Teilzeit: Hände lieben auf am Tisch

Teilzeit: Schon lange kein Randthema mehr

Früher war Teilzeit so ein Thema, das man lieber hinter vorgehaltener Hand diskutiert hat. Schließlich arbeitete man nicht in Vollzeit, um sich um Kinder und Angehörige zu kümmern. Heute ist das anders: Für viele Kandidat*innen ist das Angebot auf Teilzeitarbeit ein echtes Entscheidungskriterium. Für Dich im Recruiting heißt das: Bietest Du Teilzeit aktiv an, hast Du einen echten Vorteil im Markt.
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Definition: Was ist Teilzeit?

Teilzeit heißt erstmal ganz simpel: Eine Person arbeitet weniger Stunden als eine vergleichbare Vollzeitkraft im gleichen Unternehmen. Es gibt also keine magische Teilzeit-Grenze wie 20 oder 30 Stunden. Entscheidend ist der Vergleich zur üblichen Vollzeit bei Euch.

Wichtig: Teilzeit ist kein einheitliches Modell, sondern eher ein Baukasten. Der kann zum Beispiel so aussehen:

  • Reduzierte Wochenstunden
  • 4-Tage-Woche mit ähnlicher Stundenanzahl
  • Täglich kürzere Arbeitszeit
  • Jobsharing (zwei Personen teilen sich eine Vollzeitstelle)

Und hier sind wir beim Punkt: Wenn Bewerber*innen von Teilzeit sprechen, meinen sie nicht immer nur „weniger“, sondern auch anders verteilte Stunden. Genau deshalb solltest Du schon in Deinen Stellenanzeigen klar machen:

  • Wie viele Stunden?
  • Wie sind sie verteilt?
  • Und: Welche Kernarbeitszeiten gelten bei Euch?

Was ist Brückenteilzeit?

Doch Teilzeit ist nicht automatisch eine Entscheidung „für immer“. Viele Beschäftigte möchten ihre Arbeitszeit nur vorübergehend reduzieren – mit der Sicherheit, später wieder aufzustocken. Diese Form nennt sich Brückenteilzeit. Das ist im Grunde Teilzeit für eine bestimmte Zeitspanne.

Man reduziert die Arbeitsstunden für einen festgelegten Zeitraum und hat danach wieder das Recht, auf die vorherige Arbeitszeit zurückzuspringen. Auch das

Das heißt konkret:

  1. Mitarbeiterin XY hat eine Vollzeitstelle.
  2. An einem bestimmten Punkt geht sie in Teilzeit (z. B. 2 Jahre).
  3. Danach springt sie zurück auf die ursprüngliche Stundenzahl.

Die Idee dahinter: Teilzeit als Phase passt zu vielen Lebenssituationen, beispielsweise Erholung, Care-Arbeit, Weiterbildung etc.

Teilzeitjob: Vorteile für Arbeitgeber

Von manchen Unternehmen wird Teilzeit wie ein Problem behandelt, daher sprechen sie nicht gerne im Recruiting darüber. Das ist ein Fehler. Denn es hat für Dich viele Vorteile, neuen Talenten Teilzeit anzubieten, wenn Du alles richtig organisierst:

  • Du hältst gute Leute im Unternehmen
    Passt Vollzeit aktuell nicht, kann das Teilzeitangebot den Unterschied zwischen Gehen und Bleiben machen. So bleiben Dir Deine Mitarbeitenden erhalten – und damit auch ihre Erfahrung und das nötige Know-how.
  • Du wirst attraktiver im Recruiting
    Viele Talente suchen bewusst nach flexiblen Modellen. Bietest Du Teilzeit an, vergrößert sich der Bewerberpool und Du findest schneller passende Leute.
  • Weniger Fehlzeiten
    Teilzeitarbeit kann enorm Druck rausnehmen. Wer weniger Stunden arbeitet, ist oft weniger gestresst und fällt seltener aus.
  • Mehr Motivation und Produktivität
    Viele Teilzeitkräfte sind in ihrer Arbeitszeit extrem fokussiert. Vor allem, wenn Aufgaben und Erwartungen klar definiert sind.
  • Du stärkst die Bindung
    Wenn Deine Mitarbeitenden merken, dass du mitziehst, kommt das zurück: höhere Bindung, bessere Stimmung und weniger Fluktuation.
  • Du baust ein diverses Team auf
    Teilzeit ermöglicht Dir mehr Vielfalt. So hast Du Eltern, Pflegende, Studierende, Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen oder einfach solche Personen, die ein anderes Lebensmodell gewählt haben. Und das bedeutet für Dich mehr Perspektiven und oft eine bessere Teamdynamik.

Welche Ansprüche haben Deine Teilzeit-Mitarbeitenden?

Wenn Du Teilzeit anbietest, musst Du Dir aber auch über Rechtliches Gedanken machen. Teilzeit heißt zwar weniger Stunden, allerdings nicht weniger Rechte. Grundsätzlich gilt: Deine Teilzeitkräfte dürfen nicht schlechter behandelt werden als Vollzeitkräfte, nur weil sie weniger Stunden arbeiten. Unterschiede sind nur okay, wenn es dafür einen sachlichen Grund gibt.

#1 Weiterbildungen

Teilzeitkräfte haben denselben Anspruch auf Weiterbildung wie Vollzeitangestellte. Heißt für Dich: Wenn Du Schulungen, Trainings oder Zertifizierungen anbietest, dürfen Teilzeit-Mitarbeitende nicht automatisch raus sein. In der Praxis ist daher eher die Organisation ein Problem. Du musst die Termine so legen, dass sie teilnehmen können – oder Du bietest Alternativen (z. B. andere Termine, E-Learning, Aufzeichnungen).

#2 Mitbestimmung und Betriebsrat

Teilzeitkräfte zählen ganz normal zur Belegschaft inklusive Wahlrecht und Kandidatur beim Betriebsrat (falls es einen gibt). Auch bei Themen wie Arbeitszeit, Dienstplänen, Urlaub etc. haben sie die gleichen Mitbestimmungs- und Schutzrechte, die über den Betriebsrat laufen.

#3 Entgeltgleichheit

Für die gleiche Arbeit gilt: gleicher Stundenlohn. Du zahlst also nicht weniger pro Stunde, sondern nur insgesamt weniger, weil weniger Stunden gearbeitet werden. Und auch bei dem Joblevel gilt: gleiche Tätigkeit, gleiche Bewertung.

#4 Sonderzahlungen

Sonderzahlungen sind oft ein Minenfeld, aber die Faustregel ist einfach:
Wenn Vollzeitkräfte Weihnachtsgeld/Bonus bekommen, bekommen Teilzeitkräfte das in der Regel auch – meistens anteilig nach Arbeitszeit.

Wichtig: Wenn Sonderzahlungen an Ziele, Leistung oder Anwesenheit gekoppelt sind, muss das fair und nachvollziehbar sein und darf Teilzeitkräfte nicht benachteiligen.

#5 Betriebliche Altersvorsorge und Betriebsrente

Wenn Du eine Betriebsrente oder bAV anbietest, gilt das grundsätzlich auch für Teilzeitkräfte. Die Beiträge laufen meist prozentual vom Gehalt oder nach festen Regeln. Dadurch ist der Betrag am Ende oft niedriger, aber der Anspruch an sich bleibt bestehen.

Teilzeitjob: Nachteile für Arbeitgeber

Es wäre gelogen, würden wir sagen, dass das Ganze ausschließlich Vorteile mit sich bringt. Ein paar Nachteile gibt es leider auch. Die gute Nachricht: Die meisten davon kannst Du mit klaren Regeln und etwas Planung gut in den Griff bekommen.

  • Mehr Abstimmungsaufwand
    Wer ist wann erreichbar? Wenn Zuständigkeiten und Vertretungen nicht klar geregelt sind, kann es schnell chaotisch werden.
  • Komplexere Planung
    Vor allem bei Schichtbetrieb oder Projektarbeit kann Teilzeit die Planung verkomplizieren, vor allem in Bezug auf Meetings und Deadlines.
  • Wissens- und Verantwortungslücken
    Hängen Aufgaben stark an einer Person, entstehen durch weniger Anwesenheit leichter Lücken. Ohne klare Vertretung bremst das aus.
  • Kommunikationsdefizit
    Je weniger gemeinsame Überschneidungszeit im Team, desto höher das Risiko für Missverständnisse.
  • Zusatzkosten
    Nicht immer, aber möglich: Mehr Teilzeitkräfte können mehr Aufwand für Dich im HR bedeuten. Und je nach Position brauchst Du eventuell eine zusätzliche Person.

Lifestyle-Teilzeit: Die aktuelle Debatte

Vor einigen Wochen gab es aus Teilen der Union Vorstöße, den gesetzlichen Anspruch auf Teilzeit stärker zu begrenzen – ursprünglich teils unter dem Schlagwort „Lifestyle-Teilzeit“.

„Weniger Lifestyle-Teilzeit, mehr Arbeiten – anders werden wir den Wohlstand unseres Landes nicht erhalten können“, sagte kürzlich Kanzler Merz. Diese Aussage stieß vielerorts auf wenig Verständnis und auf Social Media ging die Post ab. Auch zahlreiche Medien berichteten: Der WDR, die tagesschau und die SZ, um nur ein paar zu nennen. Ina Scharrenbach, Chefin der NRW-Frauenunion, meinte dazu: „Lifestyle-Teilzeit geht an der Lebensrealität vorbei“. Vor allem an der von Frauen.

Es ist eine richtige Diskussion entstanden: Fachkräftemangel vs. Work-Life-Balance, Produktivität vs. Präsenzkultur, Flexibilität vs. Planbarkeit. Und je nachdem, wen Du fragst, klingt es komplett anders.

Wie ging es weiter?

Der Begriff wurde nach der Kritik teilweise wieder aus Anträgen gestrichen bzw. abgeschwächt; stattdessen ist eher von „Ordnen“ die Rede. Also: Es wird viel darüber geredet, aber ob und wann daraus wirklich konkrete Gesetzesänderungen werden, ist eine andere Frage. Für Dich im Alltag zählt erst mal: Was gilt heute und was verunsichert aktuell Talente und Teams?

Egal wie die Politik am Ende entscheidet: Die Debatte hat jetzt schon einen Effekt auf Stimmung und Erwartungen. Was Du jetzt konkret tun kannst:

  • Teilzeit klar als Angebot positionieren: Schreib nicht nur „Teilzeit möglich“ in Deine Stellenanzeige, sondern welche Modelle möglich sind (Tage/Woche, Kernzeiten, Remote Work, Jobsharing).
  • Leitplanken transparent machen: Sprich es möglichst früh im Recruitingprozess an, wenn bestimmte Verteilungen schwierig sind. Bewerber*innen hassen (zu Recht) Überraschungen nach dem Jobinterview.
  • Gleichbehandlung aktiv ansprechen: Mach klar, dass Teilzeit bei Dir nicht automatisch das Karriere-Aus bedeutet (sonst verlierst Du Top-Talente schon beim Lesen).
  • Teamleitungen briefen: Wenn Führungskräfte im Gespräch flapsig „Teilzeit ist bei uns schwierig“ sagen, geht Dein Employer Branding den Bach runter. Lieber ein abgestimmtes Wording: „Geht, wenn wir es sauber planen.“
  • Vom „Ob“ zum „Wie“: Die besten Gespräche drehen sich nicht um „Darf ich?“, sondern um „Wie lösen wir das konkret?“. Genau da liegt Dein Wettbewerbsvorteil.

Fazit: Was Du aus der Debatte mitnehmen kannst

Die politische Diskussion wird vermutlich noch eine Weile andauern. Für Deinen Recruiting-Alltag gilt:

  • Entscheidend ist, was heute gilt und wie Du kommunizierst.
  • Teilzeit ist ein Vertrauens-Thema.
  • Dein Wettbewerbsvorteil liegt im „Wie“ und nicht im „Ob“.

Wenn Du Teilzeit also nicht als Ausnahme behandelst, sondern als ganz normales Arbeitsmodell, wird daraus ein Punkt, mit dem Du Dich im Recruiting positiv abheben kannst.

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Vanessa Kammler

Als Chief Extraction Officer liebt sie es, spannende Erkenntnisse aus Studien zu extrahieren, How-Tos zu schreiben und Dir smarte Recruiting-Tools vorzustellen.

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