Jetzt wird wieder malocht! Die Rückkehr der Leistungskultur. 

Während die meisten Beschäftigten laut nach mehr Work-Life-Balance rufen und unter Dauerstress leiden, holen viele Unternehmen ein altbekanntes Konzept aus der Mottenkiste: Leistung, Leistung, Leistung. Boni werden angepasst, Ziele neu definiert und Leistungsbeurteilungen regelmäßiger vorgenommen. Und plötzlich ist sie da – die Rückkehr der Leistungskultur. Wir fragen uns: Rückschritt oder strategisches Comeback?
People & Culture
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Inhalt

Was ist eine Leistungskultur?

Leistungskultur: Das klingt nach Unternehmensberatung und Flipchart, ist aber in Wahrheit ziemlich bodenständig. Es geht um die gemeinsame Haltung dazu, wie Leistung im Unternehmen verstanden, gefördert und anerkannt wird.

Eine starke Leistungskultur beantwortet Fragen wie:

  • Was gilt bei uns eigentlich als gute Leistung?
  • Zählt nur das Ergebnis oder auch Teamgeist, Lernbereitschaft und Kreativität?
  • Wie gehen wir mit Fehlern um?
  • Und wie stellen wir sicher, dass Engagement wirklich gesehen und wertgeschätzt wird?

Die Leistungskultur ist ein Regelwerk, das den Alltag im Unternehmen prägt. Sie entscheidet darüber, ob Menschen ihr Bestes geben, weil sie wollen oder weil sie müssen.

Sie entsteht nicht durch eine neue Zielvereinbarung oder ein paar motivierende Slides, sondern durch gelebte Werte, klare Kommunikation und Führung, die Leistung fördert, statt sie zu kontrollieren.

Hat Deutschland ein Leistungsproblem?

Sagen wir mal: Es kommt drauf an, wen man fragt. (*hust*Bundeskanzler Merz *hust* hat da sicher seine eigene Meinung.) Aber schauen wir uns mal ein paar Fakten an. Die sprechen eine recht eindeutige Sprache: Nämlich ein klares „Ja“. Und das auf mehreren Ebenen.

#1 Die Arbeitsmotivation sinkt

#1 Die Arbeitsmotivation sinkt

Eine aktuelle Studie der Unternehmensberatung EY zeigt, dass nur noch 18 Prozent der deutschen Arbeitnehmer*innen sich als „hochmotiviert“ bezeichnen – ein dramatischer Rückgang gegenüber den 42 Prozent im Jahr 2019.

Rund 28 Prozent geben an, lediglich „Dienst nach Vorschrift“ zu leisten. Also mehr als jede*r Vierte. Besonders auffällig ist der Generationenunterschied: Während 63 Prozent der Babyboomer hoch motiviert sind, sinkt dieser Anteil bei der Generation Z auf 43 Prozent.

Diese Studie ist mit 2.000 befragten Arbeitnehmern und Arbeitnehmerinnen repräsentativ und wird alle zwei Jahre durchgeführt.

#2 Die Leistungsbereitschaft stagniert

Es geht aber noch weiter: Laut einer Untersuchung der Liz Mohn Stiftung in Zusammenarbeit mit Ipsos empfinden lediglich 43 Prozent der Beschäftigten, dass sich gute Leistung auch auszahlt. Gleichzeitig geben 83 Prozent an, dass ihr Privatleben ihnen wichtiger ist als die Karriere.

#3 Die Arbeitsstunden sinken

Eine Studie haben wir noch, die beweist, dass es um die Leistungskultur der Deutschen nicht so gut bestellt ist. Laut des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) arbeiten die Deutschen im internationalen Vergleich deutlich weniger. Im Jahr 2023 leisteten deutsche Erwerbstätige im Alter von 15 bis 64 Jahren durchschnittlich 1036 Arbeitsstunden – deutlich weniger als der OECD-Durchschnitt.

Welche Zusammenhänge bestehen zwischen Führungs- und Leistungskultur?

Du hast es bestimmt selbst schon mal erlebt. Eine gute oder schlechte Führungskraft kann den entscheidenden Unterschied machen zwischen Dienst nach Vorschrift und echter Leistungsbereitschaft. Wir stellen Dir mal ein paar Führungsstile vor, die die Welt ein kleines bisschen besser machen:

#1 Die Führung prägt die Leistungskultur

Die Führungskultur ist ein zentraler Bestandteil der Unternehmenskultur. Sie beeinflusst maßgeblich, wie Werte und Normen im Unternehmen gelebt werden. Eine klare Führungskultur, die auf Vertrauen, Kommunikation und Wertschätzung baut, fördert eine positive Unternehmenskultur und damit auch eine leistungsorientierte Atmosphäre.

#2 Transformationale Führung is the key

Transfor-WAS? Das meint einen Führungsstil, der auf Inspiration, Motivation und Entwicklung setzt – und somit positive Auswirkungen auf die Leistung der Mitarbeitenden hat. Dieser Führungsstil fördert nicht nur die Motivation, sondern auch die Kreativität und Innovationsbereitschaft, was wiederum zu einer höheren Leistungsbereitschaft führt.

Eigentlich logisch, allerdings beweist uns das auch eine Studie, für die rund 30.000 Fach- und Führungskräfte befragt wurden.

#3 Positive Leadership

Der Positive-Leadership-Ansatz unterscheidet sich gar nicht mal so sehr von der Transformationalen Führung. Er basiert auf den Prinzipien der Positiven Psychologie und legt den Fokus auf die Stärken der Mitarbeitenden. Das Resultat: Ein positives Arbeitsumfeld. Win-Win für alle. Unternehmen, die diesen Ansatz verfolgen, berichten von höherer Mitarbeiterzufriedenheit, geringerer Fluktuation und gesteigerter Leistungsbereitschaft. Ein spannendes Thema! Falls Du noch mehr darüber erfahren möchtest: hier geht’s lang.

Performance Management und Leistungskultur

Vielleicht stellst Du Dir jetzt die Frage: Wie messen die ganzen Studien Leistung von Mitarbeitenden überhaupt. Herzlichen Glückwunsch – Du hast die Tür zu einem neuen Buzzword aufgestoßen. Schon mal was von Performance Management gehört? Dieses fasst die die Regeln und Instrumente zusammen, um Leistung messbar zu machen.

Performance Management und Leistungskultur sind eng miteinander verknüpft, weisen aber dennoch Unterschiede auf:

Performance Management Leistungskultur
Definition Prozesse und Instrumente zur Planung, Messung, Steuerung und Förderung von Leistung Gemeinsame Werte, Normen und Verhaltensweisen, wie Leistung wahrgenommen, anerkannt und belohnt wird
Ziel Leistung messbar machen und verbessern Mitarbeitende motivieren, ihr Bestes zu geben, und Leistungsbereitschaft fördern
Beispiele Zielvereinbarungen, Feedbackgespräche, Leistungsbeurteilungen, Boni Gelebte Anerkennung, konstruktives Feedback, Teamgeist, transparente Kommunikation
Fokus Struktur, Kontrolle, Steuerung Motivation, Verhalten, Kultur
Verbindung macht Leistung sichtbar schafft die Motivation, damit Performance Management im Alltag Wirkung zeigt

Warum ist Performance Management entscheidend?

Das Performance Management ist nicht nur ein schickes Buzzword. Es ist das Herzstück einer funktionierenden Leistungskultur. Warum? Darum:

#1 Es schafft Klarheit

Wer nicht weiß, was von ihm erwartet wird, kann auch nicht liefern – so einfach ist das. Zielvereinbarungen, KPIs und regelmäßiges Feedback machen deutlich, welche Leistungen zählen und wie sie gemessen werden. Eine klare Kommunikation der Erwartungen fördert das Engagement und die Leistung Deiner Mitarbeitenden.

#2 Stichwort: Mitarbeiterbindung

Richtig umgesetzt zeigt Performance Management nicht nur auf, wo Verbesserungen nötig sind, sondern auch, wo Mitarbeitende glänzen. Anerkennung, Boni oder Entwicklungsmöglichkeiten motivieren und binden Deine Mitarbeitenden an Dein Unternehmen. Eine Studie von Leapsome zeigt, dass motivierte Angestellte weniger geneigt sind, das Unternehmen zu verlassen und eine höhere Arbeitszufriedenheit aufweisen.

#3 Es unterstützt Führungskräfte

Performance Management liefert Führungskräften verlässliche Daten, um Entscheidungen zu treffen – sei es bei Beförderungen, Schulungen oder Teamaufstellungen. So können sie gezielt fördern und nicht nur nach Bauchgefühl führen. Dies stärkt das Vertrauen Deiner Mitarbeitenden in die Führungskräfte und fördert eine positive Unternehmenskultur.

#4 Es wirkt strategisch

Seid Ihr ein Unternehmen, das Performance Management ernst nimmt, könnt Ihr Eure Ziele konsequent verfolgen. Ressourcen werden effizient eingesetzt, Talente gezielt entwickelt und die Gesamtleistung Deines Unternehmens steigt. Das HR Performance Insitute sagt: Unternehmen mit einem klaren Performance-Management-Ansatz liefert nachweislich höhere Ergebnisse – und das nicht nur in Zahlen, sondern auch in der Zusammenarbeit.

#5 Es steigert die Wettbewerbsfähigkeit

Auch das Kienbaum Institut hat eine Untersuchung durchgeführt. Diese zeigt, dass Unternehmen, die Leistung gezielt und strukturiert managen, von einer höheren Mitarbeiterzufriedenheit und einer stärkeren Wettbewerbsfähigkeit profitieren. Die Studie verdeutlicht außerdem, dass ein gelungenes Performance Management nicht nur die individuelle Leistung steigert, sondern auch die Organisation als Ganzes stärkt. Na, wenn das mal nichts ist!

Die wichtigsten Prozesse im modernen Leistungsmanagement

Wie bereits mehrfach erwähnt, ist modernes Leistungsmanagement mehr als jährliche Zielgespräche oder ein paar Pseudo-KPIs auf dem Papier. Es geht darum, Leistung zu steuern, sichtbar zu machen und gleichzeitig die Motivation der Mitarbeitenden zu fördern. Hier sind die wichtigsten Prozesse, die Du im Blick behalten solltest:
  • Kontinuierliches Feedback als Grundlage für Wachstum:
    Regelmäßiges, konstruktives Feedback sorgt dafür, dass Deine Mitarbeitenden wissen, wo sie stehen, und sich gezielt weiterentwickeln können. Es ersetzt das einmal im Jahr stattfindende „Feedback-Event“ durch echte, wertschätzende Kommunikation im Alltag.
  • Leistungsbeurteilung und faire Belohnungssysteme:
    Nur wenn Du Leistung transparent misst und anerkennst, kannst Du faire Belohnungen verteilen – sei es durch Boni, Gehaltserhöhungen oder Entwicklungsmöglichkeiten. Gerechtigkeit ist ein Motivator, den Du nicht unterschätzen solltest!
  • Wertschätzung und Anerkennung als Motivationsfaktoren:
    Ein „Danke“ im Alltag wirkt mehr als eine Grußkarte zum Geburtstag. Anerkennung steigert die Zufriedenheit, bindet Deine Leute ans Unternehmen und sorgt dafür, dass sie ihr Bestes geben.
  • Klare Zielvorgaben für Orientierung und Fokus:
    Wer nicht weiß, wohin die Reise geht, läuft Gefahr, Zeit und Energie zu verschwenden. Klare, messbare Ziele geben Orientierung, setzen Prioritäten und erleichtern die Selbststeuerung.
  • Maßnahmen zur stetigen Leistungsverbesserung:
    Leistungsmanagement ist ein Prozess, kein einmaliges Event. Regelmäßige Entwicklungsmaßnahmen, Trainings oder Workshops helfen Deinen Mitarbeitenden, kontinuierlich besser zu werden.
  • Mentoring und Coaching gezielt zugänglich machen:
    Individuelle Förderung durch erfahrene Kolleg*innen oder professionelle Coaches unterstützt persönliche Entwicklung und stärkt die Leistungskultur im Unternehmen.
  • Aktive Mitarbeitendenbeteiligung fördern:
    Wer seine Meinung einbringen kann, ist engagierter. Deine Mitarbeiter*innen sollten aktiv in Zielsetzung, Feedbackprozesse und Verbesserungsmaßnahmen eingebunden werden.
  • Ganzheitliches 360°-Feedback etablieren:
    Feedback sollte nicht nur von oben nach unten fließen. Kolleginnen, Führungskräfte und – wenn sinnvoll – Kundinnen liefern ein umfassendes Bild der Leistung.
  • Relevante Kennzahlen und Leistungsmetriken einbeziehen:
    Zahlen lügen nicht – sofern sie richtig eingesetzt werden. KPIs, Zielerreichungsquoten und andere Metriken helfen, Leistung objektiv zu bewerten und Entscheidungen zu untermauern.
  • Individuelle Entwicklungspläne gestalten:
    Jede*r Mitarbeitende hat unterschiedliche Stärken und Ziele. Individuelle Entwicklungspläne sorgen dafür, dass Talente gezielt gefördert werden und langfristig im Unternehmen wachsen können.

Ziele als Kern einer Leistungskultur

Eine gute Leistungskultur braucht darüber hinaus realistische, messbare und gemeinsam vereinbarte Ziele, an denen sich alle orientieren können. Erfolgreiche Unternehmen setzen dabei auf die so genannte SMART-Formal: Ziele müssen spezifisch, messbar, attraktiv, realistisch und terminiert sein. So wird Leistung greifbar und Feedback fair. Wichtig ist aber auch, dass Zielsetzungen heute nicht mehr von oben herab diktiert werden, sondern im Dialog entstehen. Können und dürfen Deine Mitarbeitenden ihre Ziele mitgestalten, übernehmen sie mehr Verantwortung und bringen sich stärker ein. Eine starke Leistungskultur lebt außerdem von Anerkennung. Wer Ziele erreicht – ob groß oder klein – sollte das spüren. Kleine Erfolge zu feiern, stärkt den Zusammenhalt und sorgt dafür, dass Motivation langfristig bestehen bleibt.

Leistungskultur erfolgreich gestalten: typische Fehler und wie es besser geht

Eine starke Leistungskultur entsteht nicht von alleine – sie braucht Deine aktive Führung. Gleichzeitig gibt es ein paar Klassiker, die Dir den Aufbau einer motivierenden Kultur schnell vermiesen können. Zum Beispiel:
  • Pauschale Kritik statt konstruktivem Feedback
    Einfach nur zu sagen „Das war nix“ bringt wahrlich niemanden weiter. Erkläre lieber konkret, was genau verbessert werden kann, und zeige, wie die Stärken genutzt werden können. So fühlen sich Deine Mitarbeitenden unterstützt statt angegriffen.
  • Potenziale übersehen oder falsch einschätzen
    Jeder Mitarbeitende hat individuelle Stärken. Wer diese nicht erkennt oder falsch einschätzt, verschenkt Chancen für die persönliche Entwicklung und den Erfolg des Teams. Nimm Dir Zeit, Talente gezielt zu fördern und ihre Fähigkeiten richtig einzusetzen.
  • Mitarbeitende am falschen Platz einsetzen
    Egal, wie dringend eine Stelle besetzt werden muss: Wenn jemand Aufgaben bekommt, die nicht zu seinen Stärken passen, sinkt die Motivation und die Leistung leidet. Setze Deine Leute dort ein, wo sie am meisten bewirken können – das spart Frust und steigert die Effektivität.
  • Weiterbildung verordnen statt fördern
    Weiterbildung funktioniert nur, wenn sie sinnvoll und motivierend gestaltet ist. Verordnest Du Trainings einfach „von oben herab“, wird wenig hängen bleiben. Wenn überhaupt. Unterstütze stattdessen Dein Team aktiv, zeige den Nutzen auf und ermögliche eine selbstbestimmte Weiterentwicklung.
  • Mahnende Worte statt partnerschaftlicher Kommunikation
    Drohungen oder ständige Ermahnungen schrecken eher ab, als dass sie motivieren. Setze auf offenen Dialog, regelmäßiges Feedback und echte Wertschätzung. So fühlen sich Deine Mitarbeiter*innen ernst genommen und engagieren sich freiwillig, statt nur aus Pflichtgefühl zu handeln. Und vielleicht sogar schneller wieder weg sind als du eine zweite Drohung aussprechen kannst.

Fazit: Wie Du eine gesunde Leistungskultur aufbaust

Der erste Schritt zur starken Leistungskultur beginnt nicht mit komplizierten Systemen oder teuren Tools, sondern mit Dir und Deinem Team. Wichtig ist, dass Du klar kommunizierst, welche Werte und Erwartungen zählen und dass Leistung gesehen und anerkannt wird. Starte damit, die Basis zu schaffen: Setzt Euch zusammen und definiert gemeinsam, was „gute Leistung“ bei Euch bedeutet, welche Ziele Ihr verfolgen wollt und wie Erfolge sichtbar werden. Transparente Kommunikation sorgt dafür, dass alle verstehen, worauf es ankommt, und sich aktiv einbringen können. Du kannst beispielsweise so starten:
  • Führe regelmäßige kurze(!) Meetings ein, in denen Ihr über Ziele, Erfolge und Herausforderungen sprecht – nicht nur einmal im Jahr beim Mitarbeitergespräch.
  • Setze auf kontinuierliches Feedback: Ein kurzes Lob oder konstruktive Hinweise direkt im Alltag wirken oft stärker als lange Berichte.
  • Starte kleine Anerkennungsrituale, z. B. ein wöchentliches Team-„Shout-out“, bei dem Erfolge sichtbar gemacht werden.
  • Entwickle gemeinsam mit den Mitarbeitenden erste individuelle Ziele und Entwicklungspläne, die auf ihre Stärken und Interessen abgestimmt sind.
  • Schaffe Transparenz über Erfolge: Zeige, wie Beiträge einzelner Teammitglieder das große Ganze voranbringen.
Nicht zuletzt: Setze auf Motivation statt Kontrolle. Eine echte Leistungskultur entsteht, wenn Mitarbeitende spüren, dass ihr Engagement geschätzt wird und sie die Möglichkeit haben, sich zu entwickeln. Starte klein, aber konsequent, und baue Schritt für Schritt Routinen und Strukturen auf, die Leistung sichtbar machen und fördern.

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