Beziehungsarbeit statt Stellenanzeigen schalten: So geht Recruiting 4.0

Die Stellenanzeige ist tot! Jedenfalls, die Art von Jobanzeige, die sich im Recruiting seit Jahrzehnten hält. Die Rede ist von langweiligen Jobinseraten mit nichtssagenden Texten, austauschbaren Floskeln und lieblos aneinander gereihten Bulletpoints. Wir sagen Dir, wie’s besser geht und warum im modernen Recruiting nichts mehr ohne Digitalisierung und Beziehungsarbeit funktioniert. Mit Beherzigung ein paar einfacher Schritte erreichst du im Handumdrehen Dein Ziel.

Vanessa Kurz
Vanessa Kurz
Als B. A. Medienmanagement und M. Sc. International Marketing Management ist Vanessa Expertin in modernen Marketing-Strategien und Zielgruppenansprache.

Flaute am Bewerbungseingang? Überprüfe mal Deine Stellenanzeigen!

Es ist zum Haare raufen! Da schaltest Du eine Stellenanzeige nach der anderen und nichts passiert. In Deinem Postfach herrscht hinsichtlich Bewerbungseingang seit Wochen die totale Flaute. Oje! Wir ahnen schon, was da schiefläuft. 

Sieht ein Bewerber zum Beispiel das, wenn er auf Deine online Stellenanzeigen klickt?

Gestalte Deine Stellenanzeigen abwechslungsreich

Sorry, aber mit so einer “Strategie” kann es nicht funktionieren. Denn das alles wirkt eher lieblos, standardmäßig und desinteressiert. Der Trend im HR sieht ganz anders aus. Was Deine Jobinserate grundsätzlich brauchen:

Streue Deine Stellenanzeigen intelligent im Netz

So! Nach diesen Erste-Hilfe-Maßnahmen für Deine Stellenanzeige sollte es bald besser in Deinem Recruiting aussehen. Aber wir wollen Dir nichts vormachen: Selbst mit einem top gestalteten Jobinserat wirst Du künftig nicht mehr die Zahl an Bewerbungen erhalten wie früher. 

Denn der Fachkräftemangel macht es Unternehmen zunehmend schwerer, neue Mitarbeiter anzuheuern. Es gibt kaum mehr frei verfügbare Kandidaten auf dem Markt, die von sich aus auf Jobsuche gehen. Im ersten Quartal 2021 hatte ein Fünftel (20,6 Prozent) der Arbeitgeber daher massive Probleme, offene Stellen an den Mann oder die Frau zu bringen. Das sagen jedenfalls die Zahlen aus dem  KfW-ifo-Fachkräftebarometer

Weg von den Stellenanzeigen: 
Stelle Dein Recruiting neu auf!

Perspektivisch wird sich dieser War for Talents weiter zuspitzen – das weißt du ja selbst. Du wirst also mit Deinen Stellenanzeigen mit einer immer größeren Masse an Arbeitgebern um die besten Talente konkurrieren müssen. 

Besonders heiß begehrt auf dem Arbeitsmarkt wird die Generation Z sein. Wenn sich die alternde Babyboomer-Generation in den nächsten Jahren in den Ruhestand verabschiedet, soll sie die Lücken auf dem Arbeitsmarkt schließen. Doch während es von den Boomern extrem viele gibt, gibt es von den so genannten Zoomern ziemlich wenige. Umso mehr werden sich Unternehmen künftig um potentielle Bewerber duellieren. 

Beziehungsarbeit statt Stellenanzeigen

War for Talents: So gewinnst Du ihn

Du kannst diesen Kampf um Talente im Prinzip nur gewinnen, indem Du Deine Recruiting-Strategie um neue Facetten ergänzt und ein erfolgreiches Active Sourcing betreibst. Zum Beispiel solltest Du alles daran setzen, die GenZ an Dein Unternehmen zu binden, bevor sich andere Arbeitgeber um sie reißen. 

Bedenke, dass die meisten Vertreter der Generation Z derzeit noch die Schul- oder Unibank drücken. Das geht also! Unser Tipp: Knüpfe so früh wie möglich Kontakt zu jungen Talenten. Die richtige Kommunikation ist das A und O. Biete ihnen zum Beispiel Praktika, eine freie Mitarbeit oder Werkstudentenstellen an. So lernen sie Dein Unternehmen schon früh kennen und eine erste Bindung entsteht. Außerdem bietet Social Media eine ideale Möglichkeit, um mit den Bewerbern in Kontakt zu treten.

Ja, ja, ja, das machen andere Personaler auch – wissen wir. Aber jetzt kommt der entscheidende Punkt, an dem Du den Unterschied machen kannst: Wichtig ist, dass die aufgebaute Begeisterung nicht wieder abflaut. Und genau hier verschenken viele Unternehmen immer wieder wertvolle Potenziale. Sie lassen Praktikanten oder Werkstudenten einfach wieder ziehen, sobald der Job beendet ist. Chance vertan! Viel besser ist es, wenn die Fachabteilung den Kontakt zu dem Talent konsequent hält. Dann kommt es gar nicht auf die Idee, andere Arbeitgeber kennenlernen zu wollen.

Nutze die Macht künstlicher Intelligenz
für Dein Recruiting

Dazu gibt es zum Beispiel Networking-Apps, über die sich Deine Kollegen gezielt mit Talenten vernetzen können. Über ein solches digitales Netzwerk können Deine Kollegen die bereits bestehende Verbindung intensivierenZum Beispiel können deine Kollegen per Chat fachliche Fragen eines Talents beantworten. Es können auch immer mal wieder Einladungen zu spannenden WorkshopsVorträgen oder Events ausgesprochen werden. 

So lernt man sich zunehmend besser kennen und es finden sich immer wieder Anknüpfungspunkte für eine weitere ZusammenarbeitVielleicht schreibt ein besonders vielversprechender Kandidat ja eines Tages seine Bachelor-Arbeit in Deinem Unternehmen, während zu einem anderen eine langfristige Mentoring-Beziehung entsteht. In wieder anderen Fällen kommt es immer mal wieder zu einer temporären Zusammenarbeit in Projekten. 

Vergiss das Anschreiben...

Übrigens: Über die besagten Networking-Apps, können nicht nur bestehende Verbindungen gepflegt werden, sondern auch ganz leicht neue entstehen. Das funktioniert wie auf den einschlägigen Dating-Portalen. Ein Matching-Algorihthmus gleicht ab, wie gut ein Talent zu einem Unternehmen passt und umgekehrt. Bei einem hohen Übereinstimmungsgrad können Arbeitgeber und Bewerber entscheiden, ob sie sich kennenlernen möchten. Haben beide Interesse, wird der Kontakt hergestellt. Kontakte können natürlich auch über ein Businessnetzwerk, wie z.B. XING, geknüpft werden – aber eine App mit dem Wisch&Weg-Prinzip ist für die junge Generation halt hipper. Und wer aus der GenZ ist bitteschön auf LinkedIn zu finden? 

Für Dich als Recruiter ist das Kontaktnetzwerk Deiner Fachabteilung auf jeden Fall Gold wert. Wenn Du eines Tages eine Stelle ausschreibst, musst Du Dich nur an die Kollegen wenden. Sie können Dir genau sagen, welches Talent aus dem eigenen Talent Pool perfekt geeignet ist, sodass du direkt mit ihm in Kontakt treten kannst. Meist geht es dann ganz schnell mit der Stellenbesetzung. 

Wobei! Da wäre noch was. Gestalte das Bewerbungsverfahren bitte möglichst einfach und informell. Ringe dem Talent zum Beispiel kein Anschreiben ab, das ohnehin meist aus zusammengeklaubten Textpassagen aus dem Netz besteht und somit wenig aussagekräftig ist. Das sorgt nur für Aufwand und ist ein echter Begeisterungskiller und ist auch für Dich nicht wirklich hilfreich. Das zerstört, was Deine Kollegen mühevoll aufgebaut haben. 

Fazit: Recruiting ist Beziehungsarbeit

Unser Fazit: Recruiting wird künftig um das Element der Beziehungsarbeit mit Talenten ergänzt. Im Recruiting 4.0 wird alles darum gehen, vielversprechende Bewerber so früh wie möglich zu erkennen und zu binden. Dieser Faktor ist gerade bei der Generation Z immens wichtig. Denn die Zoomer gelten als extrem wertorientiert. Nachhaltigkeit, Work-Life-Balance und einen Sinn in der Arbeit zu finden, steht für sie meist an erster Stelle.

Hierbei verlassen sie sich selten auf das, was in Recruiting-Kampagnen zu lesen ist. Sie wollen stattdessen in der Praxis ausloten, wie gut ein Arbeitgeber zu den eigenen Vorstellungen passt. Zur Not nutzen Sie dazu die Probezeit und springen wieder ab, wenn ihre Erwartungen in einem Job nicht erfüllt werden. 

Wenn Dein Unternehmen aber frühzeitig Beziehungen zu den richtigen Talenten aufbaut, entgehst Du dieser Gefahr, weil beide Seiten längst wissen, was sie aneinander haben. Zugegeben, das Ganze verlangt ein bisschen Vorarbeit und das Commitment der Fachabteilung ab. Aber es legt die Basis für langfristige Arbeitsbeziehungen.

Moment mal! Du bist ja immer noch hier… solltest Du nicht schon längst an Deinem Talent Network basteln? Jetzt aber flott, bevor es die Konkurrenz tut.

 

Bildquelle: www.pexels.de / Polina Tankilevitch www.pexels.com / Anna Shvets

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