immer ein offenes Ohr für Mitarbeiter haben

So witzig all diese Formate auch sein mögen. Wichtig ist natürlich auch, dass Mitarbeiter in ihrem Dilemma nicht allein gelassen werden. Dazu sollte das Team und der Vorgesetzte immer ein offenes Ohr haben. Wichtig ist, dem Mitarbeiter zu signalisieren, dass alle gemeinsam an einem Strang ziehen und keiner auf dem Weg zur Lösung alleingelassen wird.

Fehlerkultur: Ein wichtiges Employer Brandning Instrument

Noch ein wichtiger Hinweis zum Schluss: Mit einer guten Fehlerkultur im Unternehmen hast Du übrigens nicht nur ein Instrument in der Hand, mit dem Du interne Prozesse verbessern kannst. Du verfügst damit auch über ein gewaltiges Employer Branding Tool. Intern und extern. Innerhalb einer guten Fehlerkultur wissen Mitarbeiter, dass ihr Arbeitgeber ohne Wenn und Aber zu ihnen steht, egal, was passiert. Das schafft eine immense Bindung und Zufriedenheit unter den Kollegen. Und natürlich profitiert die Stimmung im Büro, weil keiner je als Buhmann mit dem Rücken zur Wand steht. 

Eine gute Fehlerkultur ist somit auch ein gewaltiges Instrument für Dein externes Employer Branding gegenüber Kandidaten. Wer will nicht in einem Unternehmen arbeiten, in dem es sehr entspannt und locker zugeht? Nutze Deine Fehlerkultur also ruhig auch als Mehrwertinfo für Dein Recruiting. Spreche in Stellenanzeigen, auf Deiner Karriereseite und in den Sozialen Medien darüber. Die Kandidaten werden darauf fliegen. 

Bildquelle: www.pexels.de / Alex Green; www.pexels.com / fauxels

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