Job Scamming Zwei Männer schütteln sich die Hände, einer hat ein Messer hinter dem Rücken.

Job Scamming: So schützt Du Dich und Deine Kandidat*innen

„100.000 € Jahresgehalt, komplett remote, keine Erfahrung nötig – Start morgen!“ Klingt nach dem Jackpot, oder? Vielleicht noch schnell bewerben, bevor der Traumjob weg ist. Nur komisch, dass das Unternehmen irgendwie schwer zu googeln ist und die Kontakt-Mail eher nach Zufallsgenerator aussieht. Willkommen in der Welt des Job Scamming. Was früher wie ein seltener Ausreißer wirkte, ist heute ein echtes Problem und betrifft längst nicht mehr nur Bewerbende, sondern auch Dich als Personaler*in – denn manchmal agieren Job Scammer im Namen echter Firmen.
Recruiting
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Definition: Was bedeutet Job Scamming?

Job Scamming ist eine Betrugsmasche, bei der Kriminelle gefälschte Stellenanzeigen oder vorgetäuschte Bewerbungsprozesse nutzen, um an persönliche Daten, Geld oder Identitäten zu kommen. Dabei wirken die Angebote oft überraschend attraktiv und täuschend echt, weshalb sie auf den ersten Blick kaum als Betrug auffallen.

Typische Maschen sind:

  • Gefälschte Stellenanzeigen: Kriminelle kopieren echte Unternehmen oder erfinden attraktive Jobs, um Bewerbende in die Falle zu locken.

  • Zu frühe Datennachfrage: Schon im Bewerbungsprozess werden Ausweis-, Bank- oder andere sensible Daten abgefragt.

  • Video-Ident- und Konto-Fallen: Opfer sollen angeblich zur Identitätsprüfung ein Konto eröffnen oder ein Verfahren durchlaufen.

  • Druck, Geld oder Gebühren: Es wird eine Bearbeitungsgebühr, ein Kurs oder „Startkapital“ verlangt – ein klares Warnsignal. 

Wieso HR im Fokus steht

Klar, dass bei Job Scamming natürlich vorranging HR im Vordergrund steht. Personalabteilungen sind die natürliche Schnittstelle zwischen Unternehmen und Bewerbenden. Genau das macht sie zum idealen Einfallstor für Betrüger*innen. In keiner anderen Abteilung gehört der Austausch sensibler Daten und der Aufbau von schnellem Vertrauen so sehr zum Tagesgeschäft wie im Recruiting. Scammer nutzen diesen vertraulichen Rahmen aus, um professionelle Bewerbungsprozesse täuschend echt zu imitieren. Das macht es leichter, Menschen dazu zu bringen, Dokumente zu schicken, persönliche Informationen preiszugeben oder sogar Geld zu überweisen. Für Kriminelle ein lukratives Geschäft.

Was sind die beliebtesten Tricks der Scammer?

So groß die Bandbreite möglicher Betrügereien auch ist: Job Scammer arbeiten häufig mit denselben Tricks. Sie setzen auf Methoden, die seriös wirken und bei Talenten selten sofort Misstrauen auslösen. Oft nutzen sie den Druck von Bewerber*innen, schnell auf ein gutes Jobangebot reagieren zu wollen und kombinieren mehrere Maschen miteinander.

#1 Fake-Stellenanzeigen

Scammer veröffentlichen Stellenanzeigen, die auf den ersten Blick absolut seriös wirken. Oft kopieren sie echte Jobanzeigen, verändern nur kleine Details oder erfinden gleich komplette Positionen. Ziel ist es, Bewerber*innen anzulocken und sie dazu zu bringen, persönliche Daten preiszugeben oder auf dubiose Links zu klicken. Das perfide dabei: Die Anzeigen wirken echt und versprechen besonders attraktive Bedingungen – z. B. ein hohes Gehalt, flexibelste Arbeitszeiten oder einen absurd unkomplizierten Bewerbungsprozess. Und genau diese Kombination ist es, Interessierte dazu zu bringen, vorschnell zu reagieren.

#2 Identitätsdiebstahl

Besonders dreist wird es, wenn Betrüger echte Firmennamen, Logos oder sogar Namen von Mitarbeitenden missbrauchen. So entsteht der Eindruck, dass die Anfrage von einem bekannten und vertrauenswürdigen Unternehmen kommt. Genau das macht diese Masche so gefährlich: Sie nutzt den guten Ruf echter Arbeitgeber aus. Für Bewerberinnen und Bewerber sieht die Kommunikation dadurch oft täuschend echt aus. Der Eindruck, mit einem bekannten Unternehmen in Kontakt zu stehen, senkt die Hemmschwelle, persönliche Daten weiterzugeben.

Sollte Deinem Unternehmen so etwas passieren, bring es unbedingt zur Anzeige . Den „einen“ Paragraphen gibt es hier allerdings nicht. Identitätsdiebstahl wird aber über ähnliche Tatbestände geahndet: 

#3 Vorschussbetrug

Ein besonders typisches Warnsignal ist die Aufforderung, vorab Geld zu überweisen. Dabei verlangen Täter angebliche Gebühren für Bewerbungsverfahren, Schulungen, Arbeitsmaterialien, Background-Checks oder technische Ausstattung. Manchmal wird das sehr charmant verpackt, etwa als „kleine Bearbeitungspauschale“ oder „Startkosten“.  Seriöse Arbeitgeber fordern im regulären Recruiting-Prozess jedoch keine Vorauszahlungen von Bewerbenden (Solltet Ihr so etwas tatsächlich vorhaben: Lasst es lieber!).

#4 Phishing

Ja, Phishing gibt es auch im Recruiting-Kontext. Unter dem Vorwand eines laufenden Bewerbungsverfahrens versuchen Kriminelle, sensible Informationen abzugreifen. Dazu gehören etwa Ausweisdaten, Bankverbindungen, Zugangsdaten oder weitere persönliche Angaben. Häufig geschieht das über gefälschte Formulare, Links zu vermeintlichen Bewerbungsportalen oder E-Mails, die echten Unternehmensnachrichten stark ähneln.

#5 Zeitdruck

Viele Scammer setzen bewusst auf Stress. Aussagen wie „Bitte heute noch bestätigen“ oder „Das Angebot gilt nur für 2 Stunden“ sollen verhindern, dass man genauer hinschaut. Wer unter Druck steht, prüft seltener, ob ein Angebot wirklich echt ist.

Warum Job Scamming für Dein Unternehmen gefährlich ist

Job Scamming trifft nicht nur Bewerber*innen, sondern kann auch für Dich erhebliche Konsequenzen nach sich ziehen. Und nicht die von der guten Seite: Es kann schnell ein Schaden entstehen, der weit über einen einzelnen „Vorfall“ hinausgeht.

#1 Reputationsschaden

Wird der Name Deines Unternehmens für gefälschte Stellenanzeigen oder betrügerische Kontaktaufnahmen genutzt, fällt der Verdacht zunächst oft auf die Marke selbst. Selbst wenn Dein Unternehmen nicht direkt verantwortlich ist, kann schon der Eindruck mangelnder Kontrolle Dein Arbeitgeberimage beschädigen. Gerade in einem so sensiblen Bereich wie im Recruiting wirkt sich das schnell negativ auf Deine Außenwahrnehmung aus. Das kann potenzielle Bewerber*innen abschrecken.  

#2 Vertrauensverlust

Kandidat*innen erwarten einen sicheren, transparenten und professionellen Bewerbungsprozess. Wenn sie im Namen Deines Unternehmens mit Betrugsversuchen konfrontiert werden, leidet das Vertrauen in Deine Kommunikation und in Deine Arbeitgebermarke. Im schlimmsten Fall springen qualifizierte Bewerber*innen im echten Bewerbungsprozess ab, weil sie nicht mehr sicher einschätzen können, welche Kontakte echt sind.

#3 Rechtliche und finanzielle Risiken

Job Scamming kann auch rechtliche und wirtschaftliche Folgen nach sich ziehen. Dazu gehören etwa ein interner Prüfaufwand, zusätzliche Kommunikationsmaßnahmen, mögliche Datenschutzfragen oder Kosten durch Krisenmanagement und Schadensbegrenzung. Je nach Fall kann außerdem wertvolle Zeit im Recruiting verloren gehen, weil Du auf Vorfälle reagieren musst, anstatt Dich auf die eigentliche Personalarbeit konzentrieren zu können.

#4 Mehr Aufwand

Wenn Fake-Anzeigen oder betrügerische Nachrichten im Namen Deines Unternehmens kursieren, muss Dein Team viele Rückfragen beantworten, Vorfälle prüfen und Bewerber*innen beruhigen. Das kostet Zeit, bindet Ressourcen und verlangsamt sämtliche Prozesse. Dazu kommt noch eine interne Verunsicherung. Klar, diese Vorfälle beschäftigen nicht nur die Personalabteilung, sondern auch die IT, Rechtsabteilung und Unternehmenskommunikation.

Was Du Bewerber*innen aktiv mitgeben solltest

Dein Unternehmen ist Opfer von Job Scamming geworden? Hier ein paar Tipps, um wieder Vertrauen bei Talenten aufzubauen: Wenn Du Bewerberinnen und Bewerbern aktiv Orientierung gibst, leistest Du einen wichtigen Beitrag zur Prävention. Klare Hinweise schaffen Sicherheit, stärken das Vertrauen in Dein Unternehmen und helfen dabei, Betrugsversuche frühzeitig zu erkennen. Das hier kannst Du tun:

#1 Tipps zur Erkennung von Scams

Gib konkrete Anhaltspunkte, worauf sie achten sollten. Dazu zählen zum Beispiel unrealistisch hohe Gehaltsversprechen, auffallend schnelle Jobzusagen, unprofessionelle Kommunikation, Druck zur sofortigen Reaktion oder die Aufforderung, persönliche Daten und Zahlungsinformationen frühzeitig preiszugeben. Je besser Talente typische Warnsignale kennen, desto leichter können sie verdächtige Angebote einordnen.

#2 Hinweis auf offizielle Kanäle

Mach klar, über welche Kanäle Dein Unternehmen tatsächlich kommuniziert. Verweise auf Deine Karriereseite, offizielle Recruiting-Profile und E-Mail-Adressen mit echter Unternehmensdomain. Gleichzeitig solltest Du deutlich sagen, dass Nachrichten über inoffizielle Accounts, private Messenger-Dienste oder abweichende E-Mail-Adressen kritisch geprüft werden sollten. So gibst Du eine einfache Orientierung, woran Bewerber*innen seriöse Kommunikation erkennen können.

#3 Transparenz im Bewerbungsprozess

Erkläre offen, wie ein regulärer Bewerbungsprozess in Deinem Unternehmen aussieht. Welche Schritte gibt es? Wer meldet sich wann zurück? Welche Unterlagen werden benötigt? Und ganz wichtig: Weise ausdrücklich darauf hin, dass im Bewerbungsprozess keine Gebühren, Vorauszahlungen oder sensiblen Bankdaten verlangt werden. Diese Transparenz hilft, Auffälligkeiten schneller zu bemerken.

#4 Ermutigung zur Rückfrage

Vermittle den Kandidat*innen, dass sie sich bei Unsicherheiten jederzeit direkt an Dein Unternehmen wenden können. Eine klar benannte Kontaktstelle im Recruiting schafft zusätzlich Vertrauen und senkt die Hemmschwelle, verdächtige Nachrichten oder Stellenanzeigen prüfen zu lassen.

#5 Sichtbare Sicherheits-Hinweise

Platziere entsprechende Hinweise nicht nur im persönlichen Austausch, sondern auch gut sichtbar auf Deiner Karriereseite oder in Stellenanzeigen. So erreichst Du alle frühzeitig und machst deutlich, dass Dein Unternehmen das Thema ernst nimmt.

Also: Je klarer, transparenter und zugänglicher Deine Kommunikation ist, desto schwerer haben es Scammer, sich glaubwürdig als Teil Deines Unternehmens auszugeben. 

Wie Du dem Job Scamming entgegenwirken kannst

Zu 100 Prozent kannst Du Dich leider nicht dagegen absichern, dass jemand Deinen Unternehmensnamen oder Dein Logo verwendet – allerdings haben wir ein paar Tipps für Dich, wie Du Dich bestmöglich schützen und seriös präsentieren kannst – so hebst Du Dich positiv von Job Scamming ab. Wenn unter Talenten bekannt ist, dass Du im Bewerbungsprozess höchsten Wert auf Sorgfalt legst, fallen diese nicht so schnell auf Fake-Mails herein. Unterschätze diesen Effekt nicht!

#1 Seriöse E-Mail-Adresse

Und damit meinen wir, dass nach dem @-Zeichen Dein Unternehmensname folgt. Wer nicht gerade ein Start-Up gegründet hat (da könnte man das noch „verzeihen“), sollte auf jeden Fall mehrere E-Mail-Adressen am Start haben. Beispielsweise eine „bewerbung@“, eine „mail@“ usw. Auch wenn Gmail-Adressen kostenfrei sind – lass auf jeden Fall die Finger davon!

#2 Individuelle Ansprache

Trudeln Nachfragen zur Stelle oder im besten Fall zu Bewerbungen ein, solltest Du auf eine individuelle Ansprache achten. Vorgefertigte Textbausteine sind zwar praktisch, aber hölzern und klingen eher nach einem Bot. Gehe bestmöglich auf die Talente ein – das gilt übrigens auch für Dein Active Sourcing!

#3 Authentische Bilder

Verwende auf Social Media, in Deinen Stellenanzeigen und auf Deiner Karriere-Website unbedingt Bilder mit echten Mitarbeiter*innen und keine Stockfotos. Das können  Fotos aus dem Büro sein (wenn du Mitarbeitende im Backoffice suchst) oder Mitarbeitende an den Produktionsmaschinen. Und so weiter und so fort. Ach, und authentisches Videomaterial ist auch nicht das schlechteste.   

#4 Verlinkung auf Deine Karriereseite

Hast Du eine Karriereseite, verlinke diese unbedingt! Das macht einen seriösen Eindruck und leitet interessierte Talente direkt auf Deinen Unternehmensauftritt, ohne dass sie Google bemühen müssen.

#5 Gut aufgebaute Stellenanzeige

Und zu guter Letzt: Das Herzstück Deines Recruitings. Eine perfekte Stellenanzeige ist unerlässlich, um Deine offene Stelle schnellstmöglich zu besetzen. Vollkommen egal, ob Du Deine Anzeige bei einer Stellenbörse schaltest oder via Social-Media-Ad bewirbst und Talente direkt auf Deine Karriereseite lockst.

Achte unbedingt auf folgende Punkte:

  • Stellenanzeige in Deiner Corporate Identity
    Passend zu den Bildern in Deinen Stellenanzeigen sollte diese in Deiner Corporate Identity (CI) gestaltet sein. Das bedeutet nicht nur, dass Du im besten Falle Deine Unternehmensfarben, -schriften und Euer Logo in dem Layout benutzt, sondern auch den Spirit Deines Unternehmens transportierst. Ihr duzt Euch und habt einen lockeren Umgangston? Dann schreib Deine Stellenanzeige entsprechend! Damit bekommen Talente ein authentisches Bild von Euch.

  • Unternehmensbeschreibung
    Der Unternehmenstext sollte in wenigen Sätzen zusammenfassen, für was die Firma steht und was sie besonders macht. Bringe es in wenigen Sätzen auf den Punkt und verzichte auf zu viele Details und Wischi-Waschi-Angaben. Am besten stellst Du Dir hierfür vier Fragen: Was ist das Kerngeschäft? Warum seid Ihr in dieser Branche tätig? Welches Ziel verfolgt Ihr? Wie fühlt es sich an, bei Dir angestellt zu sein?

  • Stellentitel
    Das Erste, was potenzielle neue Mitarbeitende von Deiner Anzeige sehen, ist der Stellentitel. Klingt logisch, schließlich suchen sie auch danach. Da die angezeigte Zeichenanzahl je nach Endgerät begrenzt ist, solltest Du Dich auf maximal 60, besser noch 40 Zeichen beschränken. Schreib das Wichtigste als erstes hin (also die Jobbezeichnung) und ergänzende weitere Infos. Das kann beispielsweise der Fachbereich oder ein Schichtmodell sein. Wichtig: Denk an den Zusatz „(m/w/d)“!

  • Aufgabenprofil
    Das Aufgabenprofil ist eines der wichtigsten Elemente, schließlich beschreibt es den Arbeitsalltag. Ideal sind fünf bis acht Bullet Points, in denen Du konkret beschreibst, was potenzielle neue Mitarbeitende bei Dir erwartet: Was ist zu tun? Was unterscheidet die Position bei Euch von anderen Unternehmen? Welchen Zweck erfüllt die Tätigkeit?  

  • Qualifikationsprofil
    Ähnlich wie beim Aufgabenprofil solltest Du Dich auch hier kurzfassen, die Faustregel lautet auch hier fünf bis acht Aufzählungspunkte. Das Wichtigste kommt wieder zuerst, dann folgen weitere Punkte: Ausbildung, praktische Berufserfahrung, spezifische Kenntnisse, Soft Skills.

  • Benefits
    Bei den Benefits kannst Du richtig glänzen, schließlich möchtest Du die Leute überzeugen, sich bei Dir zu bewerben. Wichtig: Bitte nur das reinschreiben, was Du auch wirklich anbietest! Keine zukünftigen (oder noch schlimmer – nur angedachten) Benefits. Das macht Dich unglaubwürdig.

  • Abbinder und Call-to-Action
    Im Abbinder, also dem Schlusssatz, solltest Du eine Ansprechperson mit Kontaktdaten nennen. Wenn Du Online-Bewerbungen bevorzugst, kannst Du natürlich auf Dein Bewerbungsformular verlinken – aber du solltest in jedem Fall ein bis zwei Personen namentlich angeben, die für den Bewerbungseingang zuständig sind. Am besten noch mit (persönlichen) E-Mail-Adressen und Telefonnummern. Das zeigt Talenten: „Aha! Da ist nicht nur ein Link, ich kann mich auch an jemanden persönlich wenden!“

  • Keine Fehler
    Zuallererst: Fehler sind menschlich und passieren. Man kann seinen Text noch so oft durchgelesen haben und es stimmt am Ende doch etwas nicht. Lass Deinen Text von einer Kollegin oder einem Kollegen gegenchecken. Am besten mehrfach. Wenn Dein Content vor Interpunktions-, Rechtschreib- und Grammatikfehlern nur so strotzt, klingt das eher nach einem Translator-Fail – und nicht nach einer realen Person, die dahintersteht. 

Job Scam: Was tun, wenn man einen entdeckt?

Wenn Du feststellst, dass Betrüger den Namen Deines Unternehmens missbrauchen oder gefälschte Stellenanzeigen in Umlauf sind, ist schnelles, aber strukturiertes Handeln entscheidend. Je früher Du reagierst, desto besser lässt sich der Schaden begrenzen und desto eher kannst Du Bewerber*innen, Mitarbeitende und die eigene Marke schützen.

#1 Sofortmaßnahmen einleiten

Sobald ein Verdachtsfall bekannt wird, solltest Du alle verfügbaren Informationen sichern. Dazu gehören Screenshots, Links, E-Mail-Adressen, Telefonnummern oder Profile, über die der Scam verbreitet wurde. Melde gefälschte Anzeigen direkt bei Jobbörsen, Plattformen oder sozialen Netzwerken und lass betrügerische Inhalte möglichst schnell entfernen. Je nach Schwere des Falls kann es außerdem sinnvoll sein, Anzeige zu erstatten und die zuständigen Behörden einzubeziehen.

#2 Interne Kommunikation abstimmen

Informiere frühzeitig alle relevanten Stellen im Unternehmen, damit koordiniert reagiert werden kann. Dazu zählen je nach Aufbau vor allem HR, Unternehmenskommunikation, IT, Datenschutz und gegebenenfalls das Management. Wichtig ist, dass intern schnell klar ist, wer den Fall bearbeitet, wer externe Anfragen beantwortet und welche Aussagen gegenüber Bewerber*innen und der Öffentlichkeit gemacht werden.

#3 Kandidat*innen und Öffentlichkeit informieren

Wenn der Scam bereits sichtbar kursiert oder sich jemand gemeldet hat, solltest Du transparent kommunizieren. Ein Hinweis auf der Karriereseite, in sozialen Netzwerken oder auf offiziellen Recruiting-Profilen kann helfen, weitere Betroffene zu warnen. Gleichzeitig zeigst Du damit, dass Dein Unternehmen aktiv reagiert und Verantwortung übernimmt.

#4 Schaden begrenzen

Prüfe, welche Auswirkungen der Vorfall bereits hatte und wo akuter Handlungsbedarf besteht. Wurden Unternehmensname, Logos oder Identitäten von Mitarbeitenden missbraucht, sollten betroffene Inhalte dokumentiert und mögliche Folgefälle beobachtet werden. Falls sensible Daten betroffen sein könnten, ist eine enge Abstimmung mit IT und Datenschutz besonders wichtig. Ziel ist es, weitere Täuschungen zu verhindern und das Vertrauen schnell wiederherzustellen.

#5 Aus dem Vorfall lernen

Nach der akuten Reaktion sollte der Fall intern ausgewertet werden. Welche Schwachstellen wurden ausgenutzt? Wo braucht es klarere Prozesse, bessere Hinweise für Talente oder stärkere Sicherheitsmaßnahmen? Ein Scam-Vorfall ist immer auch ein Anlass, Prävention und Kommunikation weiter zu verbessern.

Auch wenn es schlussendlich Mist ist: Ein entdeckter Scam ist nicht nur ein akutes Problem, sondern auch ein Reaktionstest für Dein Unternehmen.

Fazit: Wachsamkeit ist gut, Panik ist unnötig

Ja, Job Scamming ist ein ernstes Thema. Aber kein Grund, hinter jeder ungewöhnlichen Interaktion gleich einen Cyberkriminellen im dunklen Kämmerlein zu vermuten. Entscheidend ist, wachsam zu bleiben, typische Warnsignale zu kennen und im Recruiting auf klare, nachvollziehbare Prozesse zu setzen.

Denn je transparenter die Kommunikation und je eindeutiger die offiziellen Abläufe sind, desto schwerer haben es Betrüger, sich dazwischenzuschieben. Mit gesundem Menschenverstand, einem aufmerksamen Blick und ein paar klaren Sicherheitsregeln bist Du bereits sehr gut aufgestellt. Oder anders: Keine Paranoia nötig – aber ein gesundes Maß an Skepsis schadet definitiv nicht.

FAQ

Sind Fake-Stellenanzeigen ein häufiges Problem?
Fake-Stellenanzeigen gehören zu den häufigsten Methoden beim Job Scamming. Betrüger veröffentlichen gefälschte Jobangebote auf Jobbörsen, in sozialen Netzwerken oder auf nachgebauten Karriereportalen. Diese Stellenanzeigen wirken oft seriös, nutzen echte Firmennamen und locken mit attraktiven Konditionen. Gerade deshalb ist es wichtig, Jobangebote immer über offizielle Unternehmenskanäle zu prüfen.

Warum ist Job Scamming auch für Unternehmen gefährlich?
Job Scamming schadet nicht nur Kandidat*innen, sondern auch Unternehmen selbst. Wenn Kriminelle den Namen einer Firma für Recruiting-Betrug missbrauchen, kann das zu Reputationsschäden, Vertrauensverlust bei Bewerber*innen und zusätzlichem Aufwand im HR-Team führen. Für Personaler*innen ist Job Scamming deshalb auch ein Risiko für Employer Branding, Candidate Experience und Unternehmenskommunikation.

Wie können Personaler Bewerber vor Job-Scams schützen?
Unternehmen können viel tun, um Bewerber vor Job-Scamming zu schützen. Wichtig sind klare Hinweise auf offizielle Recruiting-Kanäle, Transparenz im Bewerbungsprozess und sichtbare Warnungen vor Fake-Recruiting. Wer offen kommuniziert, wie echte Bewerbungsabläufe aussehen und dass keine Gebühren verlangt werden, hilft Kandidaten dabei, Betrug im Bewerbungsprozess schneller zu erkennen.

Welche Rolle spielt KI beim Job Scamming?
Künstliche Intelligenz macht Job Scamming für Täter einfacher und „professioneller“. Mit KI können sie glaubwürdige Nachrichten, gefälschte Stellenanzeigen und täuschend echte Recruiting-Kommunikation in kurzer Zeit erstellen. Dadurch wird es schwieriger, einen Job Scam auf den ersten Blick zu erkennen. Umso wichtiger sind klare Prozesse und ein geschulter Blick für Warnsignale.

Was sollten Kandidat*innen tun, wenn sie einen Job-Scam vermuten?
Wer einen Job-Scam vermutet, sollte keine sensiblen Daten weitergeben und keine Zahlungen leisten. Stattdessen sollte die Nachricht, Stellenanzeige oder E-Mail über die offiziellen Kanäle des Unternehmens überprüft werden. Sinnvoll ist außerdem, Screenshots und Links zu sichern und den Vorfall der betroffenen Plattform oder dem Unternehmen zu melden.

Was tun, wenn das eigene Unternehmen für Recruiting-Betrug missbraucht wird?
Wenn Dein Unternehmen von Job-Scamming betroffen ist, solltest Du schnell handeln. Sichere alle relevanten Informationen, melde Fake-Anzeigen oder gefälschte Profile und informiere intern die zuständigen Stellen in HR, IT, Legal oder Kommunikation. Zusätzlich kann ein öffentlicher Hinweis auf der Karriereseite helfen, Bewerber zu warnen und den Schaden zu begrenzen.

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Vanessa Kammler

Vanessa Kammler studierte Germanistik und Journalistik. Seit vielen Jahren schreibt sie als Content Expertin über Trends, Strategien und praktische Tipps, die Arbeitgeber im Wettbewerb um Talente unterstützen. Ihre Schwerpunkte sind unter anderem Employer Branding und Personalgewinnung. Dabei verbindet sie ihre langjährige redaktionelle Erfahrung gern mit Erkenntnissen aus wissenschaftlichen Studien. Seit einiger Zeit beschäftigt sie sich außerdem intensiv mit den Möglichkeiten von Künstlicher Intelligenz und ihrer Bedeutung für Recruiting, Kommunikation und Arbeitswelt.

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