Candidate Journey: Nicht mehr linear, sondern kreuz und quer

In der Zeit, zu der Recruiter noch Print-Stellenanzeigen schalteten, war die Candidate Experience ziemlich kurz. Gefiel die Stellenanzeige, schrieb der Kandidat eine Bewerbung. Fertig. Heute hat sich das Employer Branding nicht nur ins Netz verlagert, auch das Informationsangebot ist größer geworden. Es gibt Online-Jobinserate, Karriereseiten, Arbeitgeberportale und Businessnetzwerke. Und zwischen all diesen Touchpoints mit potenziellen Arbeitgebern springen Kandidaten munter hin und her. Die Candidate Journey verläuft also nicht mehr schnurstracks geradeaus, sondern im Zickzack.
Was das für Dich als Recruiter bedeutet? Du musst an allen Touchpoints mit dem Bewerber gleichermaßen überzeugen, sonst hast Du verloren. Wir sagen Dir, wie’s geht

Vanessa Kurz
Vanessa Kurz
Als B. A. Medienmanagement und M. Sc. International Marketing Management ist Vanessa Expertin in modernen Marketing-Strategien und Zielgruppenansprache.

Was ist die Candidate Journey?

Unter der Candidate Journey versteht man die “Reise” eines Kandidaten durch den gesamten Bewerbungsprozess bei einem Unternehmen. Beginnen tut diese allerdings nicht erst mit der Bewerbung, sondern beispielsweise bereits mit der aller ersten Recherche.
Denn die Candidate Journey setzt sich aus vielen verschiedenen Touchpoints zusammen. Hierzu zählen alle Punkte, durch die ein Bewerber bei der Suche nach einem Job mit einem potenziellen Arbeitgeber in Kontakt kommt. Das können Online-Jobinserate, die KarriereseiteSocial Media-Postings oder die Unternehmensseite auf LinkedIn oder Xing sein. Die Candidate Journey fällt umso besser aus, wenn ein Unternehmen die Talente in allen Phasen ihrer Reise überzeugen kann. Dann ist die Wahrscheinlichkeit umso höher, dass der Klick auf den Bewerben-Button erfolgt.

Die Candidate Journey hat sich in den vergangenen Jahren massiv verändert. Ob positiv oder negativ sei dahingestellt. Schlicht, weil Unternehmen viel mehr Informationen an den verschiedensten Stellen im Netz über sich preisgeben. Und Bewerber, die auf Jobsuche sind, schauen sich alles sehr genau an.

Wie Du Kandidaten überzeugen kannst

Warum Bewerber diesen Aufwand betreiben und sich nicht gleich auf eine Stellenanzeige, die Ihnen gefällt, bewerben? Die Antwort ist simpel: Dafür gibt es einfach zu viele Angebote. Und um herauszufinden, welches das beste ist, recherchieren Talente sehr genau, welcher Arbeitgeber zu ihnen passt und welcher nicht. Sie wollen schließlich keine falsche Entscheidung treffen und diese später bereuen.

Du kennst dieses Verhalten wahrscheinlich aus einem anderen Bereich von Dir selbst. Im Online-Shopping stehst Du oft einem ähnlichen Überangebot gegenüber. Also schaust Du Dir verschiedene Produkte an, liest Bewertungen und recherchierst, wo Du am günstigsten zuschlagen kannst. Erst, wenn Du richtig überzeugt bist, klickst Du auf den „Kaufen-Button“. Kandidaten verhalten sich bei der Jobsuche inzwischen genauso.

Überzeugst Du auf der ein oder anderen Station auf der Candidate Journey weniger, ist die Gefahr, dass Talente das Interesse verlieren, groß. Leider passiert das häufiger, als Du vielleicht denkst. Laut einer Studie von softgarden haben mehr als sechs von zehn Kandidaten wegen einer miesen Candidate Experience im Recruiting schon einmal den Bewerbungsprozess abgebrochen. Wir sagen Dir, wie Du diesem Schicksal entgehst und potenzielle neue Mitarbeiter mit einer positiven Candidate Journey von Dir überzeugst.

glückliche Frau

#1 Erhöhe die Reichweite Deiner Anzeigen auf Google

Zunächst einmal solltest Du alles dafür tun, dass Dein Jobangebot überhaupt gefunden wird. Logisch! Allerdings nicht irgendwo, sondern am besten dort, wo die meisten Talente mit ihrer Jobsuche beginnen: Bei Google. Richtig gelesen! Kandidaten starten ihre Jobsuche immer häufiger bei Google, wie in der Studie Recruiting Trends 2019 schwarz auf weiß steht. Hier heißt es: 

„Suchmaschinen und insbesondere Google haben in den letzten Jahren im Rahmen der Rekrutierung an Bedeutung gewonnen. Suchmaschinen sind (…) unter den Top-3- Kanälen, die von Kandidaten genutzt werden, um nach Stellenanzeigen zu suchen.“

Umso wichtiger ist es, dass Deine Stellenanzeige alle Kriterien erfüllt, damit sie bei Google gut rankt und auch von den richtigen Kandidaten gefunden wird. Hierbei kommt der Suchmaschinenoptimierung eine besonders große Bedeutung zu. Alles hängt von den richtigen Keywords ab, mit denen Talente nach Deiner Stellenanzeige suchen könnten. Diese müssen in den Texten Deines Jobinserats und auch in dessen Source Code enthalten sein. Achte darauf wie ein Schießhund! 

Willst Du Deiner Stellenanzeige noch einmal einen besonderen Push verleihen, kannst Du sie innerhalb Google auch als bezahlte Ad schalten. Dann erscheint sie nicht irgendwo versteckt in der Suchergebnisliste, sondern noch innerhalb der ersten drei Treffer, die dem Suchenden ausgespielt werden. Der Vorteil: Du kannst die Zielgruppe, an die Google Deine Stellenanzeige ausspielt, genau festlegen. Das erhöht die Trefferquote enorm.

#2 Veröffentliche die perfekte Stellenanzeige

Nachdem Deine Stellenanzeige gefunden und vom passenden Talent angeklickt wurde, hängt nun alles davon ab, dass diese auch in puncto Design und Inhalt überzeugt. Das A und O: Achte darauf, dass Dein Jobinserat auch über mobile Endgeräte abrufbar ist. Das ist leider allzu oft nicht der Fall und bringt die Candidate Experience zu einem plötzlichen Ende. Bewerber springen immer häufiger entnervt ab, wenn sie die Stellenanzeige auf ihrem Handydisplay mühsam hin und herschieben müssen und letztendlich doch nicht alles lesen können. Kein responsives Design = das absolute No Go im Digitalzeitalter!

Wichtig ist auch, dass Deine Stellenanzeige informativ und abwechslungsreich gestaltet ist. Keiner will sich mehr durch Textwüsten oder ellenlange Bulletpointlisten quälen. Stattdessen transportieren eingebettete Fotos und Videos authentische Einblicke ins Unternehmen und informative Grafiken liefern Zusatzinformationen zu kurzweilig aufbereiteten Texten. So geht Stellenanzeigengestaltung heute.

#3 Die optimal gestaltete Karriereseite

Der nächste Step auf der Candidate Journey könnte die Karriereseite Deines Unternehmens sein. In dieser Phase gilt im Prinzip das Gleiche wie schon für die Stellenanzeige:

Das Besondere an der Karriereseite: Hier kannst Du Dein Unternehmen in vollem Umfang darstellen –  viel ausführlicher als in der Stellenanzeige. Nutze die Bühne, die die Karriereseite Dir bietet und berichte ausführlich über folgende Aspekte:

Das ist es, was Kandidaten laut der Studie Recruiting Trends 2018 am meisten interessiert. Der Schlüssel zu einem erfolgreichen Employer Branding und einem positivem Kontakt auf der Candidate Journey.

#4 Der perfekte Social Media Auftritt

Oft lassen Bewerber Ihre Eindrücke, die sie über den Job gesammelt haben, noch einmal sacken. Um aber den Arbeitgeber nicht aus dem Blick zu verlieren, folgen Sie meist dem Social Media-Auftritt des Unternehmens – auf Facebook, Instagram oder TikTok. In dieser vierten Phase der Candidate Journey hängt jetzt alles davon ab, das Talent weiterhin davon zu überzeugen, dass es sich lohnt, sich beim Unternehmen zu bewerben.

Wichtig ist hier:

Fazit: Mach Dein Unternehmen hübsch für Kandidaten

Wir haben gesehen, dass die Candidate Journey heute vollkommen anders verläuft, als noch vor ein paar Jahren. Kandidaten starten Sie meist auf Google. Manche haben ihren ersten Touchpoint mit Deinem Unternehmen aber auch auf Jobportalen, auf Deiner Karriereseite oder über die Sozialen Medien.

Ganz egal, wo ein Kandidat seine Reise durchs Netz startet: Wichtig ist, dass er bei jedem Touchpoint mit Deinem Unternehmen das Gefühl hat, voll und ganz die Informationen zu erhalten, nach denen er gesucht hat. Überlasse also nichts dem Zufall. An keinem möglichen Kontaktpunkt. Damit ist früher oder später der Klick auf den Bewerben-Button garantiert. Mission accomplished.

Bildquelle: www.pixabay.com / Lorri Lang;  www.youtube.com / Agentur junges Herz;  www.pexels.com / Andrea Piacquadio

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